WN-Sportlerwahl: Robin Graes
Robin wirft nix aus der Bahn

Reckenfeld -

Ein erfolgreiches Jahr erlebte Sportkegler Robin Graes. Nun rechnet er sich auch gute Chancen bei der Wahl zum Sportler des Jahres aus.

Dienstag, 05.12.2017, 14:00 Uhr
Robin Graes gehört zu den bodenständigen Sportlern und hält nach wie vor Kontakt zu seinen ehemaligen Teamkollegen aus Reckenfeld.
Robin Graes gehört zu den bodenständigen Sportlern und hält nach wie vor Kontakt zu seinen ehemaligen Teamkollegen aus Reckenfeld. Foto: SC Reckenfeld

Gründe, ins Saarland zu fahren – tja, da muss man schon mal länger überlegen. Was wir drüber wissen: Es ist ziemlich klein. Und war mal Frankreich. Als Sport-Mekka freilich ist es uns eigentlich noch nicht aufgefallen. Wer aber bei Google „Oberthal“ eingibt, erhält ruckzuck den Suchvorschlag: Kegeln!

Den Rest kann Robin Graes erzählen: Der Teenager erlebte nämlich genau dort seine persönliche Sternstunde. Es ist Juni, es ist schönes Wetter – und es ist eine dicke Überraschung: Graes holt im Trikot des SC Reckenfeld Bronze bei den Deutschen Jugendmeisterschaften. „Der Endlauf ist das Ziel, also mindestens Platz acht“, hat er vorher angekündigt. Trotz schleppenden Starts werden es am Ende 861 Holz, im letzten Moment kassiert er den Drittplatzierten – und steht auf dem Treppchen. „Zum Schluss war das alles oder nichts“, schmunzelt er, als er – wenige Wochen nach dem Riesenerfolg – dem in Sachen Kegeln völlig unbedarften Reporter bei einem Eisbecher geduldig seinen Sport erklärt.

Sport? Ist das überhaupt Sport? Oder gehört das in die Kneipe? Der 17-Jährige begegnet den Klischees locker. „Ich kenne sie alle“, grinst er. Doch: Keines davon stimmt – jedenfalls auf diesem Niveau. Bis zum Sommer zockte Graes – mit „westfälischem Dehnungs-A“ – beim SC Reckenfeld in der Regionsliga, haarscharf verpasste er dort den Aufstieg. „Ich hatte eine tolle Zeit beim SCR“, sagt er. So toll, dass er den alten Kumpels sogar noch half, eine Kegelbahn von Hiltrup nach Reckenfeld zu transferieren.

Andererseits war auch klar, dass er mehr wollte: Bundesliga-Klubs hatten angeklopft. NRW-Ligist KV Gütersloh-Rheda sicherte sich die Dienste des jungen Mannes, der erst mit 14 das Kegeln für sich entdeckt hatte. Die Kegler seines Heimatvereins GW Nottuln – die im Restaurant seiner Eltern üben – fragten ihn, ob er nicht mal mittrainieren wollte. Drei Jahre später kämpft er um den Aufstieg in die zweite Bundesliga – eine Blitzkarriere: „Ich komme in Gütersloh gut zurecht“, berichtet Graes.

Er pendelt zu den Spielen dorthin: „Klar ist das anstrengend – zum Glück bieten mir die neuen Teamkollegen öfter eine Couch an.“ Bis ins Frühjahr geht die Saison, in näherer Zukunft stehen die Westdeutschen Meisterschaften an. 2018 will Graes zur WM nach Holland.

Und dazwischen: Fach-Abi machen. „Schule? Das läuft wohl“, brummelt er freundlich. Ein Typ, den – im besten Wortsinn – nix aus der Bahn wirft.

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