Sven Hehl verbringt die kalten Tage im Ausrichterland
Sand, Sonne und eine Handball-WM

Greven/Hurghada -

Im Wüstenland läuft ab heute die Handball-WM. Hehl interessiert sich durchaus auch für das kleinere Sportgerät und freut sich, dass die Weltmeisterschaft trotz der Corona-Krise stattfindet.

Mittwoch, 13.01.2021, 11:00 Uhr
Die Handball-Nationalmannschaft, hier mit Sebastian Firnhaber (re.) und Julius Kühn, starten am Freitag ins erste WM-Vorrundenspiel. DJK-Trainer Sven Hehl (kl. Foto) verbringt die kalten Wintertage im WM-Ausrichterland Ägypten.
Die Handball-Nationalmannschaft, hier mit Sebastian Firnhaber (re.) und Julius Kühn, starten am Freitag ins erste WM-Vorrundenspiel. DJK-Trainer Sven Hehl (kl. Foto) verbringt die kalten Wintertage im WM-Ausrichterland Ägypten. Foto: imago images/Norbert Schmidt

Das hätte deutlich schlechter laufen können für Sven Hehl. Statt missmutig in den grau verhangenen Grevener Himmel zu blicken und darauf zu warten, dass sich mit dem Ende des Corona-Lockdowns auch wieder die Tore der heimischen Sportstätten öffnen, überprüft der Trainer der DJK-Fußballer im übertragenen Sinne gerade höchstens den Lichtschutzfaktor seiner Sonnencreme. „25 Grad, strahlend blauer Himmel. So geht´s“, meldet der Hehl und lässt beim Durchschnitts-Münsterländer damit ein wenig Fernweh-Neid aufkommen. Vor allem, wenn er nachschiebt, dass am Roten Meer in Ägypten, dort, wo er sich gerade aufhält, eine ziemlich entspannte und sonnige Stimmung vorherrscht.

Und dennoch, am heutigen Mittwoch dürfte sich der Fußballer Hehl gegen 18 Uhr Ortszeit in sein abgedunkeltes Wohnzimmer und vor den heimischen Bildschirm begeben, um bei einer anderen Sportart mitzufiebern. Dann nämlich läuft das Eröffnungsspiel der Handball-WM zwischen Ausrichter Ägypten und Gruppengegner Chile. Und spätestens, seit Hehls Sohn Lukas bei der E-Jugend des TV Emsdetten angeheuert hat, ist auch Fußballer-Kenner Sven den kleineren Spielgeräten durchaus zugetan.

Zwar sei die WM-Euphorie bisher noch nicht bis in die touristischen (jedoch weitgehend verwaisten) Hochburgen am Roten Meer vorgedrungen, doch das könne sich im Laufe des Turniers ja noch ändern, da Handball nach der Volkssportart Fußball beim sportbegeisterten Volk durchaus Gewicht besäße. Und gut 500 Kilometer östlich, in der Hauptstadt Kairo, wo ein Großteil der WM in der Cairo-Stadium Sports Hall ausgespielt würde, sähe die Sache sicherlich auch ganz anders aus. Hehl: „Hier bekommt man nicht allzu viel davon mit. Aber in der Millionen-Metropole Kairo ist das anders.“

Und ja, als Sportler habe er auch eine klare Meinung dazu, ob es vertretbar sei, in Corona-Zeiten überhaupt eine WM durchzuführen. „Jetzt, wo sich die Verbände doch darauf geeinigt haben, keine Zuschauer zuzulassen, bin ich dafür. Die Mannschaften leben ja wie in einer Blase und können das Turnier spielen wie in anderen Profi-Sportarten auch. Es spricht im Hinblick auf Corona nichts dagegen. Und für den Sport ist es natürlich gut.“

Was die aktuell weltweit grassierende Pandemie angeht, so teile sich das Wüstenland Ägypten übrigens auf in Bereiche, die kaum betroffen seien, und Metropolen, die extrem zu leiden hätten. Das Hauptproblem: Einen genauen Überblick, wie hoch die Zahl der aktuell Infizierten sei, gebe es nicht. „Es gibt keine große Zahl an Messungen wie in anderen Ländern. Hier verdient ein Arbeiter vielleicht 150 Dollar im Monat, ein Test kostet ihn 100. Entsprechend wenig wird getestet“, erklärt Hehl, der auf eine geografische Besonderheit hinweist. „In Metropolen wie Kairo leben über zehn Millionen Einwohner, doch in der Wüste sieht es natürlich ganz anders aus. Entsprechend konzentriert sich das Infektions-Geschehen auf die großen Städte. In den wenig besiedelten Gebieten ist Corona dagegen kaum ein Thema, obwohl es teilweise sehr strenge Regeln gibt. Und drakonische Strafen.“

Insofern sei auch schwer abzuschätzen, wie sich alles während der WM entwickeln würde. Bei einem Turnier ohne Zuschauer sei das Infektions-Risiko überschaubar. Sollte sich aufgrund eines erfolgreichen Abschneidens der Ägyptischen Mannschaft allerdings eine erhebliche Euphoriewelle aufschaukeln, sähe das vielleicht ganz anders aus. Doch bis nach Hurghada am Roten Meer, dort, wo Sven Hehl aktuell die Sonne und die milden Temperaturen genießt, dürfte die wohl nicht schwappen.

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