Hilfe für Moldawien: Zwei ehemalige Fußballer von Schwarz-Gelb sind dabei
Unvorstellbare Zustände

Burgsteinfurt -

Klaus-Peter Forst und Dr. Hans-Wilhelm Rintelen, zwei ehemalige Stemmerter Fußballer, kennen sich seit Jahren und haben gemeinsam bei Schwarz-Gelb gespielt. Seit einigen Jahren sind die beiden gemeinsam mit weiteren ehrenamtlichen Helfern in Moldawien helfend unterwegs.

Dienstag, 19.02.2019, 16:47 Uhr aktualisiert: 19.02.2019, 17:00 Uhr
Das Helferteam für Moldawien aus 2018: (h.v.l.) Dr. Hans-Wilhelm Rintelen (Zahnarzt), Jürgen Gröninger und Klaus-Peter Forst ( Organisation), Dr. Martin Schockenhoff ( Zahnarzt); (v.v.l.) Elke Forst und Janina Sparbier (beide Assistenz), Wolfgang Hellings ( Zahnarzt), Monika Wiening (Assistenz ) und Vladislav Pogrebnoi (Übersetzer).Zahnarzt Dr. Hans-Wilhelm Rintelen und Krankenschwester Elke Forst bei einer Behandlung.
Das Helferteam für Moldawien aus 2018: (h.v.l.) Dr. Hans-Wilhelm Rintelen (Zahnarzt), Jürgen Gröninger und Klaus-Peter Forst ( Organisation), Dr. Martin Schockenhoff ( Zahnarzt); (v.v.l.) Elke Forst und Janina Sparbier (beide Assistenz), Wolfgang Hellings ( Zahnarzt), Monika Wiening (Assistenz ) und Vladislav Pogrebnoi (Übersetzer).Zahnarzt Dr. Hans-Wilhelm Rintelen und Krankenschwester Elke Forst bei einer Behandlung. Foto: privat

Der vierjährige Junge wehrt sich, mit Händen und Füßen, schlägt um sich, tritt. Die Zahnärzte sind verzweifelt. Der Kleine will nicht auf den Behandlungsstuhl. Was ist passiert mit dem kleinen Kerl? Der Übersetzer Vladislav Pogrebnoi spricht mit der Mutter, und sie sagt: „Bei der letzten Behandlung beim Zahnarzt hatten wir kein Geld für die Betäubung.“ Eigentlich ist Elke Forst aus Rheine dann meist ein bisschen fertig. „Wenn ich zu Hause bin, brauche ich immer zwei Wochen, um runterzukommen“, sagt sie. Zusammen mit ihrem Mann Klaus-Peter Forst, dem ehemaligen Spielertrainer von Schwarz-Gelb Burgsteinfurt, fliegt sie seit 2015 einmal im Jahr für eine Woche nach Chișinău, der Hauptstadt der Republik Moldau, um ein Zahnärzteteam um Dr. Hans-Wilhelm Rintelen aus Burgsteinfurt zu unterstützen.

Diese Aufgabe ist den beiden ans Herz gewachsen. „Kaum vorstellbar, dass es so ein Elend noch gibt“, sagt Elke Forst, und ihr Mann fügt hinzu: „So etwas zu sehen, erdet ganz schnell.“ Moldau gehört zu den ärmsten Staaten Europas, und die Not der Ärmsten dort rührt an. Die deutschen Zahnärzte und ihre Helfer engagieren sich von Jahr zu Jahr mehr, und doch wird ihre Arbeit von den Behörden nur geduldet. Was ist, wenn mal was schief geht? „Schnell zum Flughafen“, sagt Elke Forst. Den organisatorischen Rahmen für die Arbeit der Helfer aus Deutschland schafft die katholische Kirche vor Ort um Bischof Anton Cosa.

Eine Woche lang absolvieren die Zahnärzte täglich eine stramme Schicht, von morgens um 8.30 bis abends um 18.30 Uhr, und manchmal noch ein bisschen länger. Klaus-Peter Forst und Jürgen Gröninger arbeiten im Hintergrund als „Organisatoren“, achten darauf, dass alles funktioniert, nicht plötzlich Gummihandschuhe oder anderes medizinisches Material fehlt. Dann müssen sie los und schauen, wo sie etwas kaufen können. Und manchmal ist es auch wichtig, mal fünf Euro zusätzlich über den Ladentisch zu schieben. Dann läuft alles ein bisschen schneller.

Alles begann mit der Freundschaft von Kreisdechant Pfarrer Markus Dördelmann mit Bischof Anton Cosa in Chișinău. Die katholische Kirche betreibt in einem Außenbezirk seit Jahren eine Sozialstation. Die beiden wollten zusätzlich medizinische Betreuung organisieren.

2013 sollte zum ersten Mal ein Zahnärzteteam einreisen. Das scheiterte, da Geräte, Medikamente und medizinisches Material beim Zoll hängenblieben und nur für sehr viel Geld hätten ausgelöst werden können. Seit 2014 kommen die Zahnärzte regelmäßig, mittlerweile reist ein Team im Frühjahr und eines im Herbst an. „Auch wir sind wieder vom 4. bis zum 11. August dabei“, sagt Elke Forst. Und noch immer ist es nicht ganz einfach, alles Notwendige einzuführen, das eine oder andere muss eher unauffällig im persönlichen Gepäck untergebracht werden.

Besonders berührt sind Elke und Klaus-Peter Forst immer, wenn sie über das Leid der Kinder sprechen. „Es gibt kaum Zahnhygiene, manchmal sind alle Milchzähne kariös und brechen ab“, berichtet Elke Forst.

Anfänglich waren die Umstände der Behandlung mehr als schwierig. Der Behandlungsstuhl war ein alter Sessel, eine Absaugung für die Behandlung nicht vorhanden. Also gab es einen Spucknapf. Zähne aufwändig sanieren – das geht nicht. „Wir können Zähne ziehen und Füllungen machen“, beschreibt Elke Forst den Alltag. Es gibt keine Möglichkeit, vor Ort auch zu röntgen.

Besonders engagiert ist der Zahnarzt und ehemalige Oberliga-Fußballer des VfB Rheine, Dr. Hans-Wilhelm Rintelen aus Burgsteinfurt. Er hat eine mobile Behandlungsstation gekauft, will jetzt über Land fahren, in Kindergärten und Kinderheimen behandeln. Rintelen hat eine Patientin sogar nach Steinfurt kommen lassen, die durch eine entstellende Lippen-Kiefer-Gaumenspalte beeinträchtigt ist. Zusammen mit seinem Anästhesisten Dr. Ghassan Al-Romheim hat er sie operiert und eine Zahnprothese eingesetzt. Jetzt kann die Patientin fast wieder normal sprechen, vorher war sie stark beeinträchtigt.

Kaum vorstellbar, dass es so ein Elend noch gibt.

Elke Forst
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