WN-Sportlerwahl 2017
Manche Träume brauchen länger

Saerbeck -

Der Saerbecker Leichtathletin Edith Barkey ist etwas seltenes gelungen. Im Alter von 52 Jahren hat sie den Sprung in den Nationalkader geschafft. Und gleich bei ihrer Premiere eine Goldmedaille gewonnen.

Freitag, 15.12.2017, 00:00 Uhr aktualisiert: 15.12.2017, 17:06 Uhr
Edith Barkey hat sich einen Traum erfüllt. Mit 52 Jahren startet sie im Nationaldress.
Edith Barkey hat sich einen Traum erfüllt. Mit 52 Jahren startet sie im Nationaldress. Foto: Wolfgang Birkenstock

Plötzlich sind sie alle da. Gleich geht’s los für Edith Barkey in Sint-Niklaas/Belgien – und der kleine Fanblock aus der Heimat hat rechtzeitig Platz genommen. Sieben Leute aus der Trainingsgruppe von Falke Saerbeck. Ihr Coach Peter Seiffert.

„Das war eine unfassbar tolle Überraschung“, sagt Barkey. Der Moment, in dem sie ins Publikum schaut – fast drei Monate später hört man immer noch, dass sie das bewegt hat. Dann beginnt sie, die wilde Fahrt: 400 Meter. Die Distanz, auf der der berühmte Mann mit dem Hammer Stammgast ist. Barkey ist gut drauf: kontrollierte erste 200 Meter, beim Einbiegen in die zweite Kurve gibt sie Gas, auf und davon, an der 300-Meter-Marke ist der Drops gelutscht. „Ich dachte: ‚Da muss doch noch irgendjemand kommen.‘“ Es kommt keine mehr. Zielgerade – dann der ungläubige Blick: 64,87 Sekunden! Die schnellste Stadionrunde ihres Lebens. Wenig später gewinnt sie noch mit der deutschen 4x200-Staffel. Bei ihrer Premiere im Nationaltrikot, beim prestigeträchtigen Ländervergleichswettkampf zwischen Deutschland, Frankreich und Belgien.

Eine ihrer Saerbecker Sportsfreundinnen hat die Ankunft des Falke-Trosses im Stadion und Barkeys Aufwärmprogramm aufgenommen. „Sie hat mir das Video per WhatsApp geschickt“, erzählt Barkey. „Da sind mir die Tränen gekommen.“ Das Debüt im Nationaltrikot, schon das ist eine coole Geschichte. Die aber noch cooler wird – denn: Edith Barkey ist keine 20 mehr. Kein Shooting-Star. Kein Teenie-Laufwunder, das es den Thompsons, Fraser-Pryces oder Lückenkempers dieser Welt mal so richtig zeigen möchte.

Barkey ist 52 Jahre alt – und hat in allererster Linie großen Spaß am Rennen. Das merkt man ihr an, bei jedem Wort: „Für mich ist Laufen etwas zum Kopf-Freikriegen“, schwärmt sie. An eine Karriere hat sie dabei eigentlich nie gedacht: Bei den Bundesjugendspielen sei sie früher ziemlich gut gewesen, flachst die zweifache Mutter. Im Verein war sie nie. Und dann: „Habe ich 2010 mein Sportabzeichen in Saerbeck gemacht.“

Die Falke-Leichtathleten sprachen sie an, schon bald war sie dabei in Peter Seifferts Trainingsgruppe. Erst über die 100 und 200 Meter, irgendwann dann Wettkämpfe, fünfmal pro Woche Training. Sie hat Freundinnen in ganz Deutschland gefunden in der Szene, mit denen sie eine Staffel bildet. Fünf Podestplätze (zwei in der Halle, drei draußen) bei den Deutschen Senioren-Meisterschaften holte sie 2017 – eine Bewerbung für den Bundestrainer, der sie für Sint-Niklaas nominierte. Ein spätes Athleten-Glück – und keineswegs das Ende der Fahnenstange: „Solange ich gesund bin, mache ich weiter“, verspricht Barkey. „Viele Menschen in meinem Alter wissen ja gar nicht, was sie sportlich noch draufhaben.“

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