So., 18.11.2018

Fußball: Falke Saerbeck Falkes neue Mars-Landschaft

Ganz zart und erfolglos versuchen einzelne Grashalme den Durchbruch. An ein geregeltes Training ist nicht zu denken auf Platz vier. Auch Trainer Holger Althaus findet die Situation unhaltbar.

Ganz zart und erfolglos versuchen einzelne Grashalme den Durchbruch. An ein geregeltes Training ist nicht zu denken auf Platz vier. Auch Trainer Holger Althaus findet die Situation unhaltbar. Foto: Weßeling

Saerbeck - 

Trainingsplatz – das ist auf jeden Fall die falsche Bezeichnung für „Platz 4“ des SC Falke Saerbeck. Das Gelände gleicht einer unwirtlichen Wüste und hat stark unter dem heißen Sommer 2018 gelitten. Nun überrlegt man in Saerbeck, wie man das Problem am besten lösen soll, denn als Trainingsgelände ist der Platz in den kommenden Wochen eigentlich kaum noch zu nutzen.

Von Martin Weßeling

Die unendlichen Weiten des Universums: Irgendwo weit über den Wolken befindet sich Alexander Gerst gerade auf einer Umlaufbahn um den irdischen Planeten – und das in einer atemberaubenden Geschwindigkeit. Unter äußerst schwierigen Bedingungen tüfteln Astro-Alex und seine Kollegen auf der internationalen Raumstation ISS an nicht weniger als der Zukunft der Menschheit. Unter anderem geht es um die Anzucht verschiedener Salat- und Tomatensorten, die künftigen Generationen die Erkundung des Weltalls ermöglichen sollen. Die nachhaltige Bereitstellung von Nahrung für Missionen weit außerhalb unserer Schwerkraft – ein wichtiges Thema. Und was soll man sagen – die Wissenschaft hat bereits herausgefunden: Tomaten können im All wachsen!

Was für ein fliegendes Gewächshaus in 600 Kilometern Höhe gilt, das gilt allerdings längst noch nicht für die Fußballer des SC Falke Saerbeck. Sie hüten ein ziemlich dreckiges Geheimnis in der letzten Ecke ihres ansonsten sehr schmucken Sportgeländes. Es erinnert eher an die rostbraune, schartige und lebensfeindliche Marsoberfläche, um im Bild zu bleiben.

Und von irgendeiner Form von Anzucht kann ein paar Schritte hinter dem Hauptplatz, wo die Truppe von Holger Althaus normalerweise ihre Punktspiele austrägt, keine Rede sein. Auf „Platz vier“ wächst buchstäblich gar nichts mehr. Und wenn dort einmal etwas gewachsen sein sollte im Jahr 2018, dann war das nicht etwa grünes, frisches Gras, sondern irgendeine braune Flechte – eventuell sogar außerterrestrischen Ursprungs. Was in diesem Zusammenhang allerdings unbedeutend ist, denn sie hat den wütenden Sommer ohne ihr gütiges Nass auch nicht überlebt.

Diese passende Kulisse für den nächsten Mad-Max-Streifen wäre in sportlicher Hinsicht ja nicht weiter von Belang, müssten dort nicht die Saerbecker Falken einige Trainingseinheiten bestreiten. Was gesundheitlich nicht zuträglich und formal auch unmöglich sein dürfte. „Das ist reines Unkraut dort. Eine Frechheit, eine Zumutung. Da müsste längst etwas passieren, bevor sich einer dort richtig verletzt“, findet Trainer Holger Althaus klare Worte für das Trainingsgelände, das keines ist – und deshalb kaum genutzt werden kann.

Die Situation dürfte sich in den kommenden Wochen und Monaten noch verschärfen, wenn Rasenplätze aufgrund der kalten und feuchten Witterung gesperrt werden. Dann müssen nicht nur die Seniorenteams des SC Falke sehr eng zusammenrücken, sondern vor allem auch die Nachwuchsfußballer. Althaus: „Ich wüsste nicht, wie das funktionieren sollte.“

Fast schon tragisch in diesem Zusammenhang: Im Jugendbereich tummeln sich etliche Saerbecker Talente, die Falken erleben im Vergleich zu vielen Vereinen im Kreis aktuell sogar einen kleinen Boom. Der könnte sich – mit Blick auf die Trainingsmöglichkeiten – allerdings schnell abschwächen. Aber vielleicht fällt ja Astro-Alex eine schnelle Lösung ein – wo er doch schon sein eigenes Gemüse im All züchtet.

Auch Bernd Voßkort, Fußball-Abteilungschef und Trainer der B-Jugend, schaut mit einem ziemlich unguten Gefühl auf Platz vier. „Wir wissen gar nicht, was da genau wächst. Klar ist, dass sich der Bauhof der Gemeinde um die Unterhaltung kümmert. Und das auch normalerweise macht. In diesem Jahr war das aber so gut wie gar nicht möglich. Auch wegen des Eichenprozessionsspinners, der viel Arbeit gemacht hat. Trotzdem hätte man sich um den Platz kümmern müssen“, sagt Voßkort, der die Schuld aber nicht bei der Gemeinde Saerbeck sucht. „Die sind uns dort alle sehr wohlgesonnen und helfen dem Verein sehr. Wir müssen jetzt einfach überlegen, wie es weitergehen kann“, hofft der Falke-Boss auf eine konstruktive Zusammenarbeit im Sinne aller. Und auf frisches, sattes Grün.



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