Trainer kommentieren Löws Entscheidung
Von „ungerecht“ bis „nachvollziehbar“

Kreis Steinfurt -

Jérôme Boateng, Mats Hummels und Thomas Müller sind Gesichter des deutschen WM-Triumphes 2014 in Brasilien. Durchaus unterschiedlich bewerten die Trainer im Fußballkreis Steinfurt die Entscheidung von Joachim Löw, künftig auf die drei ehemaligen Stammspieler verzichten zu wollen.

Mittwoch, 06.03.2019, 16:40 Uhr aktualisiert: 07.03.2019, 13:28 Uhr
Ausgespielt: die Weltmeister von 2014 (von .li.) Jérôme Boateng, Mats Hummels und Thomas Müller gehören offiziell seit Dienstag nicht mehr zum Kader der deutschen Fußball-Nationalmannschaft.
Ausgespielt: die Weltmeister von 2014 (von .li.) Jérôme Boateng, Mats Hummels und Thomas Müller gehören offiziell seit Dienstag nicht mehr zum Kader der deutschen Fußball-Nationalmannschaft. Foto: AFP

Diese Nachricht schlug ein wie ein Donnerschlag: Jérôme Boateng, Mats Hummels und Thomas Müller gehören seit Karnevalsdienstag nicht mehr zum Kreis der Nationalspieler. Bundestrainer Joachim Löw hatte die drei Münchner zuvor in einem persönlichen Gespräch darüber informiert, dass er mit Blick auf die Europameisterschaft im kommenden Jahr und der Weltmeisterschaft in Katar 2022 nicht mehr mit den drei Weltmeistern von 2014 plane. Differenziert und durchaus unterschiedlich bewerten die Fußballtrainer im Kreisgebiet diese Maßnahme, wie aus einer Umfrage dieser Zeitung hervorgeht.

Bertino Nacar echauffiert sich vor allem über die Art und Weise, wie die drei früheren Leistungsträger ausgemustert wurden: „Fußball ist immer noch ein gegenseitiges Geben und Nehmen. Die Spieler von jetzt auf gleich auszusortieren, halte ich für nicht gerechtfertigt, zumal sie keine 35 sind und deshalb immer noch auf höchsten Niveau spielen können“, sagt der Trainer des heimischen A-Ligisten FC Matellia Metelen.

Thorsten Bäumer ist der Meinung, dass Löw zumindest an Thomas Müller hätte festhalten sollen. „Der ist ja erst 29 und könnte locker noch vier Jahre spielen“, meint der Trainer der SpVgg Langenhorst/Welbergen. Dass sich der Bundestrainer von Müllers Teamgefährten getrennt hat, ist für den Coach indes nachvollziehbar. Boateng sei verletzungsanfällig, „und Hummels ist auch nicht mehr auf dem Stand, auf dem er einmal war“, erläutert Bäumer.

Abgesehen davon, wie die Nachricht in der Öffentlichkeit kommuniziert wurde, hält er Löws Entscheidung für nachvollziehbar. „Etwas Neues für die Weltmeisterschaft in Katar auszuprobieren, ist okay“, verkündet der Coach, fügt aber einschränkend hinzu: „Bei der Europameisterschaft im kommenden Jahr braucht man auch den einen oder anderen erfahrenen Spieler“, wobei Bäumer in erster Linie an Angreifer Thomas Müller denkt.

Florian Dudek indes sagt, „dass Müllers Zeit schon länger abgelaufen ist.“ Er sei ebenfalls überrascht gewesen, „auch deshalb, weil es gleich drei Spieler des FC Bayern trifft“, erläutert der Trainer des FC WS Weiner. „Das ist schon ungewöhnlich. Aber die Entscheidung zeigt, dass Löw langfristig plant“ und dabei die WM 2022 ins Visier nehme. Durchaus nachvollziehbar sei deshalb die Maßnahme, „obwohl sie ein bisschen spät ergriffen wurde“, betont Dudek.

Nordwaldes Trainerdino Bernd Hahn finde die Löwsche Entscheidung „in Ordnung". Immerhin solle ja ein Umbruch stattfinden, „da kann man auf frühere Meriten keine Rücksicht nehmen. Die jungen Spieler müssen schließlich auch ihre Erfahrung sammeln, und das können sie nur, wenn sie auch spielen“, sagt Hahn.

Florian Reckels, bis zum Ende der Spielzeit beim TuS Altenberge noch am Rand, hält den Schritt des Bundestrainers, auch wenn er ihn nachvollziehen kann, für Aktionismus. Alle drei seien „sehr sympathische Fußballer“, die mit einem Abschiedsspiel hätten gehen sollen.

Der Übungsleiter des TuS Laer 08, Ron Konermann, hat zumindest für den Rauswurf bei einer der drei Personen kein Verständnis: „Bei Hummels verstehe ich‘s überhaupt nicht, weil Süle die einzige Alternative zurzeit ist. Bei Müller und Boateng läuft es aktuell beim FC Bayern ja auch nicht so gut. Vom Gefühl her scheint mir das Aktionismus des Bundestrainers zu sein. Löw wollte ein Zeichen setzen, dass er durchgreifen kann. Allerdings hätte ich es für besser gefunden, wenn man das früher gemacht hätte, auf eine galantere Art. Dann hätten die drei die Möglichkeit gehabt, von sich aus zurückzutreten.“  

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