Fr., 27.07.2018

Neuer Chef beim Grevener Stadtsportverband nimmt die Arbeit auf Comeback an der Spitze

Werner Jacobs genießt die Idylle im heimischen Garten. Zusammen mit dem Vorstand des Stadtsportverbandes hat der Grevener in Zukunft einiges vor.

Werner Jacobs genießt die Idylle im heimischen Garten. Zusammen mit dem Vorstand des Stadtsportverbandes hat der Grevener in Zukunft einiges vor. Foto: Martin Weßeling

Die kribbelnde Aufgeregtheit, oftmals Merkmal eines Neuanfangs, fehlt. An ihre Stelle tritt die Gelassenheit eines Routiniers. Das ist auch kein Wunder, denn Werner Jacobs weiß, was er tut. Der Wiederholungstäter steht zum zweiten Mal an der Spitze des Stadtsportverbandes. Nun gilt es, alte Netzwerke zu beleben und neue zu schaffen. Ein Interview von Martin Wesseling.

Herr Jacobs, Sie hatten von 2001 bis 2005 bereits den Vorsitz beim Stadtsportverband inne. Was macht das Amt so attraktiv, es zum zweiten Mal zu übernehmen?

Werner Jacobs: Wir hatten mit dem damaligen Vorstand eine recht erfolgreiche Zeit, konnten viele Dinge anstoßen und umsetzen. Wegen anderer Pläne bin ich seinerzeit von meinem Amt zurückgetreten, aber im positiven Verhältnis vom SSV geschieden. Natürlich muss man sich eine neue Kandidatur reiflich überlegen. Bedingt durch meinen mittlerweile eingetretenen Ruhestand habe ich mehr Zeit zur Verfügung und auf Anfrage mehrerer Vereine meine Zustimmung gegeben. Jetzt freue ich mich zusammen mit dem Vorstand auf die Arbeit.

In der jüngeren Vergangenheit gab es viel Kritik an der Arbeit des SSV. War eine inhaltliche Neuausrichtung dringend geboten?

Werner Jacobs: Um es mal deutlich zu sagen: Als vor Jahren ein Nachfolger für Max Gehrke als erster Vorsitzender des SSV gesucht wurde, war weit und breit niemand zu sehen. Jürgen Mußmann und sein Team haben sich dann der Aufgabe gestellt. Das allein ist schon aller Ehren wert. Wenn es Kritik gibt, ist meistens etwas nicht in Ordnung, auf Einzelheiten möchte ich dabei aber nicht eingehen. Ein Neuanfang, verbunden mit einer Neuausrichtung des Verbandes, erschien allen Beteiligten als die beste Lösung. Dies geschieht nun. Der Blick des neuen Vorstandes richtet sich dabei in die Zukunft.

Was hat aus Ihrer Sicht in den vergangenen Jahren gut geklappt, wo hat es gehakt?

Werner Jacobs: Wie gesagt, auf Einzelheiten werde ich nicht eingehen, die werden wir intern im neuen Vorstand besprechen. Und das, was dabei auffällt, für die Zukunft korrigieren. Was aus meiner Sicht vorrangig als verbesserungswürdig erscheint, ist die Wiederherstellung der hinreichenden Kommunikation und des Austausches zwischen Vereinen, Stadtverwaltung, Politik und SSV. Daran arbeiten wir bereits, erste Schritte sind gemacht.

Was muss ein Stadtsportverband konkret leisten?

Werner Jacobs: Er muss in erster Linie ansprechbar sein für alle ihm angehörigen Vereine, egal, wie viele Mitglieder dort verzeichnet sind. Auch kleine Vereine haben ihre Sorgen. Und wenn wir bei deren Beseitigung helfen können, werden wir das gerne tun. Dann ist, wie bereits erwähnt, ein ständiger Austausch mit Stadt und Politik vorrangig, um die jeweiligen Fachkompetenzen im Sinne des Sports optimal zu nutzen. Auch einen regelmäßigen Austausch mit den übergeordneten Sportverbänden halte ich für wichtig, um auf neue Trends, Entwicklungen und Möglichkeiten reagieren zu können. Ausschau halten und Gespräche führen mit eventuellen Sponsoren für den Sport gehört ebenfalls dazu. Last but not least streben wir natürlich eine gute Zusammenarbeit mit den Medien an. In Bezug auf die Westfälischen Nachrichten fällt mir dazu zum Beispiel ein, künftig bei der Ehrung der Grevener Sportler zusammenzuarbeiten. Weniger sehen mein Vorstand und ich Aufgaben darin, eigene Sportveranstaltungen vorzubereiten und durchzuführen, denn da sind die Fachvereine viel kompetenter. Dies schließt jedoch Hilfestellungen nicht aus.

Neue Mannschaft – neues Glück. Sorgt ein kompletter Neustart auch für entsprechende Euphorie innerhalb des Gremiums?

Werner Jacobs: Na klar. Wir haben ja schon einige Male zusammengesessen in den vergangenen Monaten und freuen uns jetzt darauf, gemeinsam starten zu können. Euphorie? Ganz sicher auch, denn die gehört einfach dazu, wenn man etwas Neues beginnt.

Wann beginnt die konkrete Arbeit? Was sind die vordringlichen Baustellen?

Werner Jacobs: Die konkrete Arbeit hat schon begonnen, soweit das in der Ferienzeit sinnvoll und möglich ist. Formalien sind zum Teil schon geregelt, die Ratsfraktionen angeschrieben worden mit dem Ziel, nach den Sommerferien erste Gespräche zu führen. Auch die Mitgliedsvereine sollen alsbald wegen bestehender Sorgen und Nöte befragt werden, um sie dann Schritt für Schritt und nach Dringlichkeit abarbeiten zu können. Als ein vorrangiges Thema sehen ich die Sportstättenbewirtschaftung an, bei der es trotz einiger Gespräche noch keine Einigung gegeben hat. Da werden wir uns zügig einarbeiten müssen.

Auf lange Sicht gesehen: Wie stellen Sie sich eine optimale Zusammenarbeit zwischen Verband, Politik und Verwaltung konkret vor?

Werner Jacobs: Offen, vertrauensvoll und informativ, dann sollte es eigentlich klappen.

Die Sportlandschaft veränder sich auch in Greven rasant. Sporttreibende orientieren sich weniger an Vereinsnamen, sondern vermehrt an Angeboten wie Fitness oder Rehasport. Welche Antworten haben die Vereine?

Werner Jacobs: Wichtig ist erst einmal, dass überhaupt Sport getrieben wird. Und da kann sich Greven wahrlich sehen lassen. Ob nun im Verein, bei kommerziellen Anbietern, über Krankenkassen, in Schulen oder als Privatvergnügen – wichtig ist, sich fit zu halten. Wenn es gelingt, auch hier die unterschiedlichen Möglichkeiten zu bündeln, wäre das ein sinnvoller Nebeneffekt. Vorrangig sind jedoch die Vereine gefragt.

Gut 10 000 Grevener gehen aktiv ihrem sportlichen Hobby nach. Das ist eine recht beeindruckende Zahl. Gibt es noch Entwicklungspotenzial?

Werner Jacobs: Auf jeden Fall. Greven ist eine rasant wachsende Stadt, die vielleicht bald die 40 000-Einwohner-Schwelle kratzen wird. Es erklärt sich ja von selbst, dass unter den vielen Neubewohnern Grevens zahlreiche Sportler sind, die entsprechende Möglichkeiten suchen. Eine permanente Weiterentwicklung auch der Sportstätten und Anpassung an die neuen Gegebenheiten wird eine vorrangige Aufgabe sein.

Hand aufs Herz – als Vorsitzender des SSV sollten Sie eine Art Vorzeigesportler sein. Schildern Sie Ihren wöchentlichen Trainingsplan.

Werner Jacobs: Das ist eine ziemlich harte Frage. Ich habe lange Zeit regelmäßig und zum Teil sehr intensiv Sport getrieben und hatte viel Spaß daran. Leider ist mir das nach einigen Knie-Operationen jetzt nicht mehr in der gewünschten Form möglich. Aber natürlich roste ich nicht vollständig ein, sondern mache das, was noch geht. Dazu gehören auf jeden Fall Rad fahren, viel zu Fuß unterwegs sein und hin und wieder auch schwimmen.



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