Eine tolle Zeit mit komischem Ende: Ex-09-Trainer Andreas Sommer blickt zurück
Plötzlich stand der Fußball still

Greven -

Sommer hatte schon im Winter seinen Abschied zum Saisonende verkündet - meinte mit „Saisonende“ aber natürlich was anderes.

Montag, 14.12.2020, 10:30 Uhr
Momente einer Erfolgsgeschichte, der alleine das Sahne-Häubchen fehlt: Andreas Sommer. oben rechts an der Seite von Ulli Peppenhorst, ebenfalls ein 09-Urgestein auf der Trainerbank.
Momente einer Erfolgsgeschichte, der alleine das Sahne-Häubchen fehlt: Andreas Sommer. oben rechts an der Seite von Ulli Peppenhorst, ebenfalls ein 09-Urgestein auf der Trainerbank.

Olli Kahn tut es. Mehmet Scholl ausdrücklich nicht. Dafür aber Uwe Seeler, Sepp Maier, ja sogar Kaiser Franz. Das Klischee vom ehemaligen Kicker, der den Schläger schwingt – Andreas Sommer erfüllt es mit größtem Vergnügen: „Golf? Das macht richtig Spaß.“ Seine Frau hat ihm Übungsstunden geschenkt, und damit offenbar ein neues sportliches Feuer entfacht. Obwohl das alte natürlich schon auch noch brennt. Sommer ist nicht mehr Trainer des SC Greven 09 – und doch meistens noch dabei: „Ich hab‘ fast alle Heimspiele gesehen.“ Ausgerechnet ein Match verpasste er allerdings: Als Nullneun im August Westfalia Kinderhaus mit 4:2 abfertigte und erstmals in der Vereinsgeschichte den Kreispokal holte, schob der Polizeibeamte Dienst. „Dieser Titel“, betonten sein Nachfolger Mirsad Celebic und Co-Trainer Uli Peppenhorst während der Party, „gehört zu einem riesigen Teil Musi.“

Musi – wie ihn eigentlich alle außer ein paar wenige Familienmitglieder rufen – hatte das Team bis ins Viertelfinale gebracht, ehe der Rest des Wettbewerbs erst nach der Corona-Pause absolviert wurde.

Rückblende: Sonntag, 8. März, 20. Spieltag, es regnet wie bekloppt, Nullneun befindet sich mitten im Aufstiegsrennen und gewinnt 3:0 gegen den SV Wilmsberg, Kücükosman und zweimal Fechtel erzielen die Tore. „Das war richtig gut heute“, kommentiert Sommer – und wirkt optimistisch, so können sie Spitzenreiter Vorwärts Wettringen bestimmt noch einholen! Drei Tage später steht der Fußball im ganzen Land still. Das letzte Spiel für lange Zeit. Und das letzte für den Trainer.

Sommer hatte schon im Winter seinen Abschied zum Saisonende verkündet – meinte mit „Saisonende“ aber natürlich was anderes. Die beabsichtigte Aufholjagd fällt der Pandemie zum Opfer, Greven verpasst den Landesliga-Aufstieg. „Unsere Form passte. Ich glaube, wir hätten unser Ziel erreicht“, sagt der Ex-Coach.

Andererseits: Hätte, könnte, wäre – an sich ist das so gar nicht Sommers Sache. An der Seitenlinie pflegt er das offene Wort. Wenn er Ungerechtigkeit wittert, kann er aus der Haut fahren – aber auch andere Meinungen akzeptieren, spätestens nach dem Abpfiff: „Das ist doch das Schöne am Fußball, dass es was zu diskutieren gibt.“

Offenes Visier, volle Pulle während der 90 Minuten, Shakehands danach – dafür schätzen ihn sportliche Gegner und Mitstreiter. Letztere fand er in vielen Jahren seiner Fußball-Vita in der Schöneflieth: Jugendkicker bei 09, Stürmer der ersten Mannschaft, nach dem Ende seiner Spielerlaufbahn 2004 zunächst sehr lange begeisterter Juniorentrainer. Im Frühjahr 2017 soll er dann den glücklosen Thomas Fraundörfer beerben, „Musi“ gegen eine handfeste Krise, ein Mann aus dem eigenen Stall.

Sommer startet als Hoffnungsträger bei einem ansonsten ziemlich hoffnungslosen Tabellenletzten, führt die Truppe erst ins Bezirksliga-Mittelfeld, später in die Spitzengruppe. Nur das Sahnehäubchen – siehe oben – bleibt aus.

„Unsere Arbeit sollen andere beurteilen“, findet Sommer, der selten als Lautsprecher in eigener Sache auftritt. Was er aber sicher weiß: „Ich hab‘ die Zeit genossen, das sind tolle Jungs.“ Seine Mannschaft. Die ihn, als das kurzzeitig möglich war, mit einem Abschiedsessen überraschte. Ein prima Abschluss nach einem komischen Ende.

Andreas Sommer hätte gerne selber noch den einen oder anderen Youngster an die Erste herangeführt, den er einst in der D-Jugend ausbildete – Jeremy Bohmert und Linus Wolberg zum Beispiel, beide debütierten neulich unter Celebic. Insgesamt jedoch trauert er seinem Posten nicht hinterher: „So ein Trainerjob kostet einfach auch viel Zeit und Kraft.“

In Monaten des gesamtgesellschaftlichen Abstandhaltens freut sich „Musi“ über ein bisschen Abstand vom Fußballzirkus. Eine neue Herausforderung? „Nicht ausgeschlossen“, verrät der Familienvater. „Irgendwann.“ Und hat überhaupt keine Eile sich festzulegen, wann irgendwann wohl ist.

https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/7722649?categorypath=%2F2%2F2669082%2F2670173%2F2686137%2F2686209%2F2686793%2F
Nachrichten-Ticker