Mi., 18.07.2018

Segelflieger Klaus Reinhold Mit 78 Jahren Abflug zur DM

Thorsten Tacke (vorne im Flugzeug) und Klaus Reinhold setzen nach einem Wettflug zur Landung an. Beim Qualifikationswettkampf für die Deutsche Meisterschaft wurden sie von Nicole Reinhold, der Tochter des Lengerichers, am Boden unterstützt.

Thorsten Tacke (vorne im Flugzeug) und Klaus Reinhold setzen nach einem Wettflug zur Landung an. Beim Qualifikationswettkampf für die Deutsche Meisterschaft wurden sie von Nicole Reinhold, der Tochter des Lengerichers, am Boden unterstützt. Foto: Reinhold

Lengerich - 

Was will man machen, wenn ein Freund um einen Gefallen bittet? Klaus Reinhold hat nicht „Nein“ gesagt, als ihn Thorsten Tacke gebeten hat, bei der Qualifikation zur Deutschen Meisterschaft mit ihm in der offenen Klasse zu starten. Das Resultat: Der Pilot der Luftfahrtvereinigung Greven und der Mann vom Luftsportverein Lengerich haben es geschafft. Im nächsten Jahr starten sie bei der Deutschen Meisterschaft.

Von Michael Baar

Mit den beiden haben auch die anderen vier Piloten aus Greven die Qualifikation für die nationalen Titelkämpfe erlangt. Sie starteten bei den Wettflügen im brandenburgischen Lüsse in der Doppelsitzerklasse (maximal 20 Meter Spannweite). Für Klaus Reinhold ist die Teilnahme an der DM eine Premiere. „Ich bin mehr der Erlebnisflieger“, bekennt er im Gespräch mit den WN.

Aber „natürlich freue ich mich auf die Meisterschaften, um gemeinsam mit Thorsten Tacke zu fliegen“, stellt er fest. Obwohl, da kommt der Langstreckenpilot wieder durch, „das eine andere Fliegerei ist“. Sieben Tage hat der Wettkampf bei der „Lilienthal Glide“ gedauert. Rund 90 Flugzeuge waren in drei Klassen (Offene Klasse, 18-m-Klasse und Doppelsitzer) am Start, haben in 606 Wertungsflügen 209 078 Kilometer zurückgelegt. Was gut der halben Distanz Erde-Mond entspricht.

Maximal 850 Kilogramm darf das Flugzeug in der offenen Klasse auf die Waage bringen – mitsamt der Piloten. Vor dem Wettkampf werden Maschine und Besatzung gewogen, „dann nur noch das Flugzeug vor jedem Start“, erzählt der 78-Jährige.

Gestartet wird das jeweilige Rennen, wenn alle Flieger in der Luft sind. Das kann schnell mal 20 Minuten dauern, bis alle „Vögel“ oben sind. Wer einen frühen Starttermin hat, dreht halt in einem festgelegten Fluggebiet Warteschleifen. Schon beim Start gilt es, Regeln zu beachten. Wer mittels Schleppflugzeug startet, wird bis auf 600 Meter Höhe gezogen. Dann wird das Schleppseil ausgeklinkt. Wer mit eigener Motorkraft abhebt, muss den Antrieb ebenfalls in 600 Metern Höhe stilllegen. Schummeln geht nicht, „das wird genau überwacht“. Und gibt Strafpunkte, wenn man sich nicht an die Regel hält.

„Per Funk gibt´s dann die Info, dass der Start freigegeben wird“, erläutert Klaus Reinhold das Prozedere. Dann gilt es für den Piloten, die besten Aufwinde zu erwischen und möglichst schnell den Dreieck-Kurs abzufliegen. Je nach Witterung sind die Wendemarken exakt anzufliegen oder es wird ein sogenannter Kessel vorgegeben, in den das Flugzeug eindringen muss, bevor es zur nächsten Marke geht.

Selbst für den Anflug des Ziels (wo in der Regel auch der Start erfolgte) gibt es genaue Regeln. Eine Mindesthöhe ist einzuhalten (wie bei den Wendemarken). Mal schnell eben im Sinkflug ins Ziel rauschen, um noch ein paar Sekunden rauszuholen – „Das geht nicht. Wer das macht, handelt sich Strafpunkte ein.“

Und auch nach der Rückkehr zum Boden ist noch nicht die Zeit gekommen, die Beine hochzulegen. „Innerhalb von 30 Minuten muss der Stick, auf dem die Flugdaten laufend gespeichert werden, bei der Wettkampfleitung vorliegen“, beschreibt der Lengericher den letzten „Spurt“ des Tages. Und dann ist da ja noch die Maschine zu warten, der Flug nachzubesprechen und die Vorbereitung auf den nächsten Tag.



https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/5915416?categorypath=%2F2%2F2669082%2F2670173%2F2686137%2F2686209%2F2686793%2F