E-Sports: Neue Abteilung bei DJK BW Greven
Trainieren trotz Corona

Greven -

Was tun, wenn die Corona-Krise quasi den gesamten Sportbetrieb lahmlegt? Die DJk Greven hat sich etwas einfallen lassen und engagiert sich neuerdings in Sachen E-Sports. Auch beim kontrollierten Spielen zähle die körperliche und geistige Fitness meinen die Organisatoren aus Greven und sehen sich und ihre neue Sportart auch in den kommenden Wochen – mit oder ohne Corona – gut aufgestellt

Freitag, 17.04.2020, 16:40 Uhr aktualisiert: 21.04.2020, 12:32 Uhr
Thomas Hensmann engagiert sich bei der DJK für die Sportart E-Sports – eine Abteilung, die boomt und auch eine gute körperliche Fitness verlangt.
Thomas Hensmann engagiert sich bei der DJK für die Sportart E-Sports – eine Abteilung, die boomt und auch eine gute körperliche Fitness verlangt. Foto: Stefan Bamberg

Wenn das Internet es bis nach Schmedehausen schafft, wo zwei Teammitglieder wohnen, sind das gerade gute Zeiten für E-Sportler. „Wir werden ja immer ein bisschen belächelt“, sagt Thomas Hensmann. „Aber vermutlich sind wir momentan die Einzigen, die nahezu ohne Einschränkungen trainieren können.“

Na klar, Hensmann und seine Mannschaftskameraden sitzen auch zuhause. Anders als die meisten anderen langweilen sie sich dort allerdings nicht. Die frisch gegründete E-Sports-Abteilung der DJK Greven widmet sich vielmehr ganz neuen Projekten – und sucht Neuzugänge: „Jeder kann mitmachen“, betont Hensmann. Jeder für sich daheim. Und dank dem World Wide Web doch irgendwie alle zusammen. Beim „FIFA 20“-Training.

„FIFA“, der Dauerbrenner unter den Sport-Computerspielen, er bringt Greven auf die große Fußballbühne – online sind die Stadien nämlich noch pickepackevoll. In dem sogenannten Pro-Club-Modus erstellt jeder seinen eigenen virtuellen Kicker, zusammen gehen sie dann für die virtuelle

DJK auf virtuelle Torejagd. Alles, was es dazu braucht, ist ein Windows-PC oder wahlweise eine Playstation 4 – und „FIFA 20“ natürlich. Der 21-jährige Hensmann, der mit 13 anfing, so richtig Computer zu spielen, ist gespannt: „Ich habe nämlich gar nicht so viel Erfahrung mit Fußball an der Konsole.“

Denn E-Sports, das sind eben nicht nur die Sportspiele. In der Szene deutlich prominenter ist der Strategie-Klassiker „League of Legends“. Seit Beginn des Jahres befindet sich die DJK unter dem Namen „eSports Greven“ dort im Ligabetrieb, hat bisher achtmal gewonnen und sechsmal verloren – und wartet aktuell ab, in welcher Spielklasse sie im nächsten „Split“ (so heißen die Saisonabschnitte) eingruppiert wird. Üben ist nun angesagt. Und Videoanalyse: „Wir haben unsere Partien alle gestreamt“, berichtet Hensmann – also: aufgezeichnet und ins Netz gestellt. Über die Plattform „twitch.tv“ kann sich das jeder angucken – was in den unteren Ligen freilich fast niemand macht.

Weiter oben schon: Das WM-Finale 2019 verfolgte ein weltweites Millionenpublikum. Für alle, denen es am Bildschirm zu langweilig ist, gibt es E-Sports-Events in großen Hallen. Zudem Siegprämien im hohen sechsstelligen Bereich, Experten und Live-Kommentatoren.

Die DJK-Jungs zocken nicht fürs Geld. Und kommentieren ihre Spiele selbst: Über einen Sprachkanal hecken sie Taktiken aus – oder reden am Anfang auch einfach mal übers Wetter. Dann erfolgt der Startschuss zur „League of Legends“: Wer das als Laie beobachtet, denkt erst mal unweigerlich an Loriots legendäres „Ja, wo laufen sie denn?“ Schräg aussehende Gestalten rennen durch die Gegend, und dauernd explodiert was.

Das Prinzip des Spiels ist, sehr vereinfacht, schnell erklärt: Jeder Spieler verkörpert einen mit individuellen Fähigkeiten ausgestatteten Charakter, in Fünfer-Teams treten die Mannschaften gegeneinander an und versuchen zunächst, diverse Monster zu überwältigen. Schlussendlich geht‘s darum, alle Gebäude des Gegners zu zerstören. Rund 45 Minuten dauert so ein fiktionaler Zermürbungskrieg. Ganz real hingegen ist der Kampf der Aktiven um die Akzeptanz des E-Sports, der rechtlich bislang nicht als Sportart eingestuft wird. Aktuell ist er so für kleinere Klubs noch ein Verlustgeschäft, mit der offiziellen Anerkennung würde er unter anderem Steuervorteile genießen: „Das wäre wichtig, um ihn in Vereinen für jedermann zugänglich machen zu können“, findet Hensmann.

Wichtig – aber auch richtig? Zwei- bis dreimal wöchentlich trainieren sie bei der DJK, jeweils drei Stunden: Hinzu kommen Teamsitzungen, online wie offline. „Wer das alles konzentriert durchhalten will, braucht auch eine gewisse körperliche Fitness“, meint Hensmann und weiß auf eigener Erfahrung: „Das ist kein plumpes Zocken, sondern kontrolliertes Spielen.“

Der Spielertrainer hat den unmittelbaren Vergleich zum Fußball auf dem Rasen, er trainiert die C2 bei der DJK – das heißt: aktuell natürlich nicht. E-Sports hingegen boomt auch in Corona-Zeiten: Bundesligaprofis und professionelle Gamer tragen in der „Home Challenge“ – von der DFL gefördert – digitale Spieltage an der Konsole aus.

Thomas Hensmann erwartet, dass das seinem Hobby einen Schub geben könnte. Und falls nicht, bleibt dem DJK-Abteilungsgründer immerhin ein Trost: Das mit Schmedehausen und dem Internet klappt meistens ganz gut.

Weitere Infos: www.djk-greven.de/sport/esports.

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