Fußball: Bundesliga
Schalker Abstiegssorgen werden nach grausamer Leistung gegen Wolfsburg real

Gelsenkirchen -

Der FC Schalke 04 befindet sich weiter geradewegs Richtung 2. Liga. Vielleicht etwas früh, am achten Spieltag so zu urteilen, doch der Auftritt gegen den VfL Wolfsburg (0:2) machte wenig Hoffnung auf Besserung. Stürmer Mark Uth sprach authentisch das aus, was alle bei den Knappen denken.

Sonntag, 22.11.2020, 15:22 Uhr aktualisiert: 22.11.2020, 16:46 Uhr
Mark Uth sprach nach dem Spiel wahre Worte. Ob sie allen gefallen? Eher nicht.
Mark Uth sprach nach dem Spiel wahre Worte. Ob sie allen gefallen? Eher nicht. Foto: imago-images

Der freie Fall dauert an, und keiner findet die Reißleine für den Rettungsschirm. Der FC Schalke 04 taumelt weiter durch die Saison und muss sich spätesten nach dem teilweise blamablen Auftritt beim 0:2 (0:2) gegen den VfL Wolfsburg mit dem schlimmsten aller Szenarien beschäftigen. In einer derart schlechten Verfassung dürften die Knappen einer der ersten Kandidaten für einen Abstiegsplatz bleiben.

Kommentar: Naiv und hilflos

Beim 2:2 vor zwei Wochen in Mainz immerhin nur glücklos, zuvor ratlos, inzwischen hilflos: Vielleicht muss der Fußball-Club Schalke 04 auf die rote Couch, vielleicht kann ihm aber auch dort nicht mehr geholfen werden.

Im Sport sind Trainerwechsel in der Regel die letzte Patrone im Magazin. Schalke hat sie schon nach dem zweiten Spieltag abgefeuert; kein Mensch weiß, wo die Kugel eingeschlagen ist, im Ziel jedenfalls nicht. Der Revierclub befindet sich in der schlimmsten Krise seit dem letzten Abstieg 1988.
Das Bild, das er auf dem Feld abgibt, ist verheerend. Das Tun hinter den Kulissen im besten Falle naiv. Beim Wechsel des Trainerstabs wurde in die Besetzung der Assistenzstelle gefühlt mehr Hoffnung gelegt als in die des Chefs. Ja, Naldo war ein großer Schalker, aber doch noch nie Trainer.
Natürlich war es nur ein Versprecher, es passte wie das letzte Stück ins Puzzle, als Teammanager Sascha Riether seine Gedanken am Samstag zusammenfasste: „Wir werden weitermachen bis zum bitteren Ende.“ Dem ist nichts hinzuzufügen. Wilfried Sprenger

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24 Spiele ohne Sieg zehren zudem am Nervenkostüm: „Das macht keinen Spaß“, sagte Mark Uth. „Wir sind jedes Mal einen Schritt zu spät, kommen nicht mal in die Zweikämpfe, kassieren keine Gelbe Karte. Ich weiß nicht, wie wir so ein Spiel gewinnen wollen, ehrlich“, sagte der aus Köln zurückgeholte Offensivspieler und ging gleich noch mal in die Vollen: „Das ist unfassbar. Das ist kein Aufgeben. Aber wir sind einfach schlecht als Mannschaft. Wir verteidigen schlecht, alle zusammen. Wir spielen alle sehr, sehr schlechten Fußball.“

Ich weiß nicht, wie wir so ein Spiel gewinnen wollen, ehrlich.

Mark Uth

Kein Widerspruch. Schalke blieb in den ersten 35 Minuten alles, wirklich alles schuldig. Eine Struktur im Team war wieder nicht erkennbar, geschweige denn eine Hierarchie. Erkennbarer Zusammenhalt? Fehlanzeige. Die nach wie vor unbesiegten Wolfsburger nutzten die Unzulänglichkeiten allerdings ebenso gnadenlos wie gekonnt aus. Erst köpfte Wout Weghorst („Die beste Halbzeit von uns bis jetzt“) eine Eckball-Vorlage von Maximilian Arnold zum 1:0 (4.) ein, dann vollendete Xaver Schlager (24.) einen vortrefflichen Spielzug zur Vorentscheidung. Die Schalker halfen durch stoisches Nicht-Eingreifen tatkräftig mit: Die Zuteilung beim Standard war amateurhaft, die Absicherung und Raumaufteilung in der Rückwärtsbewegung mangelhaft. Es fehlte an Grundsätzlichem.

Die Begegnung wurde zwar im zweiten Durchgang ausgeglichener, weil Trainer Manuel Baum die Statik festigte, auf Viererkette umstellte und mit Benito Raman (für den enttäuschende Amine Harit) und Steven Skrzybski (für Benjamin Stambouli) mehr Offensive wagte. Torhüter Frederik Rönnow, der Ralf Fährmann wohl auf Dauer zur zweiten Kraft verdrängt, hielt Schalke mit einer starken Parade gegen Weghorst (64.) im Spiel. Und so konnte den beiden sehr guten Chancen durch Goncalo Paciéncia (67.) und Raman (Latte/90.) so etwas wie ein Lebenszeichen angehängt werden.

Tasmanias Spuren

Das tut auch Not: Gladbach und Leverkusen heißen die nächsten Gegner, deren augenblickliche Stärke selbsterklärend für Schalker Befürchtungen ist. Tasmania Berlin schaffte es 1965/1966, mit 31 sieglosen Spielen einen Rekord für die Ewigkeit aufzustellen. Schalke – Vizemeister vor zwei Jahren (!) – fehlen noch sieben Spiele, den einzustellen. Ein Horrorszenario.

Manuel Baum hat sich in den zwei Monaten seiner Amtszeit nicht als Retter definieren können. Drei Punkte aus sechs Spielen unter seiner Regie sind angesichts der prekären Situation viel zu wenig, um dem 41-Jährigen auch nur ansatzweise erfolgreiches Arbeiten zu attestieren. Andererseits: „Er ist das ärmste Schwein bei uns“, sagte der selbstkritische Uth – und suchte weiter. Nach der Reißleine

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