Schach erfreut sich neuer Beliebtheit
Per Maus den Bauern verschieben

Greven -

Mannschaftssport fällt aus, das Training findet nicht statt, die Fitnessstudios haben geschlossen. Aber nicht jedem Sport geht es durchweg schlecht – Schach erfreut sich neuer Beliebtheit. Auch bei den Jugendlichen. Aktuell müssen viele auf das Online-Angebot ausweichen.

Donnerstag, 08.04.2021, 13:28 Uhr aktualisiert: 08.04.2021, 13:32 Uhr
André Röwekamp spielt seit jüngsten Jahren Schach. Seit April 2017 ist er im Vorstand der Reckenfelder Schachfreunde. In der Corona-Zeit verlagert sich vieles, was zuvor in Präsenz stattgefunden hat, ins Internet.
André Röwekamp spielt seit jüngsten Jahren Schach. Seit April 2017 ist er im Vorstand der Reckenfelder Schachfreunde. In der Corona-Zeit verlagert sich vieles, was zuvor in Präsenz stattgefunden hat, ins Internet. Foto: Luca Pals

„Blitz-Schach“ heißt die Spielart, die André Röwekamp gegen seinen Gegner spielt – drei Minuten für jeden Spieler, pro Zug gibt es zusätzliche Zeit: „Das geht enorm schnell“, sagt der 33-Jährige aus dem Vorstand der Reckenfelder Schachfreunde – „und es macht sehr viel Spaß.“ Vieles, was vor Corona in geselliger Runde stattfand, wird nun ins Internet verlegt. So auch beim Königsspiel, das sich in den vergangenen Jahren an neuer Beliebtheit erfreute. Gleiches kann Hans-Jürgen Keller bestätigen: „Schach ist im Kommen.“

Das ist auch in der Welt der Streaming-Dienste zu spüren. Die Serie „Das Damengambit“ kam 2020 raus und wurde zum Renner bei Netflix. Schach findet in der Öffentlichkeit also wieder statt, Keller weiß von einem Verkäufer, dem bereits die Schachbretter ausgegangen sind und sagt: „Gerade im Online-Bereich ist das Angebot sehr vielfältig.“ Der Vorteil: „Schach kann am Computer eins zu eins abgebildet werden. Das geht bei anderen Sportarten nicht.“ Trotzdem würde die Geselligkeit bei Turnieren und wöchentlichen Trainingsstunden fehlen, sagt der 69-Jährige, der seit 30 Jahren in Greven wohnt, seinem Stammverein, der SKK Nordwalde aber weiterhin die Treue hält.

Das Drumherum ist auch für Röwekamp ein Reiz, der nun fehlt: „Wir trainieren einmal die Woche, am Freitagabend gibt es den Senioren-Schach-Abend im katholischen Pfarrheim in Reckenfeld und unsere beiden Mannschaften spielen in der Verbands- und Bezirksklasse mit.“ Dass alles fällt weg, 21 Erwachsene und 14 Kinder und Jugendliche zählen die Schachfreunde Reckenfeld: „Natürlich hat man da die Sorge, dass die Jugend abspringt“, sagt Röwekamp, der im April 2017 in den Vorstand des Vereins eintrat und seitdem eine Bewegung feststellen konnte: „Damals hatten wir weniger Jugendliche, in den letzten Jahren konnten wir durch AGs und Turniere an Schulen einige dazugewinnen.“

Stichwort Schule: An manchen in Deutschland gab es bereits ein eigenes Unterrichtsfach zum Spiel mit Dame, Bauer, König und Springer.

Über die Gründe des gestiegenen Interesses mag Röwekamp nur mutmaßen: „Es kann nicht nur an Corona liegen, weil diese Bewegung schon vor der Pandemie begonnen hat. Manche Dinge kommen einfach mit den Jahren wieder.“ Keller meint: „Viele sind im Home-Office, wenige fahren in den Urlaub und entdecken mit der Zeit neue Dinge oder alte Hobbys für sich wieder.“

Normalerweise trainiert sein Verein in einem Seniorenheim in Nordwalde. Aufgrund von Corona ist daran natürlich nicht zu denken, auch in Schulen oder den ansonsten üblichen Lokalen können die Runden erst einmal nicht ausweichen. Keller zuckt mit den Achseln: „Vielleicht wenn ein Großteil geimpft ist.“

Er selber kann für Schach nur werben: „Der Sport ist so vielfältig, die Möglichkeit an Zügen sind unbegrenzt und eine Partie über vier Stunden ist natürlich auch sehr anstrengend und fordernd.“ Als Kind lernte er die ersten Züge vom Vater, beim Umzug nach Nordwalde trat er in den lokalen Verein ein, kümmert sich um die Pressearbeit und leitet das Jugendtraining. Der Effekt gerade im gehobenen Alter ist dieser: „Schach fordert und fördert natürlich das Gehirn enorm – da bleibt man frisch.“

Röwekamps Faszination sieht ähnlich aus: „Schach ist spannend, komplex und nervenaufreibend. Das Vorurteil, dass wir alle nur Nerds sind kann ich absolut nicht bestätigen.“ Neben Fußball beim SC Reckenfeld gehörte Schach immer schon dazu: „Mein Vater, Helmut Röwekamp, war 24 Jahre im Vereinsvorstand. Ich bin quasi mit Schach aufgewachsen und groß geworden.“ Die Kombination aus Fußball und Schach sei optimal gewesen: „Das Brettspiel hat mich nach dem Fußballtraining immer auch ein bisschen beruhigt.“

Deswegen hofft auch er, dass bald wieder die Möglichkeit in Präsenz zusammen zu kommen, gegeben sein kann.

Solange werden sie noch weiterspielen – unter anderem auf der kostenlosen Internetplattform Lichess. Hier kann gegen anonyme oder bekannte Personen gespielt werden. Die Seite bietet mittlerweile rund 20 Spielklassen mit Auf- und Abstiegen sowie für Neueinsteiger die passenden Schachgrundlagen und Tipps und Tricks zu Training und Taktik. Eben alles dabei – nur online.

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