Sportlerwahl Greven: Maximilian Schülling
Vom Spätstarter zum Durchstarter

Greven -

Sein Trainer Jan Kleimeier, seit 1996 beim TVE, kann sich nicht dran erinnern, dass es in all diesen Jahren jemals ein Schwimmer des Vereins zu den Deutschen Meisterschaften geschafft hätte. 2019 ist es soweit. Sein Name: Maximilian Schülling. Ein Spätstarter, wie er verrät.

Samstag, 04.01.2020, 00:00 Uhr aktualisiert: 05.01.2020, 15:35 Uhr
Maximilian Schülling ganz in seinem Element: Im vergangenen Jahr qualifiziert sich der TVE-Athlet für die Deutschen Jahrgangsmeisterschaften der Junioren.
Maximilian Schülling ganz in seinem Element: Im vergangenen Jahr qualifiziert sich der TVE-Athlet für die Deutschen Jahrgangsmeisterschaften der Junioren. Foto: Jan Kleimeier

Eigentlich, sagte ihm sein Trainer Jan Kleimeier, sei das ein ganz normaler Wettkampf. Und wenn Maximilian Schülling nicht zu sehr drüber nachdachte, ließ es sich mit dieser Marschroute ganz gut arbeiten.

Man durfte halt nur nicht so genau hinschauen: Ins Wasser des Europasportparks, Europas größtem Schwimmbad, wo sich im Laufe der Woche über 1500 Athleten tummelten. Auf deren Zeiten, bei denen einem glatt schwindelig werden konnte. Und ach ja, da trudelte auch schon der Bundestrainer ein.

Schülling ließ den Trubel auf sich wirken – das war die Berliner Luft! Bei den Deutschen Jahrgangsmeisterschaften – die für den 16-Jährigen auf den Plätzen 35 (über 50 Meter Freistil) und 47 (über 100 Freistil) endeten.

Coach Kleimeier – seit 1996 im Klub – kann sich nicht dran erinnern, dass es in all diesen Jahren jemals ein TVE-Schwimmer zu den „Deutschen“ geschafft hätte. Schüllings Air-bnb-Bude in der Hauptstadt jedenfalls war eher klein gemessen an dieser Leistung, ja auch an dieser Aufgabe. „Besonderen Druck“, meint er, „habe ich nicht gespürt – das war pure Freude.“

Freude, überhaupt dabei zu sein: Haarscharf, um zwei hundertstel (!) Sekunden, war ihm die Quali gelungen. Und jetzt? Dickes B oben an der Spree – B wie Bestzeit! 25,87 Sekunden über 50 Meter Kraul, 56,68 über 100, nie war Schülling bis dahin schneller gewesen über seine Haus-und-Hof-Strecken.

Zum Saisonhöhepunkt am Limit – das war‘s nun, wofür er unzählige einsame Bahnen gezogen hatte und das Fast-Food weitgehend gestrichen, wofür er sogar in den Weihnachtsferien ins Trainingslager gefahren war.

Dass sie den langen Schlacks aus Nottuln in Greven entdeckten, ist eine Verkettung glücklicher Umstände: „Ein Tag der offenen Tür oder sowas“, führte ihn ins hiesige Hallenbad, während eines Besuchs bei seiner Oma, die hier wohnt. Kleimeier stand zufällig am Beckenrand. Knapp drei Jahre ist das inzwischen her, oder besser: erst her. Denn mit 14 war Schülling, vorher DLRG-Rettungsschwimmer, ein Spätstarter im Leistungssport – der zum Durchstarter wurde.

Ohne dabei abzuheben: „Die Truppe beim TVE ist überragend“, findet er. „Und das ist schon vorteilhaft, so muss man in den Wettkampfpausen nicht dauernd Netflix gucken.“ Nur die Älteren unter den Teamkollegen wissen noch, wann er mal ein Training verpasst hätte. Die nationale Spitze freilich ist trotzdem noch ein Stückchen weg. Zehn bis zwölf Übungseinheiten pro Woche (!) sind dort normal – in Greven gibt es fünf.

Doch der angehende Abiturient, der 2019 übrigens auch einen Uralt-Vereinsrekord über 200 Meter Freistil knackte, ist auf den Geschmack gekommen: „Was irgendwie möglich ist, will ich schaffen.“ Zum Beispiel: Berlin, Berlin, wir fahren nach Berlin? Im Mai steigen dort nämlich wieder die Deutschen Meisterschaften.

„Klar, das ist ein Ziel für 2020“, bestätigt Schülling. Er kennt sich da ja jetzt ein bisschen aus.

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