Serie: Sternstunden des Sports
SCR: Die goldenen Jahre. . .

Reckenfeld -

Was waren das für Zeiten! Ein eingeschworener Haufen, der sogar in der Lage war, dem großen Rivalen aus Greven Paroli zu bieten. Und Spieler, die für ihren Trainer Metin Tüfekci durchs Feuer gegangen wären. Der SC Reckenfeld blickt eine glorreiche jüngere Vergangenheit und einige Jahre in der Kreisliga A zurück. Die Erinnerungen an diese glorreichen Zeiten sind noch wach.

Sonntag, 22.03.2020, 17:34 Uhr aktualisiert: 24.03.2020, 17:32 Uhr
Das waren Zeiten: Hier befubeln die SCR-Gladiatoren den Aufstieg in die Kreisliga A.
Das waren Zeiten: Hier befubeln die SCR-Gladiatoren den Aufstieg in die Kreisliga A. Foto: Stefan Bamberg

Das „SCR-Tor“ lag rechts auf dem Sportplatz Ortsmitte, vom Würstchengriller aus gesehen. Und meistens stand Bernd Hanneken – der so ruhige Kult-Physiotherapeut, der an Spieltagen aber immer nervös war – direkt dahinter. Und natürlich fiel auch diesmal ein Tor – weil immer Tore fielen, wenn der SC Reckenfeld nur auf das SCR-Tor zuspielte. Fünf Jahre, von 2011 bis 2016, dauerte die wilde Kreisliga-A-Zeit des Klubs unter Trainer Metin Tüfekci. Und dieser Film, mit Hanneken hinterm Tor und den furios stürmenden SCRlern davor, läuft bei Tüfekci auch heute noch manchmal ab: „Ich denke noch oft daran“, erzählt er. „Der SCR, der war für mich wie eine Familie.“

Als Ex-Zweitligaprofi schlug Tüfekci 2009 an der Emsdettener Landstraße auf – um einem B-Ligisten mit etwas muffigem Image neues Leben einzuhauchen. Knapp zwei Jahre später war vom Muff nichts mehr übrig: Als Start-Ziel-Tabellenführer stieg der SCR auf. „Die Schwarzen Gladiatoren…“, schmunzelt Thorben Zilske, damals Abwehrchef und Co-Trainer.

Dieser Spitzname, verewigt auf den Aufstiegsshirts, passte zu der seinerzeit besonderen Atmosphäre: „Metin ist ein absoluter Menschenfänger – für den war es klar, dass die Mannschaft und die Fans eine Einheit waren.“ Und die Zuschauer ließen sich gerne fangen von Tüfekci, sie waren laut, und die Umsätze im Vereinsheim gigantisch – ja, irgendwie hatten die Gegner oft das Gefühl, sie spielten hier gegen mehr als elf Mann.

Als Aufsteiger schlugen sie gleich mal den an diesem Spätherbst-Nachmittag etwas hochnäsig auftretenden Branchenprimus Greven 09, mit 1:0 durch eine Kuller-Bude kurz vor Schluss. Die 09er nahmen den SCR ab sofort ernst, gewannen auch ein paarmal. Aber eben längst nicht immer: Im Frühling 2013 machte der SCR in der Nachspielzeit aus einem 1:2 noch ein 3:2, die Schöneflieth in der Hand mehrerer hundert Reckenfelder – und Tüfekci soll, wieder so eine SCR-Story, an diesem Sonntag zu Fuß zurück gen Ortsteil gegangen sein.

Im dritten Jahr trennten sich die Rivalen dann übrigens 5:5 (!) – im vielleicht besten Derby, das Greven je erlebt hat. „Es war kaum zu glauben“, erinnert sich Tüfekci, „plötzlich waren wir auf Augenhöhe mit 09.“ Dreimal gewannen sie zudem die Stadtmeisterschaften, stürmten 2014 als beste Rückrundenmannschaft in die eingleisige A-Liga. Viele reduzierten sie bei alldem stets aufs Klotzen und Kämpfen, und auf das frenetische Publikum, das seinesgleichen suchte in der lokalen Fußballszene.

Was dabei oft vergessen wurde: „Wir hatten auch einfach eine richtig starke Mannschaft“, sagt Zilske. Im Tor Lars Dömer, jahrelang einer der Top-Keeper der Liga. Kapitän Fabian Howe und René Köster, zwei veritable Strategen. Ganz vorne, natürlich, Kalle Hoffmann, der in der Aufstiegssaison wahnsinnige 48 Tore schoss, meist in Szene gesetzt vom Spielmacher Thorsten Cyllok.

Anfangs dazu eine Reckenfeld-Fraktion mit Meik Kaufmann, Felix Hoffmann, Dennis „Wurst“ Buschhaus, Alex Gellrich, Kai Beckmann, Ismail Aksoy, Pascal und Dennis Zilske. Und der dritte Zilske-Bruder? Schaute sich das Ganze von hinten an, damals noch mit wallender Heavy-Metal-Mähne. Das heißt, einmal hörte er nur: Am Tag der Geburt seines ersten Kindes gewann der SCR mit 3:1 gegen den damaligen Landesligisten Emsdetten 05. „Da haben mich die Jungs im Kreißsaal angerufen – sowas vergisst man natürlich nicht.“

Inzwischen ist Thorben Zilske gestandener Familienvater, und hat selbst das Trainer-Ruder übernommen im Ortsteil. Metin Tüfekci sagte im Sommer 2016 mit einem emotionalen Abschiedsspiel Lebewohl. Lars Dömer kommt im Sommer zurück, um die Karriere bei seinem SCR ausklingen zu lassen. Kalle Hoffmann hat es bis in die Landesliga geschafft. Fabian Howe ist inzwischen Sportkegler, und Thorsten Cyllok nach Südamerika ausgewandert.

Manche der alten Helden treffen sich im Winter gelegentlich zum Hallenfußball. „Vielleicht kriegen wir ja auch ein großes Wiedersehen zum zehnjährigen Aufstiegsjubiläum hin“, überlegt Zilske. Die angemessene Abendgarderobe verstünde sich dabei von selbst: Die Trikots von 2011, die mit den „Schwarzen Gladiatoren“, gibt‘s ja noch. Obwohl der eine oder andere jetzt womöglich eine Nummer größer bräuchte.

 

https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/7338547?categorypath=%2F2%2F2669082%2F2670173%2F2686137%2F2686209%2F2686793%2F
Nachrichten-Ticker