Wie Frank Simon den Turnverein durch die Corona-Krise steuert 
„Finanziell ist der TVE sehr robust“

Der Vorsitzende des TVE Greven erklärt in einem Gespräch, wie der Verein mit der aktuellen Situation umgeht.

Montag, 09.11.2020, 10:20 Uhr
Gefragt als Krisenmanager und Zukunftsplaner: Frank Simon, seit Juni Vorsitzender des TVE Greven.
Gefragt als Krisenmanager und Zukunftsplaner: Frank Simon, seit Juni Vorsitzender des TVE Greven. Foto: th

Er ist erst seit Juni Vorsitzender des TVE Greven und seitdem alle Hände voll zu tun. Zweimal war Frank Simon bereits Organisator eines Vereins-Lockdowns. Was das für Grevens größten Sportverein bedeutet und warum es trotz des Stillstandes nicht ruhig wird, erklärt der 59-Jährige im Gespräch mit Sven Thiele.

 

Wir befinden uns mitten im zweiten Lockdown des Jahres, der den Vereinssport erneut mit voller Wucht erfasst hat. Wie ist der TVE bis hierhin durch die Krise gekommen?

Simon: Wir sind bisher relativ gut durch die Krise gekommen, das ist tatsächlich so. Unsere Abteilungsleiter und Übungsleiter haben stets Kontakt zu den Mitgliedern gehalten und sobald/so lange es möglich war, haben wir Sport gemacht. Auf diese Weise haben wir das Vereinsleben ein Stück weit aufrechterhalten können, auch wenn es sich nicht immer in sportlichen Aktivitäten äußerte.

Wie wirkt sich der zwischenzeitliche Stillstand auf die Mitgliederzahlen des TVE aus?

Simon: Wir haben einen ganz leichten Rückgang gehabt. Da gibt es aber eine ganze Reihe von Gründen. Zum einen haben wir unsere Mitgliederdateien aufgeräumt und die Zeit genutzt, Karteileichen zu beseitigen. Auch unsere Beitragsaktion, bei der wir im zweiten Quartal zuerst auf den Beitrag verzichtet und ihn später nacherhoben haben, hat zu leichten Rückgängen geführt, weil das Vorgehen für Unruhe gesorgt hat. Unterm Strich ist die Entwicklung aber alles andere als dramatisch.

Wie ist der Verein im Moment finanziell aufgestellt?

Simon: Finanziell ist der TVE sehr robust. Das ist ja auch der Grund gewesen, Mitgliedsbeiträge zunächst auszusetzen. Wir haben nur ein eingeschränktes Programm anbieten können. Dadurch haben wir sogar Überschüsse erzielt, die durch die coronabedingten Mehrausgaben kompensiert wurden. Ich gehe davon aus, dass wir finanziell gut durch die Krise kommen, nicht zuletzt auch dank meines Vorgängers, der dafür gesorgt hat, dass das Sportzentrum nahezu schuldenfrei ist und wir damit so gut wie keine größeren laufenden Verpflichtungen haben. Das wird uns die anstehenden Investitionen im nächsten Jahr sicher erleichtern.

Der Vereinssport steht seit Montag erneut still. Wie gelassen begegnen Sie dieser Situation mit den Erfahrungen aus dem Frühjahr?

Simon: Als Vereinsvorsitzender kann ich nicht entspannt sein, wenn wir keinen Sport betreiben können. Wir suchen mit Hochdruck nach Alternativen, die wir anbieten können. Zudem wollen wir an unseren Strukturen arbeiten, um noch besser gewappnet zu sein, wenn es wieder in vollem Umfang losgeht. Ich bin mir sehr sicher, dass die Bevölkerung auch nach dem Lockdown das Bedürfnis nach Bewegung, nach Sport, nach sozialen Kontakten haben wird. Davon werden wir profitieren, wenn es uns gelingt, entsprechende Angebote zu machen..

Gab es neben Corona überhaupt noch andere Dinge, mit denen Sie sich beschäftigen konnten?

Simon: Corona war und ist sicherlich das alles begleitendes Thema. Doch die Pandemie hat auch ihre guten Seiten. Eine erste Aktion war zum Beispiel das Lauf-Event „Gemeinsam um die ganze Welt“, das ohne Corona nicht zustande gekommen wäre. Ich glaube, die Initiative hat ein Zeichen gesetzt, wohin der Verein in der Zukunft gehen möchte und wie er sich versteht. Eine zweite Aktion ist die Arbeit an einem Grevener Brennpunkt: die schlechte Schwimmfähigkeit von Kindern. Auch da wären wir ohne Corona vermutlich nicht so weit gekommen, wie es jetzt in den Sommerferien mit den 14 Schwimmkursen geklappt hat. Das sieht man auch daran, dass wir nach den Ferien mit unseren Bemühungen nicht weitermachen konnten und jetzt in den Gesprächen mit der Bäder GmbH und der Stadtverwaltung mühsam nach weiteren Lösungen suchen müssen, das Problem in den Griff zu bekommen.. Das dritte Betätigungsfeld hat Corona tatsächlich komplizierter gemacht. Das ist das Investitionsprogramm, mit dem wir das Sportzentrum renovieren und attraktiver machen wollen. Da sind die Kontaktmöglichkeiten mit Handwerkern und Planern deutlich schwieriger geworden.

Was genau planen Sie?

Simon: Während der Coronazeit haben wir bereits Fitnesskurse in unsere Tennishalle ausgelagert. Wir haben gesehen, dass die Halle sehr gut geeignet ist, um auch im Sommer genutzt zu werden. Die Überlegungen, wie wir mit dieser Tennishalle in der Zukunft umgehen, sind momentan zentral. Ich habe dem erweiterten Vorstand vorschlagen, die Möglichkeit zu prüfen, die Halle in eine Mehrfunktionshalle umzuwandeln, wo dann auch Sportarten wie Volleyball, Badminton und Gymnastik möglich sind, also alles das stattfinden kann, was in einer normalen Sporthalle auch passiert. Der Umbau würde uns die Möglichkeit geben, neue Sportangebote zu etablieren und Wartelisten bei einzelnen unserer Angebote zu vermeiden.

Mit der DJK laufen Fusionsgespräche. Worum geht es?

Simon: In Gesprächen mit der DJK haben wir festgestellt, einen Partner gefunden zu haben, der ähnliche Ideen verfolgt. Sie führen in Richtung Breitensport und gesellschaftlichem Engagement. Auf der Basis eines hochwertigen, umfassenden und gut organisierten Sportangebotes möchten wir uns zu einem zivilgesellschaftlichen Akteur in der Stadt entwickeln, der neben dem Sport mit einem starken Vereinsleben in zentralen Werten unserer Gesellschaft, wie Engagement, Zusammenhalt, Achtung, Partizipation und Nachhaltigkeit Impulse setzt. Sich dieser ambitionierten Aufgabe gemeinsam zu stellen, ist das Ziel unserer Gespräche.

An welchem Punkt stehen Sie?

Simon: Aus meiner Sicht läuft es überraschend und erfreulicherweise sehr gut. Wir führen momentan Gespräche auf der Ebene der Abteilungsleiter mit der Frage, wie sie sich den neuen Verein vorstellen wo sie Synergien sehen, aber auch, worauf wir achten müssen. Wir arbeiten auch an den rechtlichen und den finanziellen Strukturen. Wir hoffen, im Frühjahr die Mitglieder umfassend informieren zu können und bis dahin auch die Ideen weiter konkretisiert zu haben und dann aus eins und eins nicht zwei, sondern mehr als zwei werden zu lassen.

Haben sie bei Ihrem Amtsantritt im Juni das Arbeitspensum realistisch eingeschätzt?

Simon: Es kommt ganz darauf an, wenn man fragt. Wenn man mich fragt: ja. Wenn man meine Frau fragt: nein.

Hand aufs Herz. Ist der Vorsitz mehr Last oder Herausforderung?

Simon: Das Amt belastet mich nicht. Es macht Spaß, die vielfältigen Aufgaben zu bewältigen, zumal ich es nicht alleine machen muss. Im Verein gibt es viele Unterstützer. Gerade dieses Teamwork hinzubekommen ist das Entscheidende.

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