Interview mit SSV-Chef Werner Jacobs
„Der Sport ist sich einig“

Greven -

Im Interview geht Werner Jacobs, Vorsitzender des Stadtsportverbandes, auf die gegenwärtige Situation rund um die Corona-Krise ein.

Donnerstag, 19.03.2020, 19:04 Uhr aktualisiert: 20.03.2020, 14:54 Uhr
Ist aktuell als Chef des Stadtsportverbandes gefordert: Werner Jacobs.
Ist aktuell als Chef des Stadtsportverbandes gefordert: Werner Jacobs. Foto: Sven Thiele

Eine Gesellschaft im Krisen-Modus und eine Grevener Sport-Gemeinschaft, die das Beste daraus macht. WN-Sportredakteur Martin Weßeling unterhielt sich mit Werner Jacobs, Chef des Stadtsportverbandes, über die gegenwärtige Situation.

Herr Jacobs – bietet das Corona-Virus in gewisser Hinsicht auch Chancen, so dass die Grevener Sportgemeinschaft enger zusammenwächst?

 

Jacobs: Das bleibt abzuwarten. Dies zu bewerten, ist noch zu früh wie ich finde. Ein engeres Zusammenwachsen der Sportszene ist jedoch allein schon daran festzustellen, dass es nach der Verordnung der notwendigen städtischen Maßnahmen keinerlei Proteste der Vereine gegeben hat. Egal, ob Wasser-, Hallen-, Innen- oder Außensport, alle haben sich ohne Murren gefügt und die erforderlichen Maßnahmen getroffen, um die nun zunächst mal unbestimmbare und ungewisse Zeit in den Griff zu bekommen. Für mich ist es schon ein deutliches Zeichen, dass sich der Sport auch in schwierigen Zeiten einig ist. Es ist zu hoffen, dass dies auch bis zum Ende der Krise so bleibt.

Sind aktuelle Hilfsangebote, wie etwa durch den TVE aktuell angeschoben, sinnvoll? Oder sollte das besser allein durch die Behörden geregelt werden?

 

Jacobs: Ich denke, die Behörden können bei der Fülle ihrer Aufgaben im Moment jede Hilfe gut gebrauchen. Der TVE ist der größte Verein in Greven, da tun sich ganz sicher eine Menge Hilfsmöglichkeiten auf. Dies zu erkennen und zu initiieren, ist sehr lobenswert. Ganz sicher wird dieses Angebot von vielen Hilfsbedürftigen im Verein angenommen werden. Hier zeigt sich im Verein ein hoher Solidaritätswille und es zeugt von einer intakten Vereinskultur. Es wäre wünschenswert, wenn sich insbesondere die größeren Vereine in Greven dem Beispiel anschließen würden. Ich bin mir sicher, dass das auch schon in vielen anderen Vereinen passiert, ohne dass es bislang groß an die Öffentlichkeit geraten ist.

Denken Sie, dass die Krise bei kleineren Vereinen zu einem Mitgliederschwund führen könnte, oder erwarten Sie einen gegenteiligen Effekt?

 

Jacobs: Dass ein Mitgliederschwund eintreten wird, kann ich mir nicht vorstellen. Die Mitglieder werden wissen, wie viele schöne und intensive Stunden ihnen in normalen Zeiten in ihren Vereinen geboten werden, mit funktionierender Administrative, mit ausgebildeten Übungsleitern, mit sportlichen und gesundheitlichen Erfolgen, mit Begeisterung, mit Unterstützung und mit einer großen Palette an gesellschaftlichen Ereignissen. Dies werden sie nicht mit Austritten quittieren, sondern ihren Vereinen die Treue halten, davon bin ich überzeugt.

Kann der SSV, wie auch immer, unterstützend eingreifen?

Jacobs: Eine schwierige Frage. Da der SSV keine Mitgliedsbeiträge von seinen Vereinen erhebt, ist zumindest eine finanzielle Unterstützung aus eigenen Mitteln nicht möglich. Der SSV wird jedoch gerne dabei behilflich sein, Verbindungen zu Hilfstöpfen herzustellen, sofern denn welche aufgemacht werden. Ich gehe davon aus, dass dies höheren Orts geprüft werden wird, um Vereinen zumindest in Teilen bei der Begleichung ihrer laufenden Kosten zu unterstützen. Der SSV-Vorstand wird da am Ball bleiben und den Vereinen zumindest mit Information und Vermittlung zur Seite stehen.

Wird die gegenwärtige Krise unsere Sportlandschaft grundlegend verändern?

 

Jacobs: Hat sie schon, insbesondere wenn ich an den großen Sport denke. Wer hätte jemals geglaubt, dass eine Fußball-Europameisterschaft um ein Jahr verschoben wird, dass die höchsten Ligen in so gut wie allen Sportarten unterbrochen oder gar beendet werden oder dass auf unserer Ebene der Sport auf zunächst mal begrenzte Zeit einfach nicht mehr stattfindet und davon allein in Greven etwa 10 000 Menschen betroffen sind? Man wird sich in allen Bereichen, nicht nur im Sport, nach Beendigung der Krise, neu sortieren müssen. Jetzt müssen aber erst mal alle und in allen Bereichen an einem Strang ziehen und das einhalten, was uns von den Experten vorgegeben und verordnet wird. Das ist der Mindestanteil, den jeder Einzelne leisten muss.

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