Fußball: Hallenmasters bei Greven 09 – der Sonntag
Der Triumph der alten Dame

Greven -

Ha-ho-he, Hertha BSC! Bei den Hallenmasters gab es eine Titelverteidigung: Die Berliner schlugen im Finale den FC St. Pauli. Großartige Erinnerungen an ein fantastisches Wochenende mit 329 Toren bleiben aber mit einiger Sicherheit nicht nur beim Turniersieger.

Sonntag, 20.01.2019, 20:14 Uhr aktualisiert: 22.01.2019, 16:08 Uhr
Dickes B oben an der Spree: Hertha BSC verteidigte seinen Titel bei den 27. Hallenmasters des SC Greven 09 in der Rönnehalle. Doch viel mehr wird von diesem Turnier in Erinnerung bleiben.
Dickes B oben an der Spree: Hertha BSC verteidigte seinen Titel bei den 27. Hallenmasters des SC Greven 09 in der Rönnehalle. Doch viel mehr wird von diesem Turnier in Erinnerung bleiben. Foto: Stefan Bamberg

Was vom Spektakel übrig bleibt? Auf dem ersten Blick nur ziemlich viele Schnipsel. Die Reste der Klatschpappen. Die vorher noch so richtig Rabatz gemacht haben, als St. Pauli gegen Schalke gespielt hat oder Wolfsburg gegen Werder. Alles vorbei um kurz vor fünf am Sonntagnachmittag. Eigentlich aber bleibt viel mehr von diesem Wochenende: Momente, die sehr viele der Beteiligten vielleicht niemals vergessen werden. Die sie – jedenfalls auf dem Parkett – wohl nur einmal in ihrem Leben mitnehmen. Auf dem Papier bleibt freilich eine Titelverteidigung – oder, sehr frei nach Friedrich Dürrenmatt: Der Triumph der alten Dame. Der Sieger der 27. Hallenmasters kommt aus der Hauptstadt. Immer wieder Hertha!

Das Finale gegen den FC St. Pauli, das zwölf Minuten lang hin und her schwoft, in dem die Hamburger durch einen Gewaltschuss in Führung gehen und die Berliner mit einem schicken Spielzug ausgleichen. In dem sich die Beats vom Kiez mit „Ha-ho-he – Hertha BSC!“ abwechseln. In dem am Ende – von der Neunmeterlinie – die Nerven entscheiden. Ja, dieses Finale ist der krönende Abschluss.

Immer wieder Hertha: Titelverteidigung bei den Hallenmasters

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Aber es gibt noch viel, viel mehr zu erleben. Haben Sie zum Beispiel das von den Grevenern gehört? Bei Nullneun haben sie für den ganz großen Budenzauber sogar hymnentechnisch aufgerüstet: „Hey! SC Greven! Vorhang auf für unsere geile Fußballshow!“ Wer das getextet und im Vorfeld live eingesungen hat?

Kleiner Tipp: besser nicht Campino verraten! Aber klar, der Fanblock hebt da jedes Mal ab. Mit Kraft in der Lunge und dem Schlachtruf auf der Zunge peitschen drei Generationen Verwandte die kleinen Nullneuner eindrucksvoll nach vorne.

Das erste Match gegen den 1. FC Köln: „Noch eine Minute...“, flüstert einer der Jungs und scharrt schon mit den Hufen. Arminia Bielefeld versenkt gerade noch einen Strafstoß. Dann aber geht‘s mit Schwung auf die Platte. Der Teamkreis. Die Vereinshymne wird gespielt. Der Anpfiff! Und ein Effzeh, der die 09-Kiste sofort unter Beschuss nimmt – blöderweise mit Erfolg: Nach 60 Sekunden schon „jeht dat Trömmelsche“ – Kölsche Lieder verheißen hier für die Hausherren nix Gutes.

Doch die Grevener fighten zurück: vierte Minute... Querpass...Fernschuss...eine Bogenlampe...der Keeper der Geißböcke ist noch mit den Fingerspitzen dran...Toni Schumacher hätte den vielleicht gehabt – aber egal: Toooooor! Das 1:1. Und auch wenn ihnen die Domstädter im Anschluss noch zünftig einschenken, am Ende mit 6:2 gewinnen – dieses Ding nimmt den Jungs keiner mehr. Und auch das Trainerteam saugt – wie es ausschaut – jeden Augenblick auf: Tjorven Inkmann und Oliver Richter hängen ja geradezu über der Bande, leben jenen Einsatz vor, den sie von ihren Schützlingen erwarten.

Die Erwartungshaltung dabei? Na klar, realistisch: „Die Jungs sollen das Turnier genießen“, sagt Inkmann. Was die Ergebnisse betrifft, weiß sie nur allzu gut, dass man hier – wie zum Beispiel in der super engen Partie gegen Champion Hertha (3:4) – zwar mal an der Überraschung schnuppern, aber am Ende wohl kaum mehr als solider Zwölfter werden kann.

Ganz vorne landen andere – allerdings nicht nur mit erstklassigem Hallenfußball. „An oberster Stelle steht der Respekt untereinander“, betont Holger Lindemann, der Coach des Turniersiegers. Es ist erstaunlich, mit welcher Disziplin, ja geradezu Höflichkeit der Bundesliga-Nachwuchs, zehnjährige Vielleicht-Bald-Profis auftreten. Sie tanzen nach strengen Regeln: Schlafenszeit allerspätestens um 21 Uhr. Nix Süßes. Kein Gezicke beim Wasserflaschen-Schleppen. „Trotzdem“, meint Lindemann, „wir dürfen natürlich nicht vergessen, dass wir es mit Kindern zu tun haben.“ Doch ganz ehrlich, keiner dieser hoch talentierten kleinen Kicker sieht so aus, als machte er das mit dem Früh-ins-Bett-gehen oder der gesunden Ernährung auch nur im Ansatz unfreiwillig. Der Traum von der Profikarriere – er ist inmitten von allem Getöse auf den Tribünen spürbar. Man darf gespannt sein, wen man eines Tages in der Sportschau sehen wird.

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