Triathlon: Ludger Beermann und der Mythos Hawaii
„You are an Ironman!“

Saerbeck -

Einmal im Leben den Ironman auf Hawaii als aktiver Sportler. Und sogar ins Ziel kommen. Diesen Traum erfüllte sich der Saerbecker Ludger Beermann.

Montag, 01.03.2021, 16:36 Uhr aktualisiert: 01.03.2021, 16:56 Uhr
180 Kilometer auf dem Rad durch die Lavalandschaft – für den Saerbecker eine besondere Herausforderung.
180 Kilometer auf dem Rad durch die Lavalandschaft – für den Saerbecker eine besondere Herausforderung. Foto: Stefan Bamberg

Der Mythos Hawaii lebt. Kein anderer Ironman der Welt gilt als so eisern wie dieser. Keine anderen 3,86 Kilometer Schwimmen, 180 auf dem Rad und 42,195 auf der Laufstrecke haben so viele Geschichten geschrieben von Menschen, die an ihre Grenzen gingen und weit darüber hinaus. Es sind die Sieger-Geschichten von Normann Stadler, Faris Al-Sultan, Jan Frodeno, Sebastian Kienle, Patrick Lange und Anne Haug, die diese Weltmeisterschaft der Langdistanz-Triathleten hierzulande zu einer großen Nummer gemacht haben.

Eine der Geschichten handelt aber auch von einem Saerbecker, der zu einem Mann aus Eisen wurde – vor fast genau zehn Jahren: Am 8. Oktober 2011 überquerte Ludger Beermann nach zwölf Stunden, acht Minuten und fünf Sekunden die Ziellinie in Kailua-Kona. „Eine Sternstunde für mich – das stimmt“, sagt der inzwischen 70-Jährige am Telefon. Der Satz der Sätze – das legendäre „You are an Ironman!“ – ein wenig hallt das bis heute nach.

Was Beermann damals von vielen anderen im Starterfeld unterschied: Der Saerbecker wurde keineswegs als Athlet geboren. Im Gegenteil: Ein bisschen Ballsport bei Falke, das war alles bis etwa Mitte dreißig. Eines Tages allerdings fing seine Frau das Joggen an – und Beermann kam mal mit. Sie probierte Triathlon aus – er schloss sich wieder an. Die Bewegung tat ihm gut. „Und dann bin ich schon so gestrickt, dass ich Ehrgeiz entwickele“ – aber einen Ironman? Eine WM, weit, weit weg von zuhause? Bis dahin dauerte es noch.

Es gibt atemberaubende Hawaii-Bilder von Teilnehmern, die auf den letzten Laufkilometern vor Schwäche ins Taumeln geraten, sich nicht mehr auf den Beinen halten können, mit letzter Kraft doch noch mal aufstehen – und dann direkt wieder zusammensacken. Von Athletinnen, die auf allen Vieren krabbelnd die Ziellinie passieren. Von Opas, die sich durch die triste Lava-Landschaft schleppen, und kurz vor der Mitternacht, nach fast 17 Stunden, in gebücktem Gang und mit leerem Blick über den finalen „Ali‘i Drive“ humpeln. Das also soll das Größte für einen Triathleten sein?

Es ist schwer zu erklären, warum genau man so etwas macht: aus ernsthaftem sportlichen Interesse? Um sich selbst was zu beweisen? Ein kleines bisschen auch, um von anderen bewundert zu werden? „Tja“, überlegt Beermann, „es ist wahrscheinlich eine Mischung aus alldem.“ Je länger er sich in der Triathlon-Szene aufhielt, desto öfter hörte er die Ironman-Stories. Während er selbst sich immer weiter steigerte: Aus anfänglichen 46 Minuten auf zehn Kilometer beispielsweise waren binnen gar nicht so langer Zeit 36 geworden.

Fortschritte werden auf der Uhr objektiv (und häufig zügig) sichtbar, das ist ein besonderer Kick beim Ausdauersport. Ab einem gewissen Leistungsniveau, berichtet Beermann, komme unter Trainingskollegen die Frage auf, wer schon mal auf Hawaii dabei war. Oder: wer mal hin möchte. Beermann packte es an: ackerte sich durch Qualifikationswettkämpfe, bei denen viele Aspiranten um wenige Startplätze fighten. Scheiterte einmal nur um ganz wenige Minuten. Versuchte es beim Ironman in Frankfurt erneut – und gewann seine Altersklasse. „Ich konnte das gar nicht glauben“, blickt er zurück.

Ein Musiklehrer, der früher eigentlich nie ambitioniert Sport getrieben hatte, flog nach Hawaii. Zwei seiner Kinder begleiteten ihn zu diesem Abenteuer. Weil es eine Weltmeisterschaft war, bekam er für zwei Wochen schulfrei. „Auch meine Schüler haben mich aus der Ferne unterstützt“, erinnert sich Beermann, „manche haben den Wettkampf die ganze Nacht verfolgt.“

Wie er durch den Pazifik kraulte, und hierbei sogar seine Seekrankheit überwand: Immer auf den Boden gucken, das war der goldene Tipp einer erfahrenen Athleten-Betreuerin vor Ort gewesen. Wie er auf dem Rad gegen die Hitze, den Wind und die Einsamkeit kämpfte. Und beim Marathon – seiner Paradedisziplin – gegen die Schmerzen.

Angst, nicht anzukommen, plagte ihn in keiner Sekunde: „Man ist irgendwann erfahren genug und kann einschätzen, ob man gut drauf ist.“ Alles – na ja, zumindest vieles: Kopfsache.

Übrigens auch zehn Jahre später noch: Der Saerbecker Eisenmann will sicher keinen Ironman mehr finishen – die jährliche TV-Übertragung aus Hawaii ist aber natürlich immer noch Pflichtprogramm. „Da werden jedes Mal wunderschöne Erinnerungen wach.“

Und sonst: Beermann läuft, unverdrossen, drei- bis viermal pro Woche. Oder schwimmt, wenn es hoffentlich bald wieder geht. Oder fährt Rad. Sport macht Spaß und hält fit – Ludger Beermann findet, dass man das nicht oft genug weiter erzählen kann: „In Bewegung bleiben – das ist einfach super wichtig.“

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