Wahl zum Fußballer des Jahres
Die große Karriere auf Eis gelegt

Münster -

Mit 17 Jahren zerbrach ein großer Traum. Jill-Justine Eis wurde nach einem Unfall im Training und vielen folgenden Untersuchungen damit konfrontiert, dass sie gesundheitsbedingt kürzer treten muss. Eine ganz bittere Erfahrung für die Psychologie-Studentin.

Mittwoch, 22.05.2019, 17:26 Uhr aktualisiert: 22.05.2019, 17:28 Uhr
Einst in Liga zwei am Ball: Jill-Justine Eis
Einst in Liga zwei am Ball: Jill-Justine Eis

Sie ist gerade 17, steht vor einer großen Zukunft. Dann schlägt das Schicksal unerbittert zu: ein Trainingsunfall durchkreuzt die Pläne im Nu. Als sich der Arzt im Krankenhaus mit versteinerter Mine zu Jill-Justine Eis aufs Krankenbett setzt und der jungen, ambitionierten Fußballerin des FSV Gütersloh reinen Wein einschenkt, starrt das junge Mädchen ins Leere. Ein großer Bandscheibenvorfall und eine genetische Disposition der Hüfte lassen auf Dauer keinen Leistungssport zu. Die große Karriere – auf Eis gelegt. „Der schlimmste Moment in meinem Leben“, sagt Jill-Justine im Nachklapp. Drei Jahre ist das her.

Inzwischen hat sie Abitur gemacht, studiert im vierten Bachelor-Semester Psychologie in Münster. Und wirkt mit sich und der Welt mit nun 20 Jahren im Reinen. Meistens. „Ich denke schon oft daran, was hätte sein können, wenn mir das alles erspart geblieben wäre.“ Vier Jahre lange lebte sie im Sportinternat in Kaiserau, kickte für Gütersloh sogar in der B-Juniorinnen-Bundesliga und später im Unterhaus mit den Damen.

Mit Carina Schlüter, künftig Torfrau beim FC Bayern München, teilte sie die Wohnung. Und Sophia Kleinherne, heute beim 1. FFC Frankfurt, wurde eine ihrer besten Freundinnen. „Ich habe mir letztens mal ein Spiel von ihr in der Bundesliga angesehen – da fließen Tränen“, gibt sie unumwunden zu. Dem Oberhaus war auch sie so nah. Ihr ehemaliger Trainer Christian Franz-Pohlmann heuerte 2016 in Jena an. Wollte sie am liebsten mitnehmen. Blöd: Eis war vertraglich noch gebunden.

Schmerz- und Physiotherapie – sie prägen bis heute den Alltag von Jill-Justine. „Ich mache täglich meine Übungen für die Stabilisation“, sagt sie. Erfreulich: Seit einem Jahr kickt sie wieder. Für die Mädels von BW Aasee. Erst war sie dort Co-Trainerin, bis Coach Kolja Steinrötter sie irgendwann einfach mal zurück ins Becken warf. „Ich habe es probiert. Und es ging einigermaßen.“ Mit den Blau-Weißen stieg sie gerade in die Bezirksliga auf. Eine große Sause. „Ich sehe zu, dass ich irgendwie beweglich bleibe“, ist sie am Ball. Große Ziele im Fußball hat sie nicht mehr. Die Prioritäten haben sich (zwangsläufig) verschoben.

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