Fußball: Walking Football
Kicken im Schritttempo mit Klaus Fischer und Martin Max

Gelsenkirchen -

Nicht nur beim FC Schalke 04 zeichnet sich ein neuer Trend ab. Auch andere Proficlubs haben bereits Teams im Repertoire, die Walking Football spielen. Wie der Name schon gesagt: Rennen ist verboten. Prominente Namen mischen mit.

Dienstag, 10.11.2020, 16:52 Uhr aktualisiert: 10.11.2020, 16:55 Uhr
Geht beim „Walking Football“ voran. Klaus Fischer (I.), einer der drei Trainer auf Schalke.
Geht beim „Walking Football“ voran. Klaus Fischer (I.), einer der drei Trainer auf Schalke. Foto: Rabas/FC Schalke 04

„Das sieht ja aus wie Standfußball!“ Was sich auf den ersten Ton und im Allgemeinen wie harsche Kritik anhört, ist in diesem Fall und aus einem besonderen Blickwinkel ausdrücklich erwünscht. „Nicht laufen“ ist sogar eine Aufforderung, ja eine Anweisung. Verrückt, und das beim Fußball! Doch Laufen ist beim Walking Football sogar streng untersagt. Grundsätzlich müsste abgepfiffen werden, sobald ein Spieler läuft – die gegnerische Mannschaft erhält dann einen Freistoß.

Kicken im Schritttempo ist angesagt, inzwischen eine neue Trendsportart. Zumindest bei den betagten Männern mit grauen oder wenigen Haaren, die noch nicht auf den Ball verzichten möchten. So können auch ältere Menschen Fußball spielen – mit geringer Verletzungsgefahr. „Ich hab’ Rücken“ gilt längst nicht mehr als Ausschlusskriterium. Gepöhlt werden kann auch im Park. Obwohl die Spieler „nur“ gehen, gewinnt das Spiel durch viele Pässe an Fahrt. „Manche denken, Walking Football wäre wie spazieren gehen oder shoppen mit der Frau“, sagt ein Kicker, „aber ich schwitze.“

Max als Trainer

Es ist nicht zu unterschätzen, eine Herausforderung. Wohl auch deshalb hat sich mit Martin Max ein Ex-Torschützenkönig als Trainer gewinnen lassen. Bei den Königsblauen auf Schalke selbstverständlich. Während er die Gruppe am Mittwoch übernimmt, bitten Klaus Fischer und Matthias Herget schon am Montag zur Bewegung mit Ball. Am Freitag wartet die offene Gruppe. „Seit drei Jahren haben wir das bei uns eingeführt und hoch aufgehängt“, sagt Boris Liebing. Drei Ex-Nationalspieler im Trainerstab unterstreichen das. Der Koordinator Sportabteilungen organisiert das Kicken über die Stiftung „Schalke hilft!“ und weiß alles über den Trend.

Zum Kreis zählen inzwischen 85 Spieler. Ihr Mindestalter sollte 55 Jahre betragen. „Wir haben aber auch 53- und 54-Jährige, die mitspielen. Das ist unsere Nachwuchsabteilung“, lacht der 40-Jährige. „Wir sind darauf bedacht, es vernünftig zu machen.“ In Teams spielen sich die Männer die Bälle zu. Es heißt üben, üben, üben. „Da nicht gerannt werden darf, ist Walking Football sehr passlastig. Eine neue Hüfte oder ein neues Knie sind kein Handicap.“

Positive Rückmeldungen

Gesucht wurde ein Projekt, mit dem der Verein konkret die älteren Schalker ansprechen wollte. „In Walking Football haben wir etwas gefunden, was die sportliche und soziale Komponente perfekt miteinander verknüpft. Die Rückmeldungen waren von Beginn an sehr positiv und bestärken uns, weiterzumachen“, erläutert Sebastian Buntkirchen, Geschäftsführer von „Schalke hilft!“ auf der Club-Homepage.

Ursprünglich kommt der Gehfußball aus England. Dort und in Holland wird er schon länger gespielt. Noch existiert in Deutschland kein offizieller Verband, doch die Dachorganisationen zeigen immer mehr Interesse. „Bei uns ist das noch nicht so populär, aber das kommt noch. Es wird wachsen“, versichert Liebing. Auf Schalke sowie in Bochum, Leverkusen und Bremen hat der Walking Fußball schon Fahrt aufgenommen.

Die Gelsenkirchener und die Werksvertretung von Bayer stellen sich schon internationalen Vergleichen, planen eine Liga. Anfang des Jahres kam das S04-Team von einem Turnier von der britischen Insel zurück, bei dem es unter anderem gegen Tottenham Hotspur, FC Arsenal oder FC Chelsea ging. „Im fortgeschrittenen Alter im Schalker Trikot gegen Chelsea auflaufen, das werden sie ein Leben lang nicht vergessen“, sagt Liebing – auch wenn es nur Gehfußball ist. Er erinnert sich an die einen oder anderen glänzenden Augen.

Ebenfalls nicht mehr wegzudenken ist die 2018 gegründete Walking Football League, mit ihren zwölf deutschen und internationalen Mannschaften. Im Oktober des vergangenen Jahres fand die Hinrunde der Saison 2019/20 in der alten Glückaufkampfbahn statt. Die Rückrunde der zweiten Spielzeit, die in Turnierform gespielt wird, war für dieses Jahr im niederländischen Nijmegen vorgesehen.

Denn natürlich bremst aktuell Corona die Aktivitäten. „Zwischenzeitlich haben wir pausiert und tun dies auch jetzt. Schließlich haben wir es mit einer Risikogruppe zu tun“, klärt Liebing auf. Auf die zwischenzeitlichen Lockerungen reagierte man aktiv, trug mit dem VfL Bochum und dem BVB eine Revier-Meisterschaft aus, die den Königsblauen (endlich) einen Titel bescherte. Auch nach dem nächsten „Go“ geht es weiter. Denn Liebing versichert: „Wir haben große Pläne.“ Beim FC Schalke 04 ist derweil Walking Football nicht das einzige Projekt. Auch Kicken für übergewichtige Fans gehört dazu. Zwölf Wochen werden die Spieler auf Vordermann gebracht, um dann den nächsten Schritt zu gehen – beim Walking Football.

https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/7672203?categorypath=%2F2%2F2669082%2F2670173%2F2686137%2F2686217%2F2820517%2F
Nachrichten-Ticker