Fußball: Schiedsrichter der DJK BW Greven
Alexander Heuer – ein standhafter Schiedsrichter für drei Sportarten

Greven -

Als Badminton-Referee tourt Alexander Heuer durch die Welt. Im Vorjahr war er im russischen Kasan, im Mai diesen Jahres im slowenischen Ljubljana. Im November wird er die tschechische Hauptstadt Prag besuchen. Seinen unverhofft großen Auftritt hatte der 35-jährige Grevener aber im Oktober 2016 in Kinderhaus. Er wurde als Fußball-Schiedsrichter massiv bedroht und zeigte eine bemerkenswerte Reaktion – nicht zum ersten Mal in seiner Laufbahn.

Samstag, 22.07.2017, 17:38 Uhr aktualisiert: 22.07.2017, 17:40 Uhr
Alexander Heuer trägt gerne das Schiedsrichter-Trikot. Für BW Greven pfeift er Fußballspiele, Handballspiele für den SC Greven 09.
Alexander Heuer trägt gerne das Schiedsrichter-Trikot. Für BW Greven pfeift er Fußballspiele, Handballspiele für den SC Greven 09. Foto: Mario Witthake

Es ist der 9. Oktober. Für Alexander Heuer steht das B-Liga-Match zwischen Westfalia Kinderhaus III und SW Havixbeck an. „Bis zur 70. Minute war alles ruhig“, sagt er. Das sagt der Mann, der seit 2003 für die DJK BW Greven als Unparteiischer aktiv ist auch, weil sich Tätlichkeiten seiner Erfahrung nach andeuten. Aggressive Zweikämpfe gehen oftmals einer Auseinandersetzung von Hitzköpfen voraus. Dem Schiedsrichter eröffnet das die Möglichkeit, früh einzugreifen und auffällige Spieler zu verwarnen.

Aber der Havixbecker rastet ansatzlos aus. Er verpasst nach einem normalen Einwurfgerangel einem Kinderhauser einen Faustschlag. Es gibt eine Rudelbildung. Heuer schreitet ein und stellt den Übeltäter mit der Roten Karte vom Platz. Das Ende ist denjenigen, die die lokale Sportpresse in der abgelaufenen Saison verfolgt haben, bekannt: Der Havixbecker dreht beim Verlassen des Spielfeldes völlig durch und attackiert einen Kinderhauser, der auf der Bank sitzt. Mit einem Kung-Fu-Tritt fügt er ihm schwere Verletzungen im Gesicht zu.

„Ich verstehe bis heute nicht, wie man so ausrasten kann“, sagt Heuer mit einem Abstand von neun Monaten. Das Spiel hatte er direkt nach dieser Attacke abgebrochen. Als er später in seiner Kabine sitzt, poltern der Täter und dessen Bruder gegen Heuers Tür. Drohen ihm. „Angst“, sagt Heuer, „Angst hatte ich nicht. Aber Respekt davor, was passieren könnte, schon.“

Es passiert zum Glück nichts mehr. Die Polizei rückt an, die Beteiligten machen ihre Aussagen. SW Havixbeck trennt sich sofort von dem Übeltäter, der von der Sportgerichtsbarkeit lebenslang gesperrt wird. Auch der Bruder wird verbannt. Das Opfer aus Kinderhaus kann inzwischen wieder Fußball spielen, hat aber noch mit dem Verfahren zu tun, das die Staatsanwaltschaft vor dem Amtsgericht Münster eröffnet hat. „Es interessiert mich schon, was mit ihm passiert“, sagt Heuer. „Aber ich fordere jetzt nicht, dass der Havixbecker verknackt wird.“ Es reiche ihm, wenn er ihn wie bisher nicht mehr sehen muss.

Es gibt noch mehr Fußballer, die Alexander Heuer nicht mehr sehen möchte. Vor etwa acht Jahren gab es einen Vorfall, der viel schlimmer gewesen sei.

Bei einem Bezirksliga-Spiel in Hamm wurde er noch massiver bedroht, nachdem die gastgebende Mannschaft in der Nachspielzeit den Treffer zur 1:2-Niederlage kassiert hatte. „Der Geschäftsführer hat mich danach in seinem Auto versteckt. Dann ist die Polizei gekommen und hat mich bis zur Autobahn begleitet. Ich in meinem kleinen Smart und je ein Polizeiwagen vor und hinter mir. Das war krass!“ Angst habe er, anders als in Kinderhaus, seinerzeit wirklich verspürt.

Dass sich der nicht nur im Badminton und Fußball, sondern auch im Handball aktive Heuer die Lust an der Schiedsrichterei nicht nehmen lässt, ist bemerkenswert.

Großes Lob für sein Verhalten hat Alexander Heuer vom Kreisfußballausschuss erhalten. Schiri-Obmann Philipp Hagemann erwähnt den Grevener auf dem großen Lehrabend im Dezember. Nach den Vorfällen in Kinderhaus habe man Heuer gefragt, ob er eine Pause machen wolle. Eine Pause wollte er nicht, sondern seinem Hobby nachgehen. So war es auch nach den wüsten Bedrohungen in Hamm. „Wenn man nicht direkt weitermacht, kann man gleich aufhören“, sagt Heuer.

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