Fußball: Torhüter-Familie Große Wöstmann
Von der Kraft des Fußballs

Gimbte -

Theo, Janis und Jano Große Wöstmann verbindet eine große Tradition. Alle drei Familien-Mitglieder gehen ihrer großen Leidenschaft, dem Torhüter-Spiel, nach. Das freut natürlich das Gimbter Urgestein Theo Große Wöstmann, der seinem Vereine stets die Treue hielt und nun mit Begeisterung zuschaut, wie sich Jano zwischen den Pfosten lang macht und sein Talent unter Beweis stellt.

Freitag, 14.06.2019, 19:00 Uhr aktualisiert: 19.06.2019, 16:31 Uhr
Theo, Janis und Jano Große Wöstmann – eine traditionsreiche Torwart-Familie.
Theo, Janis und Jano Große Wöstmann – eine traditionsreiche Torwart-Familie. Foto: Stefan Bamberg

Wenn er ein bisschen kunstvoller schreiben könnte, sagt Theo Große Wöstmann, würde er ein Buch rausbringen. Aber nicht eines, das – wie man das von Mister Gimbte wohl erwarten würde – hauptsächlich lustig ist und voll mit Dönekes von anno tuck. Sondern ein ernsthaftes: über die Kraft des Mannschaftssports. „Das ist mir ein unheimlich wichtiges Anliegen“, bekennt das Torwart-Urgestein, während er mit einem Auge das Pfingstcup-Spiel seines Enkels Jano verfolgt. Der ist natürlich auch Torwart, in der E4 des SC Greven 09. Wenig später stößt noch Sohn Janis dazu, der rund zehn Jahre lang die Nummer Eins bei BG Gimbte war. Drei Keeper – ein Familien-Foto!

Dass er mal mit zwei anderen Große Wöstmännern zusammen zwischen den Pfosten posieren würde? Nein, das hätte er sich nicht schöner ausdenken können. Dann beginnt Theo zu erzählen. Dass er vor ungefähr 60 Jahren in Rinkerode mit dem Kicken anfing. Ganz normal, wie hunderte Steppkes – bis zu dem Tag, als seine Mutter starb: „Da war ich zwölf.“ Es passierte, was sich jeder ausmalen kann: Der Junge machte dicht, ging kaum noch raus, kapierte nix mehr in der Schule.

Aber, und davon würde Theo vor allem schreiben in seinem Buch: Die vom SV Rinkerode holten ihn zurück zum Training. Hier kümmerten sie sich um ihn, hier waren seine Kumpels. Und hier holte er sich seine Erfolgserlebnisse. Das unvergesslichste im Entscheidungsmatch um den Bezirksliga-Aufstieg gegen den TuS Hiltrup: „Und Theo im Tor!“, verkündete der Coach beim Abschlusstraining ebenso lapidar wie überraschend und sorgte damit dafür, dass der in den nächsten zwei Tagen vor Nervosität oft aufs Klo rannte.

Am Samstag fuhr das ganze Dorf zum Endspiel, eine Riesen-Nummer für das kleine Rinkerode, und die schon damals eher selbstbewussten Hiltruper fragten Theo, wie viele mehr als zehn er denn kassieren wolle. Der SV Rinkerode gewann 2:1. Und die Zeitung berichtete montags, dass „der erst 17-jährige Rinkeroder Tormann einige Bombenschüsse entschärfen konnte“.

Im Dorf sind das die Sätze, die sie Dir irgendwann in den Grabstein meißeln. Enkel Jano kennt diese Story natürlich längst: „Opa zeigt mir öfter alte Fotos und kommt dann immer mit so Geschichten.“ Freilich schreibt der kleine Große Wöstmann auch schon die ersten eigenen: Bei einem Turnier neulich lenkte er den entscheidenden Elfer mit den Fingerspitzen an die Latte. „Sowas ist echt cool“, findet der Roman-Bürki-Fan.

In seiner Truppe zocken noch zwei weitere Gimbter Jungs: Gabriel Grujic und Jaro Wipprecht. „Meine beiden besten Freunde – wir nennen uns gegenseitig Brüder“, verrät Jano. Wenn in der Schlage Heimspiele sind, pöhlt das magische Dreieck meist auf dem Nebenplatz – aber nicht nur da: „Sondern eigentlich überall.“

Besonders gerne im Garten mit Papa – der sich ein paar Tipps für den Jungspund manchmal nicht verkneifen kann: „Aber in der Öffentlichkeit sag‘ ich nix“, versichert Janis, der vor gar nicht allzu langer Zeit spontan sein Comeback im Gimbter Kasten gab, beide Schnapper waren verletzt. Mit Ende 30 – für ihn war das Ehrensache: „Denn Gimbte lebt von einer famosen Kameradschaft.“ Eigentlich immer in all den Jahren erfuhr er hier, dass mittelmäßiger Fußball mit überragenden Typen mehr Spaß macht als andersrum – und auch besser ankommt: „Wenn die Leute hier ein Bierchen trinken und Jungs aus dem Dorf sehen, die kämpfen“, schmunzelt er, „ist alles gut.“

Theo nickt. Dem Teamsport, meint der Mann mit der Mähne, habe er so viel zu verdanken – obwohl er von den großen Ligen meilenweit entfernt war, stattdessen nach Abi auf dem zweiten Bildungsweg Lehrer bei der Handwerkskammer geworden ist. Theo Große Wöstmann fühlt, dass er dem Fußball was zurückgeben muss: Auch deshalb führte ihn einer der ersten Wege mit den Flüchtlingsjungs, um die er und seine Frau Elke sich kümmern, stets zum Sportplatz. Wo sie alle irgendwie ein bisschen zu Gimbtern wurden. Dieses bunte Miteinander gefällt auch dem Nachwuchs: „Bei Blau-Gelb in der Ersten spielen – das wär’s!“, schwärmt Jano. Aber mehr noch: „Ich möchte für immer hier bleiben.“

Vermutlich, ja hoffentlich werden sich in den nächsten Jahrzehnten viele spannende Dinge ereignen, die ihn da zumindest noch mal ins Grübeln bringen könnten – das weiß natürlich auch Opa Theo. Und wirkt für den Moment trotzdem ziemlich gerührt: „Für immer Gimbte – guck‘, da geht’s Dir wie mir.“

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