Do., 01.03.2018

Handball: Bezirksliga TV Borghorst: Permanenter Substanzverlust

Im Fall von Max Göcke haben sich die schlimmsten Befürchtungen nicht bestätigt: Der Torhüter braucht sich keiner Knieoperation zu unterziehen und steht dem TV Borghorst im Saisonfinale zur Verfügung.

Im Fall von Max Göcke haben sich die schlimmsten Befürchtungen nicht bestätigt: Der Torhüter braucht sich keiner Knieoperation zu unterziehen und steht dem TV Borghorst im Saisonfinale zur Verfügung. Foto: Thomas Strack

Borghorst - 

Zwischenzeitlich erweckte es den Anschein, als könnte der TV Borghorst sichere Gefilde in der Tabelle ansteuern. Doch fünf Niederlagen in Folge lassen vermuten, dass es auch in diesem Jahr bis zum letzten Spieltag um den Klassenerhalt geht. Sollte der geschafft werden, wäre das schon ein großer Erfolg angesichts der sich permanent verändernden Mannschaftsstruktur.

Von Heiner Gerull

Als Bezirksligist TV Borghorst am 14. Januar in letzter Sekunde einen 28:27-Sieg beim TB Burgsteinfurt landete, war das für alle Borghorster Handball-Fans eine schöne Momentaufnahme. 12:12 Punkte standen auf der Habenseite, das TVB-Schiff schien einen soliden Kurs zu nehmen. Einer, der schon damals ahnte, dass das kaum so weitergeht, war Trainer Eckhard Rüschhoff. Seine Befürchtungen sollten sich bestätigen. Fünf Ligaspiele weiter befinden sich die Borghorster mit 12:22 Zählern als Elfter in akuter Abstiegsgefahr. Es gibt gleich ein ganzes Bündel von Ursachen für diese Entwicklung.

Das Dilemma begann eigentlich schon nach dem Wiederaufstieg in die Bezirksliga im Mai 2014 und setzt sich fort bis zum heutigen Tag. „Wir hatten im Laufe dieser dreieinhalb Jahre einen personellen Aderlass, wie ich es in meiner 40-jährigen Handball-Laufbahn bisher nicht erlebt habe“, verkündet Rüschhoff. In der Tat waren es einschneidende Veränderungen, die sich seit dem Gewinn der Kreisliga-Meisterschaft im TVB-Kader vollzogen haben. Spieler wie Carsten Blanke, Dominik Hageböck, Phil Huge, Lukas Antfang, Marius Lehmkuhl, Robert Valk, Sven Holz und Hendrik Bleiber verabschiedeten sich. Aufgefüllt wurden die Reihen mit Akteuren, die ausschließlich auf Kreisebene unterwegs waren. So überrascht es nicht, wenn Rüschhoff angesichts dieses latenten Substanzverlustes zu der Einschätzung kommt: „Der Klassenerhalt in diesem Jahr hätte mindestens den gleichen Stellenwert wie der Aufstieg vor vier Jahren. Sollten wir in der Liga bleiben, gibt es eine große Party. Und die hätten sich die Jungs dann auch redlich verdient.“ Mit Blick in die Zukunft wäre sicherlich wünschenswert, der stetigen Veränderungen des Mannschaftskaders entgegenzuwirken. Das wäre eine grundlegende Voraussetzung, dass etwas wachsen kann beim TVB.

Sollte die Tabellenkonstellation bleiben wie derzeit, würde es für die Borghorster als Tabellenviertletzter so gerade reichen. Denn mit DJK Coesfeld, DJK Everswinkel und Ibbenbürener SpVgg stehen in den Landesligen derzeit „nur“ drei Vereine aus dem heimischen Handballkreis auf einem Abstiegsplatz. Bliebe es dabei, gäbe es in der Bezirksliga drei Absteiger. Würde sich in der Landesliga, Staffel 2, aber die „Zweite“ der SpVgg. Steinhagen, die zurzeit einen Abstiegsplatz einnimmt, noch retten und etwa Westfalia Kinderhaus oder den TSV Ladbergen tabellarisch verdrängen, dann erhöhte sich die Zahl der Absteiger in der Bezirksliga Münsterland auf vier. Daraus wird ersichtlich, wie eng Borghorsts Schicksal mit der Landesliga verknüpft ist.

Ausgelöst wurde das sportliche Zwischentief durch den Ausfall von Stammkeeper Max Göcke. Der hatte sich im Derby beim TB eine Knieverletzung zugezogen, womit die wohl standhafteste Säule im fragilen TVB-Gebilde wegbrach. „Dieser Ausfall war nicht so ohne Weiteres zu kompensieren“, verriet Rüschhoff nichts wirklich Überraschendes.

Die Borghorster reagierten auf die Verletzung ihres Leistungsträgers, indem sie mit Julian Schulz einen Youngster aus der B-Jugend (!) beförderten und ihn ins kalte Wasser warfen. Der machte seine Sache gut und ließ erkennen, dass er sicherlich eine Option für die Zukunft ist. Klar ist aber auch, dass ein 17-Jähriger eine starke Leitfigur benötigt, in dessen Schatten er sich ohne Leistungsdruck entwickeln kann. Zumindest in dieser Hinsicht können die Borghorster aufatmen. Denn jüngst gab Göcke Entwarnung. Er kommt um eine Operation herum und darf sogar wieder Sport betreiben. Und da mit Fabian Berges auch der zweite Torhüter nach Anbruch der Semesterferien zum TVB zurückgekehrt ist, bieten sich Rüschhoff im Tor wieder einige Alternativen.

Gleichwohl kommt der Coach in realistischer Einschätzung der Kräfteverhältnisse zu dem grundsätzlichen Fazit, „dass im Moment nur vier bis fünf Spieler in unseren Reihen stehen, die Bezirksliga-Niveau haben. Die anderen zehn haben derzeit nur Kreisligaformat.“ Und wenn man bedenkt, dass die Leistungsstärke der Bezirksliga durch die Zusammenführung der Euregio- und der Münster-Staffel im vergangenen Herbst gewachsen ist und der TVB sich für die neue Liga erst in der Relegation gegen GW Nottuln qualifizieren konnte, stand schon vor dem ersten Ballwechsel fest, dass es für den TVB in der laufenden Saison nur um eines gehen kann: den Klassenerhalt. Jegliche andere Einschätzung wäre eine Verkennung der Tatsachen.

„Wir stehen im Moment genau da, wo ich es vor Saisonbeginn erwartet hatte“, sieht Rüschhoff seine Mannschaft durchaus im Plan. Immerhin rangieren mit der „Dritten“ des TV Emsdetten oder der HSG Preußen/Borussia Münster Mannschaften hinter dem TVB, die es auf Distanz zu halten gilt. Dem Spiel bei Schlusslicht HSG Gremmendorf/Angelmodde am Samstag kommt in jedem Fall wegweisende Bedeutung zu.



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