Sportlerwahl: Kandidaten vorgestellt
Der Herr der Lüfte

Greven -

Bereits am ersten Wettkampftag läuft es für ihn und seinen Partner wie am Schnürchen. Zum Auftakt der Deutschen Meisterschaft im Segelflug steuern Michael Pfennig und Markus Geisen ihren Doppelsitzer auf Platz zwei. Am zweiten von zwölf Starts übernehmen die beiden gar die Führung – und geben sie nicht mehr her. Und das trotz oder vielleicht wegen schwieriger Witterungsbedingungen. Dass sie am Ende 37 Konkurrenten hinter sich lassen, ist nicht zuletzt dem großen Erfahrungsschatz von Michael Pfennig geschuldet. Der Grevener, der für die Luftfahrtvereinigung startet, gilt national wie international als ein alter Hase der Lüfte. Was in seinem Sport ein unschätzbarer Vorteil ist.

Dienstag, 21.01.2020, 22:00 Uhr
Auf Titelkurs: Michael Pfennig.
Auf Titelkurs: Michael Pfennig. Foto: Sven Thiele

Beim Segelflug kommt es darauf an, die Wetterlage richtig zu analysieren. „Die Kunst ist es, die richtigen Aufwinde zu finden“, erklärt Michael Pfennig. Luftbewegungen, die das Aufgleiten des Fluggerätes ermöglicht, versetzen Segelflieger in die Lage, beachtliche Strecken zurückzulegen. Und das ohne jegliche Motorenunterstützung.

Pfennig bringt das an sich einfache Prinzip auf den Punkt: „Wir Segelflieger machen das, was Störche machen: wir legen möglichst große Strecken mit möglichst wenig Kraft zurück.“ An guten Tagen gleitet er bis zu 800 Kilometer quer durch Deutschland. Alleine von steigenden Luftmassen getragen. Der Grevener ist ein Meister darin, Aufwinde aufzuspüren und zu nutzen.

Die Fliegerei zieht ihn seit 1981 in den Bann. Sein Handwerk lernt er zunächst in Borken. Es besteht aus meteorologischem Wissen, einem Verständnis für physikalische Zusammenhange und einem Hang zur Natur. „Fliegen ist sowieso schon faszinierend“, findet der amtierende Deutsche Meister. Mit der Natur eins zu sein, das Fliegen den Störchen nachzuempfinden, dieser Reiz treibt den 55-Jährigen jedoch besonders an. Seit 2002 startet er vom Flugplatz der Grevener Luftfahrtvereinigung in den Himmel.

Von März bis Ende August nimmt Michael Pfennig an jedem möglichen Wochenende Platz in seinem Flieger. Einmal im Jahr geht es für zwei Wochen ins Trainingslager nach Südfrankreich, wo die Gebirgszüge die Sportler vor ganz andere Herausforderung stellen als das Flachland. Erst kürzlich waren er und seine Frau Ines, die ebenfalls leidenschaftliche Segelfliegerin ist, in Südafrika unterwegs. Überwiegend in der Luft, versteht sich. Sein Jahrespensum beläuft sich auf 300 bis 400 Flugstunden.

Bei den Deutschen Meisterschaften kommt ihm dieser riesige Erfahrungsschatz zu Gute: „Wir haben keinen Fehler gemacht, der viele Punkte kostet.“

Was in einem Sport, der sich im Zusammenspiel mit der Unberechenbarkeit des Wetters versucht, leichter gesagt als getan ist. Bei einer Wetterprognose gehe man immer eine Wette ein, gesteht Pfennig, dass der Erfolg nicht planbar sei. Und: Die Konkurrenz sei stark. Doch er und sein sieben Jahre jünger Cousin Markus sind bei diesen Meisterschaften diesmal das Maß aller Dinge. Oder: Die Herren der Lüfte.

Ihr Lohn ist der nationale Titel 2019. Und eine Berufung in die Nationalmannschaft. Im kommenden Juli vertreten die amtierenden Deutschen Meister ihr Land bei den Weltmeisterschaften, die wie die Deutschen Titelkämpfe erneut in Stendal ausgetragen werden. Dort, wo Michael Pfennig schon einmal den richtigen Riecher bewiesen hat.

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