Sportlerwahl: Kandidaten vorgestellt
Sportlerwahl: „Es ist und bleibt Hawaii“

Greven -

Das war ein extremes Jahr für Ines Sandbote. Die Triathletin hofft nach ihrem Start auf Hawaii auch bei der Sportlerwahl auf ein gutes Ergebnis.

Montag, 13.01.2020, 18:00 Uhr aktualisiert: 19.01.2020, 15:32 Uhr
Traum erfüllt. Ines Sandbote startete erfolgreich auf Hawaii. Der erster Ironman soll nicht der letzte gewesen sein für die ehrgeizige Triathletin.
Traum erfüllt. Ines Sandbote startete erfolgreich auf Hawaii. Der erster Ironman soll nicht der letzte gewesen sein für die ehrgeizige Triathletin. Foto: Privat

Nach Hawaii wollte Ines Sandbote so oder so gerne. Eigentlich wegen Olaf Dirker. Der ist seit vielen Jahren ihr Lebensgefährte, wie sie selbst ein begeisterter Triathlet – und hatte es doch tatsächlich gepackt: Qualifiziert für den Ironman, der nicht irgendeiner ist, sondern der berühmteste der Welt – und ganz nebenbei auch die Weltmeisterschaft der Langdistanz-Triathleten. Mitte August stellte sich heraus, dass es offenbar anders kommen sollte – besser!

An jenem Sonntag war Ines Sandbote in Kopenhagen morgens um fünf aufgestanden – und dachte bis kurz vor dem Start, dass das heute wahrscheinlich noch nix wird mit ihrem großen Traum: „Es war die letzte Chance, sich für Hawaii zu qualifizieren.“ Ihre Hauptkonkurrentin, eine Dänin mit Heimvorteil, musste schon einen sehr schlechten Wettkampf erwischen. Und dann? Kam die Favoritin einfach nicht. Der Rest des Tages flog nur so an Sandbote vorbei – wobei, vielleicht flog sie auch am Tag vorbei: Beendete das Schwimmen als Zweite ihrer Altersklasse, verlor auf der Radstrecke an Boden – holte dann aber 20 (!) Minuten Rückstand wieder auf, beim Marathon im peitschenden Regen.

„Bestimmt 80 WhatsApps“ ploppten kurz drauf in ihrem Handy auf – die sie an das erinnerten, was sie kaum glauben konnte: „Ich starte dann auch!“ 2005 sah sie im Fernsehen, wie Altmeister Faris Al-Sultan auf Hawaii triumphierte: „Ich dachte, da will ich auch mal hin.“ Jetzt waren die Flüge schon gebucht. Eine Woche vor dem Start trudelten Sandbote und Olaf Dirker am anderen Ende der Welt ein: „Man muss sich akklimatisieren.“ Obwohl das ihr Wetter ist, die Schwüle, die Temperaturen um die 30 Grad, früher war sie schließlich Ultra-Läuferin.

Ansonsten: „Die Strecke ist an sich nicht herausragend – aber es ist und bleibt halt Hawaii.“ Von seinem Mythos lebt der Dreikampf in Kailua-Kona nicht schlecht: Nach den Quali-Wettkämpfen zahlen die Athleten noch vor Ort die 1000 Euro Startgebühr.

Dafür kriegen sie aber auch was geboten: die bunte Nationen-Parade, die Pasta-Party, die Rundumversorgung – die Debütantin saugte alle Eindrücke auf. Nur schwimmen musste Ines Sandbote selber: 3,8 Kilometer im Pazifik. Und Rad fahren: 180 Kilometer durch die bergigen Lava-Landschaften. Ach ja, und Laufen: 42,195 recht einsame Kilometer. Ortswechsel: Es gibt bekanntlich kein Bier auf Hawaii – dafür in Greven, wo die Trainingskollegen vom TVE sich am Abend dieses 12. Oktober zum Rudelgucken verabredet hatten. So lange sie ihre Augen offen halten konnten, verfolgten sie Ines Sandbotes Rennen, via Live-Tracking-App – die TV-Kameras zeigten nur den historischen deutschen Doppelsieg von Anne Haug und Jan Frodeno. „Ich hab zwischendurch mal gesehen, dass Frodeno vorne liegt“, schmunzelt Sandbote. „Ansonsten kriegst Du von den Profis nichts mit.“

Nach 11 Stunden und 21 Minuten lief die 45-Jährige den legendären „Ali’i Drive“ – geschafft: „Der Zieleinlauf hätte gerne ewig dauern können.“ Hierfür also das tägliche Training, die aufwendigen Urlaubsplanungen, immer nach Europas Triathlon-Kalender, der 2018 engagierte Privat-Coach, der von Köln aus ihre Trainingspläne entwirft.

Dass dieses Sportjahr so verlief, mit Kopenhagen, und mit ihr und Olaf auf Hawaii: „Ich kann mir dieses Glück nicht erklären – irgendwie sollte es wohl einfach so kommen.“

Noch einmal peilt Ines Sandbote die Qualifikation für Kailua-Kona an, das Training für die Quali-Rennen läuft, jeden Tag nach der Arbeit in der Uniklinik, bis zu 20 Stunden wöchentlich. „Klar, wer sowas macht, ist schon ein bisschen wahnsinnig“, sagt sie. „Und sportsüchtig.“ Aber das ist natürlich allemal besser als Rauchen.

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