Fußball: SC Greven 09
Freiwilliger Fulltime-Job

Greven -

Damian Feldmann und Jonas Rüschenschulte absolvieren ein Freiwilliges Soziales Jahr beim SC Greven 09 – eine anstrengende und aufregende Zeit für die beiden.

Freitag, 07.07.2017, 14:00 Uhr aktualisiert: 09.07.2017, 17:56 Uhr
Damian Feldmann zeigt den Grevener Kids, wie es geht. Und hat damit viel Erfolg.
Damian Feldmann zeigt den Grevener Kids, wie es geht. Und hat damit viel Erfolg. Foto: th

Ihr Arbeitsalltag beginnt schon lange vor dem ersten Fußballtraining. Am Vormittag führen sie Telefonate, besuchen Kindergärten, sichten Trainingsmaterial und bringen den Jugendraum auf Vordermann. Später leiten sie Sportgruppen in der OGS, bevor sie am späten Nachmittag als Jugendtrainer gefordert sind. Über Langeweile können Damian Feldmann und Jonas Rüschenschulte nicht klagen. Die beiden FSJ-ler sind so etwas wie Vollzeitkräfte auf Zeit. Ein Jahr lang stemmen sie beim SC Greven 09 viele Aufgaben, machen neue Projekte durch ihren Einsatz überhaupt erst möglich und entlasten die Ehrenamtlichen im Verein spürbar. Das FSJ im Sport, für Vereine wie den SC Greven 09 ist der Freiwilligendienst zur unverzichtbaren Größe eines immer größer werdenden Sportbetriebes geworden.

Freitagnachmittag: In der Schöneflieth tummeln sich 116 Vorschulkinder. Der traditionelle „Kindergarten-Cup“, mit dem Mädchen und Jungen für den Fußballsport beim SC 09 begeistert werden sollen, ist zur Freude des Vereins so gut besucht wie nie zuvor. Das Turnier erweist sich als großer Erfolg der Bemühungen des Vereins, den Fußballnachwuchs frühzeitig zu rekrutieren. Warum die Resonanz so groß war, erklärt Damian Feldmann. Er und Jonas Rüschenschulte haben Grevens Kitas lange im Vorfeld einen Besuch abgestattet und für den „Kindergarten-Cup“ persönlich geworben. Mit Erfolg. „Doch das schafft man nicht nebenbei“, betont der 20-Jährige den erheblichen Aufwand.

Möglich ist der Aufwand, weil der SC Greven 09 mit seinen beiden FSJ-lern über zwei Mitarbeiter verfügt, die in die Waagschale werfen können, was bei vielen Ehrenamtlern Mangelware ist: Zeit. Neben dem „Kindergarten-Cup“ waren Damian Feldmann und Jonas Rüschenschulte bei der Ameland-Freizeit im vergangenen Herbst im Einsatz. Bei der zweiwöchigen Hallenturnierserie im Winter sind sie es, die morgens und abends den Schlüssel der Halle umdrehten. Und auch beim Pfingst-Cup, dem großen Jugendfußball-Turnier des Vereins, sind sie unverzichtbare Helfer.

Freiwilligendienste stellen mittlerweile einen wichtigen Bestandteil des organisierten Sports dar. Rund 500 Stellen gibt es alleine in NRW, wo beim Landessportbund die Fäden zusammen laufen. Einen Freiwilligendienst kann man grundsätzlich in allen Sportvereinen und Mitgliedsorganisationen des Landessportbundes Nordrhein-Westfalen absolvieren, die anerkannte Einsatzstellen sind. Anerkannte Einsatzstellen in Greven sind derzeit der SC Greven 09, die DJK Blau-Weiß sowie die Abenteuerkiste. Die Sportjugend NRW koordiniert dabei die Vergabe der Plätze und übernimmt die Verwaltung der Freiwilligen.

Unterschieden wird zwischen dem Freiwilligen Sozialen Jahr (FSJ) und dem Bundesfreiwilligendienst (BFD). Die Hauptunterschiede liegen im Alter und den Tätigkeiten. Ein FSJ können Interessierte nur bis zu einem Alter von 26 Jahren absolvieren. Wer das FSJ-Jahr antritt, ist hauptsächlich in der Kinder- und Jugendarbeit tätig. Beim BFD spielt das Alter keine Rolle. Hier sind auch Aufgaben wie Platzwarttätigkeiten oder der Einsatz im Leistungs- oder Seniorensport möglich.

Der SC Greven 09 stellt mit fast 30 Jugendmannschaften eine der größten Abteilungen im Fußballkreis Münster. Und wie fast überall mangelt es an Trainern, die bereit sind, Woche für Woche ihre Zeit auf dem Fußballplatz zu verbringen. „In der Breite fehlt das Ehrenamt“, meint Damian Feldmann. Jonas Rüschenschulte und er stehen seit vergangenem Sommer fast täglich auf dem Trainingsplatz. In der abgelaufenen Saison hat sich Damian Feldmann um die B1, die D1, die E5 und die F6 gekümmert und mit seinem Einsatz auch dort Jugendfußball ermöglicht, wo bei allen Bemühungen letztlich keine Trainer aufzutreiben waren.

Bei allem Engagement sind dem B-Lizenz-Inhaber dabei auch die Schwierigkeiten nicht verborgen geblieben. „Wenn man vier Mannschaften trainiert, kann man nicht immer allen gerecht werden.“ Auch findet Feldmann den Breitensport beim SC Greven 09 zu wenig ausgeprägt: „Der sollte in unserem Verein mehr gefördert werden“, meint Feldmann, dessen FSJ nach einem Jahr Ende August endet.

Dann ist es vorbei mit dem Fulltime-Job als Vereinsmacher. Es winkt das Studium und der nächste Schritt in der beruflichen Laufbahn. Missen möchte Feldmann die Zeit als „Freiwilliger“ nicht. „Es ist eine coole Erfahrung. Ausschlaggebend war für mich auch, dass der Verein es mir ermöglicht hat, die B-Lizenz zu erwerben.“

Auch mit weniger Zeit will er sich weiter engagieren. In der kommenden Saison steht Damian Feldmann als D1-Trainer beim SC Greven 09 im Wort. Ob er dann auch auf die Unterstützung von FSJ-lern bauen kann, ist allerdings im Moment fraglich. Der SC Greven 09 sucht händeringend noch Nachfolger für ihre Vollzeitkräfte auf Zeit.

https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/4990618?categorypath=%2F2%2F2669082%2F2670173%2F2686137%2F2686209%2F2686793%2F
Nachrichten-Ticker