Radsport beim RSV Steinfurt
Philipp Bartsch kann es immer noch

Burgsteinfurt -

Philipp Bartsch ist zurück. Der ehemalige Fahrer des RSV Friedenau, der jetzt für Gütersloh in die Pedale tritt, erlebt auf der Radstrecke seinen zweiten Frühling. Aber das hat seinen Preis: Süßigkeiten sind für den Wettringer tabu.

Donnerstag, 29.06.2017, 11:05 Uhr aktualisiert: 29.06.2017, 14:32 Uhr
Blau-Weiß statt Rolinck-Schwarz: Philipp Bartsch (re.) fährt seit diesem Jahr für den RSV Gütersloh und erlebt als Amateur der A-Klasse seinen zweiten Radsport-Frühling
Blau-Weiß statt Rolinck-Schwarz: Philipp Bartsch (re.) fährt seit diesem Jahr für den RSV Gütersloh und erlebt als Amateur der A-Klasse seinen zweiten Radsport-Frühling Foto: Werner Möller

In einem Alter, in dem viele Leistungssportler an den Übergang in den sportlichen Ruhestand denken oder ihrer Disziplin nur noch vom Sofa aus frönen, feiert einer, der bis vor einem Jahr noch das Rot-Schwarz des Rolinck-Trikots trug, seinen zweiten (Sport)Frühling. 8000 Kilometer hat Philipp Bartsch bereits in seinen rasierten Beinen und im Jahr 2017 schon 13 Platzierungen geholt; dabei ist das Jahr gerade mal sechs Monate alt und der Höhepunkt – zumindest für die Sofa-Sportler – kommt erst noch. Am Samstag fällt in Düsseldorf der Startschuss zur Tour de France, 30 Jahre nachdem im geteilten Berlin erstmalig in Deutschland eine Tour gestartet worden war.

Drei Jahre lang, von 2013 bis März 2016, hat der gebürtige Wettringer – mehr oder weniger zwangsweise – die Beine hochlegen müssen. „Ich bin so gut wie nicht gefahren, weil ich beruflich so stark eingebunden war“, erklärt Bartsch seine Untätigkeit auf dem Rad. Als Vertriebsleiter für einen Baumaschinenhersteller habe er oftmals bis 20 Uhr arbeiten müssen, sei ständig auf Messen gewesen und habe „null Freizeit“ gehabt. „Anfang 2016 habe ich den Job gewechselt“, verdient Philipp Bartsch seine Brötchen nun zwar immer noch im Außendienst, hat aber in der Regel ab 17 Uhr „keine Kundenbesuche mehr“ und damit Zeit für Training. „Ich war vorher sowas von unzufrieden. Am 1. Januar 2016 habe ich 102 Kilo gewogen. Mit dem Jobwechsel habe ich dann wieder angefangen zu trainieren und meine Ernährung umgestellt. Ich fühle mich jetzt wieder wohl und habe Spaß am Radfahren“, erzählt der 35-Jährige, für den seit dieser Zeit Alkohol und Süßigkeiten tabu sind.

Die ersten Erfolge haben sich in 2016 mit vier Platzierungen und zwei Siegen niedergeschlagen, unter anderem mit Rang zwei beim Abendrennen in Stemmert, damals noch als C-Fahrer im Rolinck-Team. Sein Rad muss jetzt nur noch 84 Kilo über den Asphalt mitschleppen, aber als Sprinter braucht‘s auch eine gewisse Wucht im Finale. Zu einem Sieg hat es in diesem Jahr noch nicht gereicht, dafür drei Mal zu Platz drei in Mettmann, Wegberg und Dorsten.

Vorige Woche, beim Elbers-Cup in Hiltrup, war Bartsch Zweiter beim Ausscheidungsfahren über zehn Kilometer und beim anschließenden Kriterium 14. „Das war schon gut, wenn man sich mal anschaut, wer da alles mitgefahren ist“, muss sich der A-Fahrer nicht verstecken. Mit Jarno Reimers und Frederik Vollmerg waren zwei weitere ehemalige Rolinck-Pedaleure unter den ersten Zehn.

Seinen Wechsel zum RSV Gütersloh erklärt der Wet­tringer, der von 2002 bis 2016 das Trikot des RSV Friedenau trug, unter anderem „mit der stärkeren finanziellen Unterstützung“ bei anderen Clubs und: „In Burgsteinfurt fahren gute Leute, aber durch die Auf- und Abstiege war man zu oft allein bei manchen Rennen.“

Übrigens, gestürzt ist der Wettringer erst ein einziges Mal in dieser Saison. Daher mag er seinen früheren Spitznamen, der ihn in die Nähe einer Filmfigur rückt, die Heinz Rühmann mal gespielt hat, nicht mehr hören: „Das war ganz zu Anfang meiner Zeit in Stemmert, als ich noch jung und unerfahren war. Das passiert dann halt mal“, sagt der Mann, der 2003 „Rund um Steinfurt“ in der C-Klasse gewonnen hat.

Mit dem Jobwechsel habe ich dann wieder angefangen zu trainieren und meine Ernährung umgestellt.

Philipp Bartsch
https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/4966040?categorypath=%2F2%2F2669082%2F2670173%2F2686137%2F2686209%2F2686794%2F
Nachrichten-Ticker