Werner Jacobs besucht das Dach der Welt
Dem Himmel so nah. . .

Greven -

Eigentlich jeder Mensch hat Träume und Wünsche, die ihn sportlich gesehen antreiben. Werner Jacobs stellte sich der Aufgabe, das Dach der Welt zu erklimmen und schaffte es am Mount Everest bis zum Basis-Lager.

Mittwoch, 11.11.2020, 10:30 Uhr
In jeder Hinsicht beeindruckend war der Tripp von Werner Jacobs (re.) und Wilhelm Meibeck.
In jeder Hinsicht beeindruckend war der Tripp von Werner Jacobs (re.) und Wilhelm Meibeck. Foto: Privat

Adrenalin-Junkie? Risikobereiter Abenteurer? Gipfelstürmer? Wer Werner Jacobs dabei beobachtet, wie er in seiner ruhigen und besonnen Art die Sitzungen des Stadtsport-Verbandes leitet, ihn bei einer Tasse Kaffee in der Innenstadt trifft oder sich mit dem Grevener über die neuesten Entwicklungen in der heimischen Kulturszene austauscht, der kommt nicht sofort darauf: Aber Jacobs kann anders – ganz anders. . .

Beispielsweise 2006, als der Grevener in 5500 Höhe im Himalaya-Gebirge Auge in Auge mit dem Mount Everest kräftig nach Luft schnappte, die Lungen aber nicht immer vollständig gefüllt bekam. Wie er darauf kam, auf dem wohl weltweit gefährlichsten Flughafen Lukla zu landen und ihn unbeschadet wieder zu verlassen, ist eine Geschichte, wie sie wohl in nahezu jeder Familie vorkommt: Sie steht in Verbindung mit dem 50. Geburtstag. Der Stand im Hause Jacobs 2006 an, und damit verbunden war der recht gewöhnliche Wunsch nach dem Besonderen. Jahre zuvor hatte der ehemalige Beamte der Bundespolizei im Rahmen einer beruflichen Maßnahme den Deutschen Sehnsuchtsberg Watzmann kennengelernt und war mit einem Kollegen ins Gespräch gekommen. „Der hatte das Buch In eisigen Höhen – das Drama am Mount Everest – von Jon Krakauer in der Hand. Das hat mich total fasziniert. Da war schon klar – da will ich hin“, leuchten die Augen von Werner Jacobs noch Jahre nach dem Besuch auf dem Dach der Welt.

Der Grevener blieb dran am Thema, holte Infos über das Internet ein, suchte nach entsprechenden Reiseagenturen, legte ein Budget fest, robbte sich ran an das Abenteuer. Und dann ging´s los, zusammen mit seinem mittlerweile verstorbenen Freund Wilhelm Meibeck. „Gegessen haben wir vegetarisch, geschlafen in einfachen unbeheizten Zimmern im Schlafsack. Ich bin deutlich leichter geworden in dieser Zeit, es war einfach herrlich“, schmunzelt Werner Jacobs und erzählt von einem Erlebnis, das für immer auf die interne Festplatte gebannt ist. „Natürlich mussten wir uns in dieser Höhe akklimatisieren. Es ging teilweise nur schleppend voran. Einen Atemzug machen und die Lunge zu einem Drittel füllen. Das war schon heftig“, sagt der Teilzeit-Extrem-Bergwanderer, der normalerweise in der münsterländischen Tiefebene heimisch ist.

Und dann das unglaubliche und imposante Panorama am höchsten Berg der Welt – überwältigend und surreal. „Das sah teilweise aus wie auf dem Mond. Und dann diese Eislandschaft. Man kann es kaum beschreiben. Wir sind auf jeden Fall an unsere Grenzen gekommen“, sagt Jacobs.

Damit meint er nicht nur die körperlichen, sondern beispielsweise auf die finanziellen. „So ein Trip zum Basislager am Everest, der ist irgendwie noch darstellbar. Aber danach wird es richtig teuer. Das ist eigentlich nur was für Millionäre oder Leute mit Sponsoren.“ Bei Werner Jacobs war in 5500 Metern Höhe Ende Gelände, aber die Eindrücke halten ein Leben lang.

Der pensionierte Bundesbeamte gibt sich übrigens durchaus auch mit weniger zufrieden. Wie zum Beispiel mit dem Köln-Marathon, den er 2005 auf Inline-Skatern absolvierte. Auch eine Herausforderung, für die der Grevener aber nur gut zwei Stunden benötigte. Aktuell dürfte es leider schwierig werden, weitere sportliche Höchstleitungen in die persönliche Vitae einzufügen – das lädierte Knie lässt momentan nur längere Radtouren zu.

Aber immerhin kümmert sich Werner Jacobs in seiner Funktion als Vorsitzender des SSV darum, dass es mit dem Grevener Sport irgendwie weitergeht. Und das ist – angesichts der aktuellen Entwicklungen – auch eine durchaus beeindruckende Leistung.

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