Fußball: DJK BW Greven
Einfach schenken macht Freude

Greven -

Zwei Säcke voller Fußballtrikots sind nach Tansania geflogen. Arne Klingenhagen hat sie aus Greven mitgebracht.

Freitag, 22.12.2017, 19:00 Uhr
Fußballbegeisterung; In Trikots der Grevener DJK kicken Arbeiter und Schulkinder in der tansanischen Savanne.
Fußballbegeisterung; In Trikots der Grevener DJK kicken Arbeiter und Schulkinder in der tansanischen Savanne. Foto: Klingenhagen

Vor diesem Weihnachtfest hat Arne Klingenhagen einen ganz neuen Blick fürs Schenken gewonnen. Er hat geschenkt und ist beschenkt worden. Geschenkt hat er seine Mithilfe bei einem Bauprojekt in der tansanischen Savanne - und zwei Säcke voll Fußballtrikots. Beschenkt wurde er auch - mit gemeinsamen Mahlzeiten seiner Gastgeber. Darüber sagt der 24-Jährige in der Nachbetrachtung seines Aufenthaltes in dem afrikafischen Land Bemerkenswertes: „Ich habe mich noch nie im Leben über ein Geschenk so gefreut wie über ein Essen. Und ja, es stimme: Man könne auch mit wenig zufrieden sein.

Die Geschichte des Arne Klingenhagen beginnt mit zwei Plastiksäcken. Die landen im Spätsommer dieses Jahres in der Pizzeria Toni Tomato, wo der 24-Jährige neben seiner Ausbildung zum Heilerziehungspfleger jobbt. Bevor er Mitte Oktober für dreieinhalb Wochen mit einem Projekt der Liebfrauenschule nach Tansania aufbricht, sammelt er Spenden, um seine Anreise und den Aufenthalt dort zu finanzieren. Darauf aufmerksam wird Peter Mais. Der langjährige Jugendtrainer der DJK packt kurzerhand ausrangierte Trikots seines Vereins zusammen und liefert sie in der Pizzeria ab.

Wo sich Arne Klingenhagen, selbst als Nachwuchskicker im blau-weißen Trikot des Grevener Vereins auf Torejagd gewesen, über die unerwartete Spende freut. Insgesamt 46 Kilogramm Gepäck, darunter neben den Dingen des täglichen Bedarfs überwiegend Lebensmittel - und Sachspenden für die Gastgeber der kleinen Delegation, dürfen mit ihm auf die Reise gehen. Die DJK-Trikots finden noch Platz, weil Klingenhagen sicher ist: „Alle Kinder fahren auf Fußball ab.“

Seit 2010 unterstützt die Liebfrauenschule in Coesfeld ein Projekt der Ordensgemeinschaft „Unsere Lieben Frau“. In Loiborsiret, einem Massai-Dorf in der Simanjiro-Ebene, rund 150 Kilometer südwestlich von Arusha entsteht seither eine Schule. Der Bau wird mit Hilfe der deutschen Schule unterstützt, die regelmäßig mit vier Schülern, zwei Lehrern, dem Entwicklungshelfer Peter Jung sowie Schwester Maria Almuth Göke vor Ort tatkräftig mitanpacken.

Arne Klingenhagen gehört zu dem kleinen Kreis, der sich vorgenommen hat, während seines Aufenthaltes beim Bau von zwei weiteren Klassenräumen sowie eines Internatstraktes zu unterstützen.

Dabei steht das gemeinsame Bauprojekt unter Anleitung der tansanischen Fachkräfte im Mittelpunkt. Es geht aber auch um kulturübergreifende Begegnung. Aus Sicht Klingenhagens der vielleicht sogar bedeutsamere Aspekt: „In erster Linie geht darum, zu zeigen, dass hinter dem Projekt Menschen stehen, die sich interessieren. Und es geht darum, Begegnung zwischen den Menschen zu schaffen.“ Diese Begegnungen sind auch, die den 25-Jährigen bei seinem Aufenthalt besonders beeindrucken.

„Die Einheimischen sind uns ganz offen begegnet“, berichtet er, der nicht nur beim Bau mit anpackt, sondern mit seinen Mitschülern auch Angebote für die Schulkinder auf die Beine stellte. Und überwältigt ist von der Freude, die ihm dabei entgegen gebracht wird. So auch, als der die Fußballtrikots auspackt: „Die Kinder, aber auch die Arbeiter, an die wir die Trikots verteilt haben, haben sich mega gefreut.“ Allein die Erklärung, dass es sich beim Schriftzug auf der Brust nicht um den Namen eines Fußball-Clubs, sondern um den eines Unternehmen handelt, erweist sich als schwierig. Während der FC Bayern auch in Tansania einen Namen hat, wissen die Beschenkten mit der DJK Greven nichts anzufangen. Was jedoch keine Rolle spielt. Es überwiegt die Freude über das Geschenk.

„Es ist schwer in Worte zu fassen“, meint Arne Klingehagen. Lieber lässt er Bilder sprechen, auf denen Erwachsene ebenso wie Kinder begeistert Fußball spielen – in Trikots des Grevener Vereins.

Neben der Freude hat der angehende Erzieher jedoch noch einen anderen Eindruck abgespeichert. „Obwohl die Menschen dort nicht so viel haben, verbreiten sie so viel Freude.“

Das Glück, es scheint sich nicht an materiellen Dingen festzumachen. „Diese Erfahrung hat mich ein bisschen geerdet.“ Wie auch die des gemeinsamen Essens, zu dem ihm die Arbeitskollegen einladen - ein schlichtes Maisgericht, über das Klingenhagen sagt: „Ich habe mich noch nie im Leben so gefreut.“

Und auch das gehört zu seiner Geschichte: Zurück in der Heimat tut sich Arne Klingenhagen zunächst schwer mit dem hektischen Alltag in der Welt des materiellen Wohlstandes. „Mir kam es so vor, als sei das, was ich in Tansania erlebt habe, näher am eigentlichen Leben. Hier ist es mir zunächst schwer gefallen, mich wieder in das System einzufügen.“ Termine, Zeitdruck, Stress und Lärm: Das Leben hierzulande hat seinen Preis. „Man läuft am Leben vorbei“, findet Klingenhagen, der nicht nur die Erfahrung des Schenken und Beschenktwerdens abgespeichert hat. Auch diese Erkenntnis hat er verinnerlicht: „Eine gute Begegnung kann schon viel bewirken.“

https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/5377003?categorypath=%2F2%2F2669082%2F2670173%2F2686137%2F2686209%2F2686793%2F
Nachrichten-Ticker