Wenn ein Moment im Leben von Heidrun und Eberhard Grabowski alles verändert hat
„Wie ein Sechser mit Zusatzzahl“

Greven -

Wo sonst Tag für Tag Sportler sich die Klinke in die Hand geben, herrscht seit Wochen Stille. Es sind die Hausmeister und Gebäudereiniger, die dafür sorgen, dass zum Wiederbeginn alles reibungslos funktioniert.

Dienstag, 24.11.2020, 10:30 Uhr
Halten auch dann die Stellung, wenn die Sportler draußen bleiben müssen: Heidrun (64) und Eberhard Grabowski (71) vor dem Sport-Centrum Emsaue.
Halten auch dann die Stellung, wenn die Sportler draußen bleiben müssen: Heidrun (64) und Eberhard Grabowski (71) vor dem Sport-Centrum Emsaue. Foto: th

Es gibt Augenblicke, die verändern alles. Sie bleiben in der Erinnerung besonders gut haften. Um genau einen solchen Moment muss es sich gehandelt haben, in jenem Winter des Jahres 2011. Denn Eberhard Grabowski weiß auch neun Jahre später noch ganz genau, wie es sich zutrug an diesem Nachmittag, an dem sich ihm ein ganz neues Kapitel öffnete. Eines, von dem er sagt: „Für mich war das wie ein Sechser im Lotto mit Zusatzzahl.“

Eigentlich wollte der pensionierte Marinesoldat an diesem Tag seinem Enkel Joshua einen Besuch beim Fußballspiel in der Emssporthalle abstatten. Wie man das als Opa so macht. Doch bis zur Tribüne kamen er und seine Frau Heidrun nicht. „Ich war noch keine drei Schritte in der Halle, als jemand auf mich zukam und sagte: Sie brauchen wir.“ Eine Woche und ein Vorstellungsgespräch später hatte er einen Job bei der DJK. Einer, mit dem so etwas wie ein Traum in Erfüllung ging. „Mein geheimer Wunsch war es immer, Hausmeister zu werden.“

Was als Arbeit begann, wurde zur Berufung. Aus einer anfänglichen Sympathie zum Vereinsleben entwickelte sich eine enge Bindung. Die Mischung aus Hausmeisterjob und Vereinsengagement entwickelte sich zur Leidenschaft. Und wurde zur Familienangelegenheit. Eberhard und Heidrun Graboswki, Letztgenannte geht ihrem Mann seit sechs Jahren zur Hand, dürfen mit Fug und Recht für sich in Anspruch nehmen, so etwas zwei gute Seelen des Sport-Centrums in der Emsaue zu sein.

„Das hier ist mittlerweile unser zweites Zuhause.“ Heidrun Grabowski, seit März dieses Jahres ebenfalls im Ruhestand, hat auf einem Hocker im Foyer Platz genommen. An diesem Mittwochvormittag ist es ungewohnt still um sie herum. Normalerweise geben sich die Sportler in der Emsaue die Klinke in die Hand. In den drei Sporträumen herrscht während der gesamten Woche Hochbetrieb, ebenso in der Geschäftsstelle und den Besprechungsräumen. Doch die Pandemie stellt in diesem Jahr alles auf den Kopf.

Das Sport-Centrum ist in diesem Herbst ein verlassener Ort. Allein die Grabowskis halten die Stellung, das Haus in Schuss und den Schlüssel für den Moment bereit, den die Vereinssportler herbeisehnen: Die Rückkehr zum Normalbetrieb. „Ganz allein in diesem leeren Haus zu sein, ist schon ein komisches Gefühl“, findet Heidrun Grabowski. An Aufgaben fehlt es den beiden zwar auch im Moment nicht. Gleichwohl vermissen sie all das, was über die eigentliche Arbeit hinaus geht. Was erklärt, warum ihre Arbeit im Verein mehr als ein Job ist.

„Das Zwischenmenschliche bedeutet uns ganz viel“, erklärt Eberhard Grabowski, der nicht nur für die Haustechnik verantwortlich ist, sondern an vielen Stellen aktiv mitmischt. Nachdem er vor neun Jahren bei der DJK als Hausmeister begonnen hat, war er Jugendtrainer bei den Fußballern, Turnierorganisator und in einem Arbeitskreis engagiert, der sich mit Fragen der Nachhaltigkeit beschäftigt. Und nicht zuletzt haben er und seine Frau Heidrun ihre sportliche Heimat im Verein gefunden, beim Teppich-Curling. Was ihnen das bedeutet, zeigt auch der Wohnortwechsel. Seit acht Jahren leben die Grabowskis in Greven. Und erinnern sich gerne an diesen einen Moment, der alles verändert hat.

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