Interview: Premiere für neuen Fachausschuss
Mehr Raum für Sport und Kultur

Greven -

An diesem Mittwoch (24. März) tagt zum ersten Mal der Ausschuss für Sport, Freizeit und Kultur. Vorsitzender des Gremiums ist Stevens Gomes (SPD). Im Interview erklärt er, warum er den zusätzlichen Fachausschuss für notwendig hält

Mittwoch, 24.03.2021, 07:38 Uhr aktualisiert: 24.03.2021, 07:40 Uhr
Stevens Gomes leitet den neuen Sportausschuss
Stevens Gomes leitet den neuen Sportausschuss Foto: Sven Thiele

Es ist eine Premiere. An diesem Mittwoch (17 Uhr, Ballenlager) tagt zum ersten Mal der Ausschuss für Sport, Freizeit und Kultur. Vorsitzender des Gremiums, von der SPD initiiert  und von allen Ratsfraktionen getragen, ist Stevens Gomes (SPD). Im Gespräch mit Sven Thiele erklärt der 40-jährige Familienvater, warum er den zusätzlichen Fachausschuss für notwendig hält, was sich die vielen Vereine und Institutionen, die in diesem Sektor unterwegs sind, von der Politik erwarten dürfen und welche Themen ihm besonders am Herzen liegen.

 

Die Themen Schulen, Sport und Kultur waren bis zum vergangenen Jahr in einem Fachausschuss gebündelt. Jetzt gibt es jetzt zwei Ausschüsse, einen für den Bereich Schule, einen für Sport, Kultur und Freizeit. Warum?

Gomes: Schule ist unheimlich präsent. Dadurch sind in der Vergangenheit viele andere Themen hinten rüber gefallen. Abgesehen vom Sport. Die Sportvereine und der Stadtsportverband haben schon eine sehr tragende Rolle in Greven. Vor allem der Kulturbereich ist aus meiner Sicht aber zu kurz gekommen. Die Idee von Lore Hauschild, einen Weg zu finden und ein Kulturmanagement einzurichten, war letztlich der Ausgangspunkt dafür, einen zusätzlichen Ausschuss zu bilden.

Ist damit die Hoffnung verbunden, den Bereichen Sport, Kultur und Freizeit einen anderen Stellenwert in der politischen Diskussion zu geben?

Gomes: Ja, das ist unser Anliegen. Ich habe mit verschiedenen Kulturvereinen gesprochen, die ganz klar signalisiert haben, dass das eine klasse Idee ist. Wir wollen nicht über die Köpfe der Kulturschaffenden hinweg entscheiden, sondern gemeinsam entscheiden. Uns geht es darum, in der Politik zu wissen, wovon wir reden. Dafür benötigen wir ein Sprachrohr.

Wir wollen nicht über die Köpfe der Kulturschaffenden hinweg entscheiden, sondern gemeinsam entscheiden.

Stevens Gomes

In dem neuen Ausschuss hat der Stadtsportverband eine Stimme, Vertreter aus dem Bereich Kultur und Freizeit stehen nicht auf der Liste. Ein Geburtsfehler?

Gomes: Nein, das ist kein Geburtsfehler, nur sind wir einfach noch nicht so weit. Es ließ sich einfach noch nicht direkt umsetzen, die 70 Kultur treibenden Vereine in den Ausschuss zu bekommen. Wir müssen das in irgendeiner Weise bündeln. Ich möchte an einem runden Tisch darüber sprechen, wie wir das hinbekommen. Im Moment gibt es die Vereinigten Schützengesellschaften als Dachverband der Schützenvereine und den Stadtsportverband.  Im Karneval gibt es keinen Dachverband oder einen Sprecher. Wir haben Musikvereine, die Freilichtbühne, die KI, den Beatclub, Greven Marketing, Kunstvereine oder unseren Heimatverein. Die Frage wird sein: wie kriegt man die alle unter? Meine Vorstellung ist, in Sparten zu denken und für jeden Bereich einen eigenen Sprecher zu haben und dann entsprechend die Anzahl der sachkundigen Bürger im Ausschuss zu erhöhen. Ob und wie das möglich und gewollt ist, wird die Gesprächsgrundlage im nächsten Ausschuss sein.

Der Ausschuss zählt im Moment 21 Köpfe. Um wie viele Mitglieder sollte er aus Ihrer Sicht wachsen?

Gomes: Höchstens sechs Personen sollten aus meiner Sicht hinzukommen als beratende Mitglieder. Diese Mitglieder sind wichtig, um zu wissen, wie letztendlich was funktioniert und was benötigt wird.

Wie attraktiv war der neue Ausschuss bei der Besetzungsfrage?

Gomes: Innerhalb unserer Fraktion konnten wir das Thema zuerst nicht genau greifen. Außer beim Sport. Hier haben sich einige Vertreter sofort gemeldet und gesagt, ja Sport, da möchte ich gerne mitmachen. Je mehr wir uns mit dem Thema Kultur beschäftigt haben, umso interessanter wurde auch diese Geschichte. Wir waren uns schließlich einig, hier gibt es noch ein unheimlich großes Potenzial für Greven.

Mir fehlt enorm das, was auch Vereinsleben ausmacht: das Beisammensein, die Gespräche.

Stevens Gomes

Was kann der neue Ausschuss Ihrer Meinung nach erreichen?

Gomes: Ich nenne mal zwei aktuelle Beispiele aus dem Sport. Im Moment gibt es zwei große Themen, die den Vereinen Bauchschmerzen bereiten. Das sind zum einen die Bewirtschaftungsverträge für die einzelnen Sportstätten. Aus Gesprächen mit mehreren Vereinen habe ich bereits gehört, dass es noch Uneinigkeit gibt. Wir werden darüber sprechen müssen, ob ein einheitliches Bild bei den Verträgen möglich ist. Es bringt nichts, wenn die Vereine Verträge unterschreiben und dadurch unwirtschaftlich arbeiten. Zweites Thema: Den Schwimmvereinen geht es um die Zeiten in den Bädern, die sehr begrenzt sind. Zu diesem Thema gibt es einen runden Tisch. Im Ausschuss werden wir hören, wie es voran geht.

Welche Akzente wollen Sie als Ausschuss-Vorsitzender setzen?

Gomes: Einen besonderen Schwerpunkt sehe ich im Bereich Kultur. Beim Karneval und bei den Schützenvereinen brauchen wir wenig nachsteuern, das läuft.  Anders ist es bei den musiktreibenden Vereinen. Da geht es zum Beispiel um Räumlichkeiten, damit die Vereine üben können. Da möchte ich Akzente setzen. Oder ich nenne Mal Greven Marketing, die KI und den Beatclub.  Ich werde mich dafür einsetzen, dass sie mehr Möglichkeiten haben, Künstler nach Greven zu holen und wir für das Umland eine kulturelle Marke setzen können. Ich möchte, dass man gerne nach Greven kommt für Kulturveranstaltungen.

Sport, Kultur und Freizeit stehen aufgrund der Corona-Pandemie seit einem Jahr nahezu still. Die Hilferufe werden lauter. Warum ist das kein Thema am Mittwoch?

Gomes: Wir können seitens der Verwaltung und der Politik gar nicht so viel machen, denn das ist Landessache und teilweise auch Kreissache. Erst wenn es darum geht, dass Maßnahmen von der Politik wieder gelockert werden, dann können wir auch agieren. Im Moment geht es darum, im ständigen Austausch zu sein, um von der Stimmung zu hören und zu wissen, wo der Schuh drückt. Das tue ich. Wichtig ist, dass wir die Voraussetzung dafür schaffen, sofort zu starten, wenn es wieder geht.

Wir müssen vor allem daran denken, dass wir gerade den Kindern die Möglichkeit geben, Sport zu betreiben.

Stevens Gomes

Was macht Ihnen persönlich an der pandemiebedingten Situation besonders zu schaffen?

Gomes: Mir fehlt enorm das, was auch Vereinsleben ausmacht: Das Beisammensein, die Gespräche.

Befürchten Sie nachhaltige Schäden für den Sport-, Kultur- und Freizeitbereich?

Gomes: Ich glaube, für den Sport werden die Auswirkungen der Corona-Pandemie geringer sein als für die Kultur. Wir haben alle einen natürlichen Bewegungsdrang. Hier müssen wir vor allem daran denken, dass wir gerade den Kindern die Möglichkeit geben, Sport zu betreiben. Das sind die Schwächsten in unserer Gesellschaft, die wir schützen und unterstützen müssen. Eine andere Geschichte ist der Kultursektor. Ich glaube, hier wird es schon eher die Nachwuchsförderung treffen. Die Pandemie ist ein sehr großer Einschnitt. Aber ich glaube, dass wir das schaffen können.

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