„Balori“-Training
Wenn die Schwerkraft obsiegt

Saerbeck -

Die Bälle sind kleiner als beim Fußball. Und anstatt auf dem Fuß werden sie auf der Hand balanciert. „Balori“ nennt sich das Trainingskonzept, mit dem die Balance und die Orientierung verbessert werden sollen. Ein Selbstversuch soll zeigen, was von der Methode zu halten ist

Montag, 22.05.2017, 18:00 Uhr
Der Balori-Stab  bleibt senkrecht, wenn der Mensch im Gleichgewicht bleibt, hier D-Mädchen Trainer Thomas Papke.
Der Balori-Stab  bleibt senkrecht, wenn der Mensch im Gleichgewicht bleibt, hier D-Mädchen Trainer Thomas Papke. Foto: Alfred Riese

Wie hoch wäre wohl die Aufprallgeschwindigkeit, wenn meine auf 193 Zentimeter verteilten knapp 100 Kilo aus der Balance geraten und sich Richtung Rasen orientieren? Beim „Balori“-Training mit dem Fußballnachwuchs des SC Falke zog mich die Schwerkraft mehr als einmal zu einer Antwort auf diese Frage hin. Was ich nach einer Stunde jetzt sicher weiß: Die Ankündigung von Frank Pudel, dass die so harmlos aussehenden Übungen kräftig auf Sprunggelenke und Gesäß gehen, stimmt. Hoffentlich stellen sich auch die Vorteile ein, die der Regionalleiter der Deutschen Kinder-Sportakademie (DKSA) in Aussicht gestellt hat.

Übung eins: Füße in einer Linie voreinander, Tennisball in eine Hand, beide Arme 45 Grad zur Seite und dann langsam den gelben Filz in die andere Hand – geht halbwegs. Mit geschlossenen Augen macht sich ein deutlicher Rechtsdrall bemerkbar. Die Füße voreinander, das schaltet wohl Muskeln aus, die ich sonst zum senkrecht Bleiben benutze. Und fordert scheinbar Teile der Tiefenmuskulatur, die gerade erst aufgewacht scheinen, wenn ich den Übungsleiter richtig verstanden habe.

„Balori“ steht für Balance und Orientierung. Es geht um ein Training der Stütz- und Haltemuskulatur, den Ausgleich von Ungleichgewichten im Bewegungsapparat und eine bessere Vernetzung beider Gehirnhälften. Das alles ohne Fußball, aber für den Fußball.

Noch fieser ist der Balori-Stab. Unten ein Holzquader, dann eine Stange und eine Kugel obendrauf. Die gleiche Übung wie mit dem Tennisball, nur schwieriger. Hinter den geschlossenen Augenliedern wird mir irgendwann etwas schwindlig. Stehe ich noch? Die Füße müssen wohl unten sein, denn da fällt der Stab der Nachbarin gerade drauf.

Koordination steigern und beweglicher werden sind zwei wichtige Ziele des „Balori“-Vorbeugungstrainings, erklärt Frank Pudel, die Kosten übernehmen auch für die Falke-Kicker die gesetzlichen Krankenkassen. Die Kursteilnehmer würden „abgeholt, wo sie gerade stehen“, sagt der Experte. Mir muss er wohl ziemlich entgegen kommen.

Strickleiter auf dem Rasen, erster Fuß ins Feld, den zweiten hinter und so weiter. In jedem dritten Feld den ersten Fuß vor, dann den zweiten und wieder zurück. Bei mir wird es eine Zeitlupe, und trotzdem bleiben die Schuhsohlen noch an der Sprossen hängen, auch ohne Stollen. Respekt für die rasend schnellen D-Mädchen an dieser Station. Wahrscheinlich können das bei den „Balori“-trainierenden Falke-Kickern der 15 F- bis B-Jugend-Teams und der A-Handballerinnen alle besser als ich.

Mit dem Ball kommt eine vom Werfer gerufene Zahl zugeflogen. Ich müsste mich umdrehen, und wenn es eine gerade Zahl ist, den Ball mit der rechten Hand fangen, sonst mit links. Ich müsste im Hütchenquadrat die Farben nach Zuruf abklappern, und das um die Wette.

Müsste, denn hier spare ich mir den Vergleich mit den jungen Sportlern. „Wir steigern die Ansprüche natürlich“, gibt mir Isabelle Große-Boes, die zweite „Balori“-Trainerin zu verstehen. Zu hoch für mich in jeder Hinsicht Untrainierten. Und der Präventionssport-Profit für Falkes Jungkicker: besseres Reaktionstempo auf dem Platz, wenn der Trainer was `reinruft, Verletzungsschutz durch gestärkte Stützmuskulatur und mehr Überblick, zählt Pudel auf. Mir reicht`s.

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