Stadtsportverband Greven
Der Vereinssport muss sich wandeln

Es ist gerade zwei Jahre her, da stand der Stadtsportverband am Scheideweg. Die Dachorganisation der Grevener Sportvereine drohte in Bedeutungslosigkeit zu versinken. Ein neuer Vorstand mit Werner Jacobs an der Spitze brachte die Wende. Was sich geändert hat, warum der SSV wieder ein gefragter Gesprächspartner von Verwaltung und Politik ist und was die Zukunftsthemen sind, verrät der SSV-Vorsitzende im Gespräch mit Sven Thiele.

Dienstag, 31.12.2019, 00:00 Uhr aktualisiert: 02.01.2020, 15:14 Uhr
Hat mit dem Stadtsportverband einiges in Bewegung gebracht: Werner Jacobs.
Hat mit dem Stadtsportverband einiges in Bewegung gebracht: Werner Jacobs. Foto: th

Es ist noch keine zwei Jahre her, da stand der Stadtsportverband auf der Kippe und deutlich hörbar in der Kritik. Wie stellt sich die Situation zum Jahresende 2019 dar?

Jacobs: Der SSV steht mittlerweile deutlich besser da. Vor allem, was die Akzeptanz angeht. Wir mussten Vieles neu aufbauen, was einfach nicht mehr vorhanden war. Vor allem mussten wir wieder mit den unterschiedlichsten Gesprächspartnern, ob es jetzt die Politik, die Verwaltung oder Sponsoren sind, wieder an einen Tisch kommen. Das ist uns ganz gut gelungen.

Was hat sich konkret verändert?

Jacobs: Es gibt viele Dinge, die angestoßen wurden. Themen waren unter anderem eine neue Satzung für den SSV, die Neugestaltung der Homepage sowie ein Sportwegweiser, den wir darin eingestellt haben. Oder nehmen wir die Stärkung des SSV. Es ist sehr erfreulich, dass der Stadtsportverband in seinem Sachgebiet wieder auf Augenhöhe mit Verwaltung und Politik gesehen wird.

Im vergangenen Winter wurden sportpolitische Ziele formuliert. Dabei ging es unter anderem um die Optimierung der Hallenbelegung und die Erarbeitung einer Sportförderrichtlinie. Was ist aus den Vorhaben geworden?

Jacobs: Aus der Entwicklungsplanung sind einige Dinge angestoßen beziehungsweise umgesetzt worden. Zwei Beispiele: In Zusammenarbeit mit uns und den Vereinen hat die Stadt eine Hallennutzungsordnung und eine Hallenbelegungsrichtlinie erstellt, beides ist nicht nur nach meiner Meinung sehr gut gelungen. Auch in Sachen Sportförderrichtlinie sind Gespräche angelaufen. Mit ihr soll verschriftlicht werden, was künftig an Sportförderung in Greven möglich sein wird. Ich hoffe, das Thema werden wir im Laufe des nächsten Jahres zum Abschluss bringen. Darüber hinaus hat es einen ersten ‚Runden Tisch Bäder‘ gegeben und die in der Sportentwicklungsplanung beschriebenen Projekte für BG Gimbte und Greven 09 befinden sich im Fluss.

Das umfangreiche Papier beinhaltet viele Anregungen und Vorschläge. Welche Rolle spielt dabei der SSV?

Jacobs: Dem SSV sollen nach diesem Plan viele Aufgaben zugeschrieben werden. Das alles ehrenamtlich durchzuziehen, wird nach meiner Auffassung jedoch schwierig. Es muss über eine gewisse Professionalisierung nachgedacht werden. Wenn ich zum Beispiel an die Idee denke, für kleinere Vereine eine gemeinsame Geschäftsstelle einzurichten oder wenn das Thema Sport-Flatrate ernsthaft angegangen werden soll. Das alles können wir nur machen, wenn wir eine finanzielle Unterstützung bekommen.

Welche Signale erhält der SSV in dieser Frage?

Jacobs: Die Stadt hat uns zugesichert, dabei behilflich zu sein und die Politik zieht mit. Es geht darum, zum Beispiel eine geringfügig beschäftigte Kraft einzustellen, die administrativ unterstützen kann. Oder eine zentrale Anlaufstelle für den SSV einzurichten, für die ich sehr plädiere.

In der Priorisierung ganz oben steht der Bau einer weiteren Sporthalle. Wie steht es um dieses Vorhaben?

Jacobs: Auch hier ist die Planung angestoßen worden. Natürlich braucht so ein Thema seine Zeit. Zunächst muss zum Beispiel ein geeigneter Standort gefunden werden, bevor man in die weitere Planung einsteigt. Auch dies wurde inzwischen aufgenommen.

Wie erklären Sie sich, dass so viel in Bewegung gekommen ist?

Jacobs: Meine Interpretation ist, dass es offensichtlich viel Nachholbedarf gegeben hat. Auch liegt es möglicherweise daran, dass man wieder zueinander gefunden hat, sich trifft und miteinander redet. Das hat wohl vorher nicht so funktioniert. Neben der guten Zusammenarbeit mit der Stadt ist auch Interesse der politischen Parteien für den Sport erfreulicherweise sehr groß.

In diesem Jahr ist es nicht nur bei Plänen geblieben. In der Emsaue ist ein neuer Kunstrasenplatz entstanden, in Reckenfeld ein Sportzentrum. Haben Politik und Verwaltung ihr Herz für den Sport entdeckt?

Jacobs: Ja, wiederentdeckt. Wenn man sich mal in Greven umschaut, was es bereits an tollen Sportanlagen gibt und welche Möglichkeiten vorhanden sind, das ist schon bemerkenswert. Wenn zum Beispiel Gäste aus dem Ruhrgebiet zu uns kommen, schlagen sie oft die Hände über dem Kopf zusammen und fragen, wie das möglich ist. Ich finde, Greven ist im Grunde eine sehr sportliche und eine dem Sport sehr zugewandte Stadt.

Also insgesamt rosige Perspektiven für den Vereinssport?

Jacobs: Ja, ich glaube schon.

Trotzdem sind im Vergleich zu den anderen Städten und Gemeinden im Kreis Steinfurt deutlich weniger Menschen in Sportvereinen organisiert. Wie passt das zusammen?

Jacobs: Dafür habe ich keine Erklärung. Wir haben eine leichte Steigerung der Zahlen, aber im Vergleich zu anderen Städten liegen wir immer noch ein Stück darunter. Das, was vorhanden ist, müsste meiner Meinung nach noch viel mehr Leute animieren, sich den Sportvereinen anzuschließen.

Was sehen Sie die nächsten Herausforderungen?

Jacobs: Ein großes Thema für den SSV wird das Förderprogramm des Landes sein und die Frage der Verteilung der Mittel, die uns vom Land zur Verfügung gestellt werden. Bisher gibt es acht Vereine, die größere Dinge planen und ihre Sportanlagen modernisieren wollen. Unser Ziel ist es, bis zum 30. Juni erste Entscheidungen zu treffen.

Beim Förderprogramm des Landes dreht es sich um die Infrastruktur. Im Sportentwicklungsplan ist aber auch die Rede von einer Entwicklung der Angebote. Wo sehen Sie Veränderungsbedarf?

Jacobs: Ich bin der Auffassung, dass der Vereinssport sich wandeln muss. Gerade die Zusammenarbeit mit Kitas muss stärker werden. Ich finde, da liegt noch viel Potenzial. Die Zusammenarbeit mit Schulen ist ein ganz wichtiges Thema, bei dem wir als SSV koordinieren sollen und wollen. Ganz besonders müssen wir in Richtung Sport für die älteren Mitbürger denken. Das wird die Zielgruppe der Zukunft sein, hier hat es erste grundsätzliche Gespräche zum Beispiel mit der Gruppe ZWAR gegeben.

In Greven gibt es relativ viele kleine und mittlere Vereine. Wie stehen Sie zu den Themen Zusammenarbeit und Fusion?

Jacobs: Fusionen sind immer schwierig. Möglich ist das schon, aber vielfach tun sich die Vereine mit diesem Thema allein aus Gründen der Vereinstraditionen schwer. Vielleicht ist ein denkbarer Weg, den SSV zu nutzen und in einer gemeinsamen Geschäftsstelle Dinge zu bündeln. Wir werden das prüfen.

Sie selbst sind ein gefragter Ansprechpartner. Ist der SSV-Vorsitz mehr Erfüllung oder Stress?

Jacobs: Meine Aufgabe empfinde ich nicht als Stress. Auch wenn es häufig viel Arbeit ist, ist es mehr Erfüllung. Ich habe vor eineinhalb Jahren die Notwendigkeit gesehen, dass der Sport wieder mehr ins Gespräch kommen muss. Das war für mich auch der ausschlaggebende Punkt zu sagen, ich stehe noch einmal als Vorsitzender zur Verfügung. Fest steht aber auch: Ewig werde ich das nicht machen.

Zum Jahresende ist die Zeit des Wünschens. Was steht bei Ihnen in Sachen Sport ganz oben auf der Wunschliste?

Jacobs: Ganz oben auf meiner Liste steht eine Bitte an unsere Vereine. Von ihnen wünsche ich mir, dass sie mehr auf uns zukommen und Impulse geben für Themen, bei denen wir dann als SSV unterstützen können und helfen, die Vorhaben nach vorne zu bringen. Hierbei weise ich auch noch einmal auf unsere wöchentliche Sprechzeit hin, die wir jeden Mittwoch von 16 bis 18 Uhr im Rathaus anbieten.

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