Sternstunden des Sports: Nils Babin
Weingummi für alle – über den SC Reckenfeld zum TV Emsdetten

Greven -

Beim SC Reckenfeld hat alles angefangen. Dann zog Nils Babin aus, wurde Profi im Tor des TV Emsdetten und erlebte tolle Jahre in der Bundesliga. Inzwischen hat er die Sportart gewechselt und betreibt eifrig Triathlon.

Donnerstag, 02.04.2020, 16:28 Uhr
Beim TVE in Aktion: Nils Babin. Heute versucht sich der ehemalige Torwart als Triathlet.
Beim TVE in Aktion: Nils Babin. Heute versucht sich der ehemalige Torwart als Triathlet. Foto: Oberheim

1,9 Kilometer Schwimmen, derer 90 auf dem Rad, zum Abschluss ein Halbmarathon – ein echtes Brett, was Nils Babin sich da vorgenommen hat. Seine Premiere über die halbe Ironman-Distanz, sie ist für diese Saison geplant. „Ich bin schon noch ehrgeizig, wenn es um meine persönlichen Bestzeiten geht“, lässt er wissen. Der ganz große Druck aber ist raus, seitdem Babin die Sportart gewechselt hat.

Fast vier Jahre liegt sein letztes Zweitliga-Spiel nunmehr zurück. Die Karriere als Handballprofi? Irgendwie schon weit weg. Eine Karriere, die 1992 in der Reckenfelder Walgenbachhalle begann. Ursprünglich übrigens mit Kinderturnen. Doch weil erste Ideen halt doch nicht immer die besten sind, meldeten ihn seine Eltern wenig später doch beim Handball an – ganz im Sinne der Familien-Tradition: „Mein Papa und mein Onkel haben früher höherklassig gespielt.“ Bis einschließlich zur C-Jugend hütete Babin das Tor des SC Reckenfeld, 2002 dann der Wechsel zum TV Emsdetten. Dass er es dort eines Tages in die Bundesliga schaffen würde – ein kühner Gedanke, mehr nicht. Talent hatte er, ganz klar. „Aber es gehörte auch Glück dazu“, verrät Babin. Glück zum Beispiel, dass er recht plötzlich auf nahezu zwei Meter aufschoss – perfekt für einen Torhüter. Und Glück, im richtigen Moment eine Chance zu bekommen.

Frühling 2007, Derby beim ASV Hamm. Der TVE lag geradezu hoffnungslos hinten, Stammkeeper Marcus Cleverly hatte sich bereits vor dem Spiel verletzt, der Ersatzmann bekam nichts an die Finger, da probierte Coach Patrik Liljestrand einfach mal was Verrücktes. Am nächsten Tag stand in der Zeitung, dass der TVE das Match gedreht, und der 19-jährige dritte Torwart den Hammern den Zahn gezogen habe. Sein erstes Spiel war zugleich eins seiner besten. Babin verbindet mit jenem Abend nur noch bruchstückhafte Erinnerungen: „Es war so laut in der Halle, dass ich in der Auszeit den Trainer nicht verstanden habe.“

Wenn Nils Babin hingegen an seine handballerischen Anfänge in Reckenfeld denkt, dann fallen ihm sofort die Mini-Spielfeste ein, bei denen – natürlich! – alle Gewinner waren. Und bei denen ganz nebenbei modische Ausrufezeichen gesetzt wurden: „An rot-weiße Hummel-Trikots erinnere ich mich, die gingen einem bis zu den Knien – und an unsere Trainingsanzüge, aus allerfeinster Ballonseide.“ Nach den Turnieren gab es Weingummitüten für alle. Kurz gesagt: „Eine unbeschwerte Handball-Zeit!“ Genau dieses Gefühl, erzählt Babin, habe er immer versucht, lebendig zu halten – auch während seiner Profi-Laufbahn: „Man sollte nicht vergessen, dass auch beim Sport der Spaß an oberster Stelle stehen muss.“

Seine großartigsten Momente im TVE-Tor erlebte Babin, als er jeden Tag gerne zum Training ging: Die B- und A-Jugendzeit, als er sich unter den Emsdettener Handball-Koryphäen Winnie Kitzmann, Conny Kreft, Martin Holländer und Jan Wolski für höhere Aufgaben empfahl. Die Jungfuchs-Phase, als er erstmals Bundesliga-Luft schnupperte. Ja, und schließlich das Aufstiegsjahr 2012/2013, in dem ihn die Kollegen zum Top-Torwart der Saison wählten. Nicht nur für Babin ging ein Traum in Erfüllung: einmal erste Liga, einmal Kiel, Flensburg und Rhein-Neckar Löwen! Der Zirkus kam von nun an in die Stadt – und der TVE, um mal im Bilde zu bleiben, wurde dabei meistens am Nasenring durch die Manege geführt. So recht hatten sie keine Schnitte im Oberhaus, Erlebnis statt Ergebnis: „Bei der HSG Wetzlar etwa spielte, auf seine alten Tage, Ivano Balic mit“, erinnert sich Babin, der Balic, diesen kroatischen Weltstar, früher im Fernsehen bewundert hatte. „Das ist schon genial, wenn Dir solche Legenden auf einmal gegenüber stehen.“

Überhaupt sind solche Begegnungen das, was er bisweilen vermisst: „Ich habe durch den Handball viele coole, positiv bekloppte Typen kennengelernt.“ Die Entscheidung, es bereits mit 29 gut sein gelassen zu haben mit dem Profisport, bedauert der bald 33-Jährige gleichwohl nicht: „Letztlich habe ich gemerkt, dass mir andere Dinge im Leben doch wichtiger sind.“ Babin, der noch während seiner Karriere VWL studierte, arbeitet inzwischen als Finanzleiter bei einem Fernleitungsnetzbetreiber. Seine Familie und Freunde sehen ihn öfter. Im Sommer fährt er nun lieber nach Norwegen statt ins Trainingslager. Und mit dem Rennrad durchs Münsterland statt mit dem Mannschaftsbus durch die Republik.

Freundschaften aus der Profizeit, wie die zu Stefan Thünemann oder Elvir Selmanovic, sind geblieben – und Babin beim TV Emsdetten über das Karriereende hinaus eine Identifikationsfigur. Vergangenes Jahr hat er, eher spontan, den Trainerposten bei den B-Juniorinnen übernommen: „Der TVE ist eben mein Heimatverein.“

Auch wenn ja in Reckenfeld alles anfing.

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