Mit der Bahn
Schläfer und taufrische Rentner

Greven -

Die Bahn an sich ist flott. Aber der anschließende Fußmarsch zum Ziel in der Stadt dauert länger als gedacht.

Samstag, 22.07.2017, 08:00 Uhr
5.30 Euro kostet der Spaß mit der Bahn. Dafür kommt man in den Genuss launiger Gespräche. Und gut erholt ist man eigentlich auch.
5.30 Euro kostet der Spaß mit der Bahn. Dafür kommt man in den Genuss launiger Gespräche. Und gut erholt ist man eigentlich auch. Foto: Martin Weßeling

Körper und Seele signalisieren deutlich: „Dreh dich noch mal um, mach die Äuglein zu.“ Doch das, was früher einmal Wecker hieß und heute nicht mehr ist als eine simple Smartphone-Applikation, kreischt unerbittlich: aufstehen.

Immerhin, ich habe sicher die komfortabelste Reisemöglichkeit gewählt. Mit der Bahn nach Münster, dann ein paar Meter Fußweg zum Rathaus am Prinzipalmarkt – das sollte zu schaffen sein. Die Kurzreise im Zweitraffer:

8.11 Uhr: Die Bahn ist – na was schon – unpünktlich. Aber nur ein bisschen. Um 8.13 geht es nach erfolgreichem Ticketkauf los. Das Abteil ist gut besetzt. Erste Erkenntnis: Reisende Schüler schlafen gerne – reisende Rentner sind montagsmorgens topfit. Ich habe Glück und ergattere den Sitzplatz, den die rüstige Frau im Gang nicht haben will.

Der Weg in die Metropole des Münsterlandes ist kurz. Ich wundere mich darüber, wie viele Themen es in dieser Zeit auf die Tagesordnung dieser Schicksalsgemeinschaft schaffen (außer bei den Schülern – die schlafen ja noch). Es geht ums Wochenende, ums Wetter (klar), aber auch um die Aufgaben und Verlockungen des Tages.

Und – nach einem kurzen Moment der Stille – um den neuen Bahnhof in der Domstadt. Den erreichen wir dann ja auch schon bald. Einen Zugbegleiter habe ich übrigens nicht bemerkt. War ja auch viel los. Vielleicht wollte er die vielen ermüdeten Schüler und Jugendlichen nicht aus ihren Träumen reißen. 5.30 Euro – die hätte ich mir sparen können.

8.27 Uhr: Wir sind da. Der neu gestaltete Bahnhof sieht wirklich ganz schmuck aus. Und Zeit für einen Kaffee auf die Hand habe ich wohl auch noch. Danach steht noch ein Zehnminuten-Marsch bis ins Ziel auf dem Programm. Zeit, ein wenig nachzudenken. Erste Frage: warum reden Rentner so viel und ständig? Zweite: Ist das eine Folge des Älterwerdens, die mich auch treffen wird?

Mehr Zeit habe ich nicht. Noch einmal um die Ecke, dann ist mit dem historischen Rathaus die Destination erreicht.

8:39 Uhr: Überraschung: PKW-Kollege Peter lächelt etwas zu überlegen. Er warte schon seit zehn Minuten auf uns. Hat er es doch glatt gewonnen, unser kleines Redakteurs-Rennen. Als Zweiter bin ich der erste Verlierer. Aber immerhin ziemlich ausgeruht.

Ganz im Gegenteil zu Günter, der mit seinem Elektro-Rad zwar die beste Ökobilanz aufweist, aber eigentlich erst mal unter die Dusche müsste. Was eindeutig beweist: alle Wege führen nach Münster – einen richten Königsweg gibt es aber nicht.

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