Zur aktuellen Situation in den Fitnessstudios
Sport nur vor der Kamera

Greven -

Der Sport steht still - auch in Greven. Wegen der Corona-Pandemie mussten auch die heimischen Fitness-Studios schließen - zum zweiten Mal in diesem Jahr.

Dienstag, 17.11.2020, 10:45 Uhr aktualisiert: 17.11.2020, 10:50 Uhr
Auf ihr Hanteltraining müssen die Grevener vorerst in den Fitnessstudios verzichten.
Auf ihr Hanteltraining müssen die Grevener vorerst in den Fitnessstudios verzichten. Foto: dpa

Die Hanteln bleiben liegen, das Laufband steht still, die Türen sind geschlossen. Seit Anfang November dürfen auch die Betreiber von Fitnessstudios nicht mehr öffnen. Bereits zum zweiten Mal in diesem Jahr. Die Verordnung gilt erst einmal bis Ende des Monats, vor allem größere Ketten sind es, die aktuell Klagen vor Gericht einreichen.

Ihr Credo: Wir haben ein Hygienekonzept, das funktioniert. Wir fühlen uns durch die Schließung benachteiligt. Wie ist die Stimmung in den Einrichtungen in Greven? Wir haben uns umgehört:

Elke Göcke aus dem „Impuls“ spricht aus, was viele aus der Branche denken: „Es ist nicht nachgewiesen worden, dass sich eine Person bei uns infiziert hat. Wir haben ein sicheres Hygienekonzept und sehr gute Kontrollen durch die Mitarbeiter gehabt. Und jetzt werden wir bestraft.“

Von den Klagen, die nun vor Gericht ausgehandelt werden, verspricht sich auch Tanja Beinker, Inhaberin von „Fit4you“, keinen großen Erfolg: „Ich denke, dass wir Anfang Dezember erst wieder öffnen können – das hoffen wir.“ Sie kritisiert: „Vielleicht denken manche Politiker, dass das nur Spaß und Freizeit ist, aber Fitnessstudios sind ein wichtiger Bestandteil von Reha- und Gesundheitsmaßnahmen.“

Sie gibt ein Beispiel: „Wir haben viele ältere Menschen, die Vormittags zu uns kommen und die ihre Kurse und Übungen brauchen. Zum Beispiel ein 89-jähriger Kunde, der zwei bis drei Mal pro Woche bei uns trainieren geht. Der kam in der letzten Woche noch jeden Tag, um vorzutrainieren.“

Anderes Beispiel: „Eine junge Frau kommt immer zu uns, weil der Sport gegen ihre Migräne hilft. Sie hatte große Angst, als wir geschlossen haben.“ Für die zahlreichen Kunden hofft auch Vanessa Juszczak aus dem „Deltha-Fitness“ auf eine baldige Öffnung: „Abstandsregelungen, Desinfektionsspender, Aushänge an den Türen und den Geräten und vieles mehr – wir haben ein sehr gutes Konzept, bei dem sich die Kunden sicher gefühlt haben.“

Gleiches gilt für das „Fit4you“. Beinker: „Wir hatten zwar einige, die erst skeptisch waren, aber ihre Ängste vor einer Ansteckung nach dem ersten Training verloren haben.“

Geräte können nicht benutzt werden, die Kurse finden nicht statt – stimmt nicht ganz. In der vergangenen Woche machte eine Verordnung des Landes NRW Reha-Kurse wieder möglich, berichtet Beinker. Diese bietet sie nun sowohl in Präsenz als auch über die Online-Plattform Zoom an: „Das kommt sehr gut an. Es ersetzt natürlich nicht den Gang ins Fitnessstudio zu 100 Prozent, aber es ist besser als gar nichts.“

Online-Kurse und Programme bieten auch das „Deltha“ und das „Impuls“ an. Göcke, seit 42 Jahren in der Branche tätig, sagt: „Das ich sowas noch erleben durfte. Das hat es wirklich nicht gebraucht.“ Trotz NRW-Verordnung bleibt der Reha-Bereich bei ihr geschlossen, sie sagt: „Die Leute sind doch verunsichert, was sie dürfen und was nicht. Deswegen hoffen wir einfach auf eine Öffnung Anfang Dezember.“ Für Beinker stehe diese noch in den Sternen: „Die Zahlen steigen leider weiter. Vielleicht helfen die Maßnahmen doch nicht wie gewünscht. Aber wir hoffen natürlich, dass wir bald öffnen dürfen.“ Juszczak meint: „Wir haben auch viel Geld und Mühe in die Umsetzung des Konzeptes gesteckt. Man fühlt sich jetzt ein bisschen bestraft und vernachlässigt.“

Kathrin Pilgrim von „Yogaliebe“ ist hin- und hergerissen: „Einerseits ist Sport wichtig, andererseits kann man sich in einem Kurs zu zehnt schnell anstecken, glaube ich.“ Ihre Yoga-Kurse fallen aktuell ebenfalls aus, die Überbrückungshilfe seitens des Staates würde nicht viel weiterhelfen. Den Sport wieder beginnen zu lassen, sei besonders wichtig: „Ich nenne das Psychohygiene – die ist wichtig für den Menschen. Dafür müssen meine Leute in den Yoga-Kursen dran bleiben.“ Das Gegenteil sei aber der Fall: „Ich habe schon einige, die abgesprungen sind.“ Das wiederum geht in die Kosten.

Göcke vom „Impuls“ kann diese für ihre Einrichtung in überraschend hohen Zahlen ausdrücken: „Für die Umsetzung des Konzeptes haben wir bis zu 4 500 Euro ausgegeben. Alleine 3 000 Euro für das ganze Papier zum Desinfizieren der Geräte. Dazu haben wir unsere Kunden angewiesen, das wurde auch durch unser Personal kontrolliert.“

Außerdem sagt sie: „Wir haben so viele Fenster und Türen bei uns – wir können so gut lüften wie fast nirgendwo. Das ist alles kein Problem bei uns.“

Auch im „Fit4you“ haben sie beste Bedingungen: „Unser Gymnastikraum misst 144 Quadratmeter – wir haben Kurse angeboten mit extra 2,50 Meter Abstand.“

Was bleibt? „Zu hoffen, dass wir öffnen dürfen – es ist auch für uns Mitarbeiter einfach wichtig. Wir wollen den Kontakt zu unseren Kunden wieder haben“, sagt Vanessa Juszczak und spricht damit wohl für die ganze Branche.

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