Fußball: Revierderby
Wie Steinfurts BVB-Fans das Revierderby erlebten

Kreis steinfurt -

Das unglaubliche Revierderby zog auch die BVB-Fans in Steinfurt und Umgebung in ihren Bann. Sie erlebten es auf höchst unterschiedliche Art und Weise.

Dienstag, 28.11.2017, 17:31 Uhr aktualisiert: 28.11.2017, 17:35 Uhr
Zunächst herrschte bei Henrik Pieper (kl. Foto 2. von li.) und seinen Kumpels noch Zuversicht, doch am Ende bezeugten die Hinterlassenschaften auf der Dortmunder Südtribüne Spuren tiefer Enttäuschung.
Die Hinterlassenschaften auf der Dortmunder Südtribüne bezeugten Spuren tiefer Enttäuschung. Foto: Witters

Der Schock saß tief, doch mittlerweile dürften die Tränen getrocknet sein und Ernüchterung sich breit gemacht haben. Das 4:4 im Revierderby nach einer 4:0-Führung in der ersten Halbzeit hat so einige Fußballfans aus dem Gleichgewicht geworfen, vor allem solche, die Stadion waren. Von zerschlagenen oder eingetretenen Fernsehgeräten ist in den offiziellen Medien noch nicht berichtet worden, in den sozialen indes kursieren schon Meldungen über Wohnzimmer, die nach Bierglasattacken renoviert werden müssen.

Die „Westfälischen Nachrichten“ haben sich mit dem BVB-Fans aus Steinfurt und mit einigen ausgewiesenen Borussia-Anhängern unterhalten und die Stimmung nach dem Derby eingefangen.

Ein ganz treuer BVB-Fan ist Henrik Pieper aus Altenberge. Der Trainer der A-Junioren vom TuS besitzt seit Jahren eine Dauerkarte für den Signal Iduna Park. Das Dortmunder Drama erlebte er am Samstag in Block zwölf auf der Südtribüne. Erst sei alles ganz normal gewesen. Die Stimmung sei zwar aufgeladen gewesen, aber außer den üblichen Gesängen und Pfiffen (für den jeweiligen Gegner) sei nichts vorgefallen. „Naja“, sagt Pieper, „Es war halt auf dem Feld seit langem mal wieder ein richtiges Derby mit „Hass“ zwischen den Spielern, aber noch im Rahmen. Für uns Dortmunder war es am Ende natürlich eine Riesenenttäuschung“, sagt er rück­blickend. „Wir haben noch lange diskutiert. Wir können auch heute noch nicht verstehen, wie man dieses Spiel nicht gewinnen kann.“

„Bitte nichts über Dortmund“, wollte sich Christoph Klein-Reesink erst nicht äußern – obwohl das Ansinnen der WN noch gar nicht ausgesprochen war. Der Trainer des heimischen Landesligisten SV Burgsteinfurt war live im Stadion dabei und beschreibt seine Gefühlslage wie folgt: „25 Minuten lang euphorisch, dann habe ich 20 Minuten genossen. Danach war ich sehr verwundert, wie die Mannschaft die zweite Halbzeit begonnen hat, und beim 2:4 und der Gelb-Roten Karte war mir klar, wo die Reise hingehen würden.“

Matthias Kappelhoff, ebenfalls Trainer, allerdings bei den Blau-Weiß gewandeten Nordwaldern, hat die Partie daheim vor dem Fernseher ertragen: „Das war schon bemerkenswert, wie eine Mannschaft einen 4:0-Vorsprung noch aus der Hand geben kann und nach 60 Minuten stehend k.o. war. Die hatten ja nichts mehr entgegen zu setzen. Wenn die Partie noch fünf Minuten länger gedauert hätte, hätten die sogar noch das fünfte Tor kassiert.“ Sein TV-Gerät ist übrigens heil geblieben, dafür ist sein Account bei WhatsApp übergelaufen. „Ich habe nach dem 4:4 unheimlich viele Nachrichten bekommen“, sagt Kappelhoff. Nicht immer nur schöne, aber „ich habe ja vorher, als Dortmund führte, ja auch selber welche verschickt“.

Dietrich Schulze-Marmeling, Buchautor und interimsweise auch schon mal Trainer des TuS Altenberge, hat das Revierderby in den eigenen vier Wänden gemeinsam mit seinem Sohn Lorenz angeschaut. „Dazu muss man wissen, dass Lorenz Schalke-Fan ist“, sagt Schulze-Marmeling, der die Gefühlslage seines Sohnes als „zunächst deprimiert“ beschreibt. „Ich habe ihn aber aufgemuntert und gesagt, dass er die Hoffnung nicht aufgeben solle. Bei der Dortmunder Mannschaft sei in dieser Saison alles möglich“, berichtet Vater Schulze-Marmeling weiter. Immerhin sei der BVB in der ersten Halbzeit ja nicht vier Tore besser bewesen als der FC Schalke 04.

Und dann nahm das Unheil seinen Lauf, für Dortmund, nicht für Schulze-Marmeling. „Die Dortmunder Abwehr benötigt dringend Nachhilfeunterricht. Als Schalke dann wie euphorisiert spielte, hatten die Dortmunder nur noch Angst. Das Spiel war die perfekte Mischung aus dem BVB zu Anfang der Saison und der aktuellen Situation“, sagt der Altenberger.

Zur aktuellen Trainerdiskussion und dem von Bild kolportierten Nachfolger Lucien Favre meinen Klein-Reesink und Schulze-Marmeling: „Ich bin ja selber einer, also eher nicht. Das wäre auch zu einfach. Vielleicht sollte man mal darüber nachdenken, 30 Spieler zu entlassen“, sagt der Stemmerter Coach. „Ich denke, dass der Bosz für die Taktik nicht das richtige Personal hat. Für seine Art, Fußball zu spielen, benötigt er viel Zeit, die Dortmund nicht hat. Dortmund ist finanziell abhängig von der Champions League.“

Es war halt auf dem Feld seit langem mal wieder ein richtiges Derby.

Henrik Pieper
https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/5319815?categorypath=%2F2%2F2669082%2F2670173%2F2686137%2F2686209%2F2686794%2F
Nachrichten-Ticker