Fußball: 25. DJK-Sommerturnier
Ein unglaubliches Wochenende

Greven -

Das DJK-Sommerturnier wird vielen Beteiligten lange in Erinnerung bleiben. Was vor allem damit zu tun hat, dass sich die Organisatoren im Jubiläumsjahr besonders viel Mühe gegeben haben. Dieser Einsatz zahlte sich aus: Nicht nur die Sonne schien drei Tage lang über der Emsaue. Mit ihr strahlten viele der Nachwuchskicker und ihre Trainer und Eltern um die Wette.

Sonntag, 30.06.2019, 18:48 Uhr aktualisiert: 02.07.2019, 11:58 Uhr
Ein guter Tag zum Fliegen: So viele Gäste wie noch nie kamen zur Jubiläumsausgabe des DJK-Sommerturniers, die als die wahrscheinlich heißeste in die Geschichte eingehen wird. Auch wenn es dafür 25 Jahre brauchte: Der Mythos, dass es bei der Siegerehrung immer regnet, ist seit Sonntag ganz sicher besiegt.
Ein guter Tag zum Fliegen: So viele Gäste wie noch nie kamen zur Jubiläumsausgabe des DJK-Sommerturniers, die als die wahrscheinlich heißeste in die Geschichte eingehen wird. Auch wenn es dafür 25 Jahre brauchte: Der Mythos, dass es bei der Siegerehrung immer regnet, ist seit Sonntag ganz sicher besiegt. Foto: Stefan Bamberg

Es ist, wie so vieles im Leben, alles eine Frage der Perspektive. Max Jakobs kann über so viel Energie jedenfalls auch nur staunen. Wirklich sehr ungerecht, moniert nämlich einer seiner Schützlinge, dass er nicht eingewechselt worden ist: Bei locker 40 Grad auf dem Rasen. Auf staubtrockenem Boden. Im alles entscheidenden Match um Platz elf! Fürwahr, da könnte sich der Trainer von DJK Grevens E-Jugend auch einen Sonntagnachmittag in der Hängematte vorstellen. Aber seine Jungs sehen das anders: „Die wollen einfach immer zocken – unglaublich!“

Wobei hier eigentlich vieles unglaublich ist: Ja, unglaublich im Grunde, dass das 25. DJK-Sommerturnier so endet wie seine 24 Vorgänger: ausschließlich mit lachenden Gesichtern. Denn: „Es war eine große Herausforderung für uns alle“, sagt ein erschöpfter Chef-Planer Thomas Scheffler-Talmann, dem Klub-Präsident Stephan Bothe im Vorbeigehen auf die Schulter klapst: „Thomas – unser bester Mann!“

Der beste Mann und seine Crew haben die größte Hitzeschlacht seit Deutschland gegen Italien – Sie wissen schon: 1970 in der sengenden Sonne von Mexico-City – gewonnen: gegen den Kunstrasen-Baustopp. Gegen gesperrte Umkleiden nach dem Hallenbad-Brand. Und gegen den Eichenprozessionsspinner.1:0 für die DJK, 1:0 für Grevens größtes Fußballturnier!

Das mit rund 1200 Übernachtungsgästen so viel Besuch bekommt wie nie zuvor. Es gibt 5000 Frühstücksbrötchen, mehrere 100 zusätzliche Wasser-Eimer zum Abkühlen, mindestens ebenso viele Sofort-Kältekompressen – und gottlob keine gravierenden Hitze-Notfälle. „Das muss heute besonders erwähnt werden: Vielen Dank ans Rote Kreuz!“, betont Stadionsprecher Ralf Müther. Die DRK-Truppe ist stets wachsam und schnell zur Stelle.

Denn nicht nur Horst Schlämmer bekommt hier Kreislauf – nein, es sind Sphären, die selbst die beiden ältesten Fahrensmänner noch nicht erlebt haben: „Das ist schon absolut grenzwertig“, meinen Josef Dömer und Dieter Froning. Wohl niemand hätte es den beiden Schiri-Oldies übel genommen, wenn sie das Wochenende mit einem Kaltgetränk im Garten verbracht hätten – aber: „Wir lassen unseren Verein doch nicht im Stich.“

Apropos Stich: Davon kaum einen machen die Hausherren in sportlicher Hinsicht. Die Heimteams erzielen eher wenige der 595 Buden – der erfolgreichste Lokalmatador kommt stattdessen aus Reckenfeld: Die SCR-U9 kombiniert sich auf Platz vier. Hut ab!

Ansonsten freilich bleiben sämtliche Hüte und Kappen allenthalben lieber auf: Die Emsaue ächzt und stöhnt – aber sie bleibt am Ball. Und bekommt zur Belohnung trotz quälender Wärme die neuesten Trends feinster Kurven-Pöbeleien aus Deutschlands Fußball-Region Nummer eins geboten: „Sonne, Mond und Sterne – scheiß Westfalia Herne!“ Dabei sind die gar nicht dabei. Aber was wäre denn Ruhrpott-Gepöhle bitte ohne ein kleines bisschen Geprolle?

Zumal die zahlreichen Fans aus Bochum, Essen, Marl, Haltern und Co. gewiss auch die schönen Seiten dieses Sports zu würdigen wissen: Da zieht einer ihrer Steppkes mal aus der Distanz ab, was für ein Pfund – Unterkante Latte, aber offenbar war der drin! „Ker, wat ein schönet Tor – dat war dat Tor von Wembley!“

Vom Tor von Wembley noch kurz zum Sound von Greven: Am Samstagabend – nach den Mädchenturnieren, die trotz des doch noch nicht vorhandenen Kunstrasens wie geplant und erstmals parallel zu den Konkurrenzen der Jungs über die Bühne gehen – schwofen Gäste und Gastgeber beim Open-Air-Konzert der Ems-Rocker „Pani&Zink“, dem Programm-Schmankerl zum Jubiläum. Okay: Vornehmlich die Mamas und Papas schwofen, die Kids ziehen dann doch eher Slush-Eis und Döner vor.

Womit wir ja irgendwie wieder beim Anfang sind: Es ist halt alles eine Frage der Perspektive! Genau wie eine der letzten Szenen, die vom Sommerturnier 2019 in Erinnerung bleiben wird: Da schleppt sich die Fußball-Gemeinde in Richtung Siegerehrung, schweißgebadet, konditionell am Limit, auf der vergeblichen Suche nach einem Quadratzentimeter Schatten.

Derweil macht sich der Eisverkäufer auf den Weg nach Hause. Ein italienisches Sieger-Lächeln dabei auf den Lippen. Nach diesem Wochenende hat der Mann vermutlich ausgesorgt.

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