Mitgliederentwicklung in den Grevener Sportvereinen
Bisher nur wenige Austritte

Greven -

Vieles hat zu, nichts findet statt – so leidet auch der Vereinssport unter den aktuellen Corona-Bestimmungen. Wie sehen nach über einem Jahr Pandemie und eingeschränktem Sportangebot die Mitgliederzahlen aus? Spoiler: Vereine, die einen Zuwachs verzeichnen können, sind die Ausnahme.

Mittwoch, 07.04.2021, 14:38 Uhr aktualisiert: 08.04.2021, 13:28 Uhr

Die Teilnahme am Training, der Fitnessstunde oder dem geselligen Beisammensein hat in den vergangen zwölf Monaten Seltenheitswert erlangt. Die Räder in den Sportvereinen stehen nicht erst seit Anfang November vergangenen Jahres mehr oder weniger still. Bereits seit Beginn der Corona-Pandemie – vor jetzt mehr als einem Jahr – hat der Vereinssport mit erheblichen Be- und Einschränkungen zu kämpfen.

Gleichwohl halten die Mitglieder ihren Clubs überwiegend die Treue. Die vom Landessportbund NRW erfassten Zahlen zeigen: Es hat zwar einen Mitgliederrückgang im vergangenen Jahr gegeben, doch der fällt deutlich weniger dramatisch aus als zunächst befürchtet. Allein der TVE vermeldet nennenswerte Verluste.

Zum 1. Januar dieses Jahres haben die 26 Grevener Sportvereine genau 9 580 Mitglieder an den Landessportbund (LSB) gemeldet. Das sind 256 weniger als im Vergleich zum Vorjahr. Trotz des Rückganges meint Stefan Kipp, Vorsitzender des Kreissportbundes: „Der Krug der Dramatik geht an Greven vorbei.“

Überschaubare Verluste

Denn: Bei der überwiegenden Mehrheit der Vereine halten sich die Verluste in überschaubaren Grenzen. Der SC Reckenfeld und der SC Greven 09 haben elf Mitglieder im Jahr 2020 eingebüßt, der TC Rot-Weiß 24, der Judo-Club 14 und die Versehrtensportgemeinschaft 13. Dagegen haben der Golfclub (plus 34), die DJK (22), die Handballfreunde (13), die beiden Reitervereine (jeweils elf), die Luftfahrtvereinigung (elf) und der Angelsportverein (zehn) leicht zugelegt. Doch die Schwankungen halten sich in Grenzen.

Eine Ausnahme bildet der TVE, der gemessen an der Mitgliederzahl zum ersten Mal nicht mehr an der Spitze steht. Im Vergleich zum Vorjahr stehen 254 Mitglieder weniger in den Datenbanken des Vereins, der auf 1 334 Mitglieder geschrumpft ist.

Dass der Turnverein damit das Schicksal vieler Großvereine teilt, die im Landesschnitt offenbar deutlich größere Schwierigkeiten haben, dem Pandemie bedingten Rückgang entgegenzuwirken, diese Einschätzung teilt Frank Simon jedoch nicht. Der TVE-Vorsitzende begründet den spürbaren Rückgang mit der Bereinigung von Daten. Man habe im vergangenen Jahr zahlreiche „Karteileichen“ ausfindig gemacht und gelöscht. Aus seiner Sicht relativiert dieser Umstand die Verluste. Die realen Rückgänge schätzt Frank Simon auf 40 bis 50. „Uns fehlen vor allem die Neumitglieder“, betont dieser.

Kinder und Jugendliche bereiten Sorgen

Mit 1 343 Mitgliedern ist die DJK seit Jahresbeginn Grevens größter Sportverein. Dicht dahinter folgt der TVE (1334), dann der SC Greven 09 (960), der ASV (941), der Golfclub (921) sowie der SC Reckenfeld (823). Zusammen bilden diese sechs den Kreis der größeren Vereine der Stadt.

Kreisweit seien es vor allem die Clubs jenseits der 1000-Mitglieder-Marke, die überwiegend mit Verlusten zu kämpfen haben, so Stefan Kipp. Er verfolgt die Entwicklung für die 303 im KSB zusammengeschlossenen Vereine mit großem Interesse.

Besorgniserregend bewertet der Vorstandsvorsitzende vor allem den Kinder- und Jugendbereich. Im gesamten Kreis Steinfurt sind im vergangenen Jahr 4 433 Mitgliedschaften verloren gegangen. 88 Prozent entfallen davon auf Kinder und Jugendliche bis zum Alter von 27.

Ein Trend, der sich auch in der Grevener Statistik widerspiegelt: Satte 302 Kinder und Jugendliche haben dem Vereinssport in 2020 den Rücken gekehrt. Nur weil es Zugewinne bei den Älteren gab, fällt der Rückgang in der Gesamtstatistik nicht so ins Gewicht. Doch klar ist auch: Der Trend dürfte sich fortsetzen und verschärfen. Denn ein Ende der mehr oder weniger sportfreien Zeit ist nicht absehbar.

Stefan Kipp befürchtet vor diesem Hintergrund einen weiteren Rückgang: „Im Moment hören wir von den Vereinen, dass sich die Zahlen in den Monaten Januar, Februar und März noch einmal dramatisch entwickelt haben und es Austrittswellen gibt.“

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