Mo., 09.07.2018

Turnen: Erster TVE-Nachwuchs-Turn-Cup Für einen Augenblick Legenden

Flick-Flack, Spagat, Handküsschen – Applaus! Die Boden-Übung des Deutschen Turnerbundes ist anspruchsvoll – die Sportlerinnen beim TVE-Nachwuchs-Cup zeigten sie aber öfters in Perfektion.

Flick-Flack, Spagat, Handküsschen – Applaus! Die Boden-Übung des Deutschen Turnerbundes ist anspruchsvoll – die Sportlerinnen beim TVE-Nachwuchs-Cup zeigten sie aber öfters in Perfektion. Foto: Stefan Bamberg

Greven - 

Wettkampfpraxis sammeln, Spaß haben und bestenfalls Pokale holen – der TVE Greven hat einen neuen Turn-Cup erfunden. Zur Premiere in der Kroner Heide kamen Teams aus ganz Nordrhein-Westfalen.

Von Stefan Bamberg

Gelandet. Ohne den winzigsten Hüpfer. Nach fokussiertem Anlauf. Einem kraftvollen Absprung. Dem kerzengeraden Übergang in den Looping. Zack, Handstützüberschlag. Das Publikum tobt. Und dass zu sportlichen Höchstleistungen ja gerne auch ein schmalziger Ohrwurm gehört – denken Sie nur an Whitney Houston bei Olympia ‘88! – haben sie hier auch verstanden: „Wir suchen den Moment, wo alles stimmt – und wir für einen Augenblick Legenden sind“, wummert es. Woo hoo! Überhaupt, wenn wir über dieses XXL-Turnwochenende beim TVE Greven sprechen – na, da stimmt doch schon sehr vieles. Bei Abteilungsleiterin Paula Windau jedenfalls ist am Sonntag atmosphärischer Hochsommer: „Wir haben tolles Feedback bekommen.“ Die Gäste aus ganz NRW hat sie mit „bis nächstes Jahr – vielleicht!“ verabschiedet. Der erste Nachwuchs-Turn-Cup – eine Premiere mit Wiederholungsbedarf.

Kein Wunder: Das neue Event für die Sechs- bis Neunjährigen, es ist kein turnerisches Allerweltsprodukt: „Für diese Altersklassen gibt es in der Region nur wenige Wettkämpfe“, erklärt Windau. „Dabei ist es total wichtig, in diesem Alter Praxis zu sammeln.“ Denn die beste Turnerinnen-Karrierephase, sie beginnt bekanntlich früh. Also dann: auf geht‘s, ohne Druck, mit Spaß – und im Team. Großartige Stimmung bei den kleinen Athletinnen, die nicht nur heiß auf die Einzelwertung sind. An vier Geräten geht‘s zur Sache: Stufenbarren, Schwebebalken, Sprung. Und am Boden: Dort werden die Sportlerinnen einzeln angesagt, vorgestellt – und, ganz wichtig: bejubelt. Flick-Flack, Spagat, Handküsschen, Abgang. Bravo! Und zarte Erleichterung, dass die Musik vorbei ist: irgendein komischer Marsch – aber wir haben keine Chance, der Deutsche Turnerbund (DTB) will das so. Für alle die gleiche Übung am Boden. Und jetzt alle! Anfeuernde Väter flöten schon beschwingt mit.

Aber, Spaß beiseite: Es geht dabei natürlich um Fairness. Nur so können die Wertungsrichterinnen beurteilen, welche der – eigentlich durchweg sehenswerten – Choreographien die allersehenswerteste ist. Die Endnote setzt sich zusammen aus dem Schwierigkeitsgrad einerseits, der technischen Ausführung andererseits. Und dieser Algorithmus, er spült die Gastgeberinnen oft weit nach vorne – der TVE holt Gold: mit Lotta Bücker (AK 6), Titel-Hamster Helene Stenert (AK 9), in zwei Mannschaftswertungen (AK 6 und 9). Dazu weitere Podestplätze – aber man sollte bei einem Heimspiel ja auch besser nicht gleich alles gewinnen...

Noch gar nix gewonnen ist freilich für die Älteren: Bereits am Samstag nämlich stieg in der Kroner Heide die Rückrunde der Münsterlandligen eins bis drei – echte Knack-Wettkämpfe für alle, die aufsteigen wollen. Wie die Erste des TVE – doch es reicht (noch) nicht ganz für die MSL 1: Rang eins zwar auf den eigenen Geräten, aber nur Silber in der Gesamtwertung. Nun müssen Susi Sträters Schützlinge in die Relegation: Auch da haben sie Heimvorteil. Der 24. November – vielleicht der Tag, an dem sie für einen Augenblick Legenden sind.



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