Zum 90. Geburtstag von Bernhard Berlage
Mit Hut, Fahrrad und Fußball

Greven -

Mit Schnurrbart, Melone und Spazierstock ist Charlie Chaplin weltweit berühmt geworden. Sie machten ihn unverwechselbar. Sein Hut, sein Fahrrad und der Fußball, ebenfalls drei prägende Markenzeichen, haben ihm zwar nicht zu vergleichbarem Ruhm wie der Filmikone verholfen, in Greven immerhin ist er bekannt wie ein bunter Hund. Am 17. August wurde Bernhard Berlage 90 Jahre alt. Zeit für einen Rückblick.

Sonntag, 18.08.2019, 18:54 Uhr
Gastwirt im besten Sinne: Bis 1996 schenkte Bernhard Berlage in der gleichnamigen Kneipe auf der Münsterstraße aus.
Gastwirt im besten Sinne: Bis 1996 schenkte Bernhard Berlage in der gleichnamigen Kneipe auf der Münsterstraße aus. Foto: privat

Mit Schnurrbart, Melone und Spazierstock ist Charlie Chaplin weltweit berühmt geworden. Sie machten ihn unverwechselbar. Sein Hut, sein Fahrrad und der Fußball, ebenfalls drei prägende Markenzeichen, haben ihm zwar nicht zu vergleichbarem Ruhm wie der Filmikone verholfen, in Greven immerhin ist er bekannt wie ein bunter Hund. Am 17. August wurde Bernhard Berlage 90. Höchste Zeit für einen Blick zurück auf die Geschichte eines Mannes mit einer besonders ausgeprägten Leidenschaft: dem Fußball.

Sieben prall gefüllte Aktenordner: so dick ist das mit Spielergebnissen, Torschützen, Tabellen, Zeitungsausschnitten und jeder Menge Bildern bestückte Archiv, das Bernhard Berlage für seinen Sohn angelegt und mehr als drei Jahrzehnte penibel gepflegt hat. Sein Sohn, in den 1990er Jahren erfolgreicher Fußballer beim SC Greven 09 und Borussia Emsdetten, erinnert sich: „Mein Vater hat mich zu allen Spielen begleitet.“ Sein persönliches Fußballarchiv, das er jüngst aus Anlass seines 50. Geburtstages für ehemalige Weggefährten geöffnet hat, hält er ganz besonders in Ehren. Ebenso wie die vielen anderen Devotionalien an eine längst vergangene Zeit.

Eine Zeit, in der die Familie Berlage im Hoek, Grevens ältestem Stadtteil, ein Kolonialwarengeschäft, eine Getreidemühle und eben eine Gaststätte betrieb. Jene Kneipe, die Bernhard Berlage später übernahm und die Jahrzehntelang beliebter Anlaufpunkt vieler Poahlbürger der Stadt war. Berlage war überdies Anlaufpunkt der Fußballszene, die sich zur Abfahrt dort versammelten, um nach ihrer Rückkehr Siege zu feiern und Niederlage zu verdauen. Mittendrin der Mann mit dem verschmitzten Lächeln im Gesicht und immer einem aufmunternden Spruch auf den Lippen. Er, der in Sachen Fußball so etwas wie ein Grenzgänger war.

Im zarten Alter von zehn Jahren hatte sich Bernhard Berlage zunächst als Torwart im Feldhandball versuchte, um kurz darauf zwischen die Pfosten auf dem Fußballplatz zu wechseln. Man schrieb das Jahr 1939.

Gekickt wurde nicht auf roter, sondern auf schwarzer Asche. Zu Auswärtsspielen reiste man nicht per Auto, sondern im besten Fall per Zug an. Und schließlich konnte es in den Wirren des Zweiten Weltkrieges passieren, dass die Mannschaften sich nicht auf dem Platz gegenüberstanden, sondern dicht gedrängt im Luftschutzbunker ausharrten.

Seinem Verein, dem SC Greven 09, hat Bernhard Berlage stets die Treue gehalten. 80 Jahre lang ist er nun schon Mitglied. „Ich war immer 09er und bleibe es auch“, stellte Berlage zu seinem 80. Geburtstag klar. Dort erlebte er auch große Fußball-Momente. So wie das Spiel gegen Preußens Traditions-Elf (Bild links unten), als ihm der legendäre Fiffi Gerritzen sieben Tore einschenkte.

Zum sportlichen Grenzgänger wurde Berlage, als er nach der Gründung der DJK im Jahr 1962 den Kasten bei den Altherren der Blau-Weißen sauber hielt.

Als Vereinswirt schenkte er an beide Seiten aus: An die Grünen ebenso wie an die Blauen.

Die 1960er und 1970er Jahre waren auch die Zeit, in der die Eckkneipe boomte. „In den Jahren war es immer voll“, erinnert sich Sohn Bernhard, der mit seiner Schwester Susanne direkt über der Gaststätte aufwuchs und nach dem frühen Tod von Mutter Pelagia (rundes Bild, 2.v.l.) anpackte, um das Geschäft am Laufen zu halten. Pelagia Berlage, die im Alter von 39 Jahren verstarb, hinterließ eine große Lücke in der Familie. „Ein schwerer Schicksalsschlag“, erinnert sich Bernhard junior. Er war gerade elf Jahre alt, als sie starb, seine Schwester zwei Jahre älter.

Bernhard Berlage senior ließ sich diesen Nackenschlag äußerlich nicht anmerken. „Was ihm weitergeholfen hat, war die Wirtschaft“, glaubt der Sohn.

Und der Fußball. Bernhard Junior kann sich nicht erinnern, dass sein Vater eines seiner Spiele verpasst hätte. Über den Werdegang des Juniors führte er genau Buch. Ein ebenso viel und gern gesehener Zaungast war Bernhard Berlage überdies in der Emsaue und der Schöneflieth. Stets mit Hut auf dem Kopf und Sattel unterm Hintern. „Er ist sicher mehr Kilometer mit dem Fahrrad als mit dem Auto gefahren.“

Momente, in denen er auf seine Kopfbedeckung verzichtete, waren selten. So wie diese: Wenn Bernhard Berlage das Fahrrad an die Seite stellte und sich in die Torwartkluft warf, dann hatte er nur Augen für den Ball, nicht für seinen Hut. An diesem Samstag richten sich die Blicke auf ihn. Seinen 90. Geburtstag feiert Bernhard Berlage im engsten Kreis der Familie.

https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/6858120?categorypath=%2F2%2F2669082%2F2670173%2F2686137%2F2686209%2F2686793%2F
Nachrichten-Ticker