Fußball: Bezirksliga
Ricardo Bredeck: Pampa-Power aus Paraguay für den SV Wilmsberg

Borghorst -

Ricardo Bredeck hat schon für Germania Horstmar und den TuS Altenberge in der Bezirksliga gespielt, seit anderthalb Jahren ist er beim SV Wilmsberg. Noch interessanter und außergewöhnlicher als seine sportliche Vita ist seine Lebensgeschichte: Bredeck kam erst 2011 aus Südamerika nach Deutschland, doch er hat binnen weniger Jahre in seiner neuen Heimat Tritt gefasst – sportlich, beruflich und auch familiär.

Freitag, 08.03.2019, 11:24 Uhr aktualisiert: 08.03.2019, 12:16 Uhr
Der doppelte Ricardo Bredeck: Voller Elan während eines Kopfballduells im Trikot des SV Wilmsberg 2018 und im blauen Dress (kl. Foto) bei seiner Vorstellung in Horstmar im Juli 2013.
Ricardo Bredeck voller Elan während eines Kopfballduells im Trikot des SV Wilmsberg im Herbst 2018. Foto: Thomas Strack

Wenn Christof Brüggemann eine besondere Eigenschaft seines Spielers Ricardo Bredeck benennen soll, dann braucht der Trainer des SV Wilmsberg nicht lange zu überlegen. „Ricardo ist ein super Typ, der immer viel Power einbringt.“ Kein Wunder – wenn man weiß, dass in Bredecks Adern südamerikanisches Blut fließt. Er kommt nämlich aus Paraguay. Seit anderthalb Jahren spielt er für die Piggen. Zuvor trug er aber auch schon das Trikot des TuS Germania Horstmar. Morgen gibt es für ihn ein Wiedersehen mit einigen seiner ehemaligen Weggefährten, denn ab 15 Uhr treffen der SV Wilmsberg und Germania Horstmar im Punktspiel der Fußball-Bezirksliga aufeinander.

Es ist nicht ungewöhnlich, wenn ein Spieler sich sportlich verändern will und er sich deshalb einem Verein in der Nachbarschaft anschließt. Bredecks Lebensgeschichte indes ist in jeder Hinsicht außergewöhnlich; vor allem die Art und Weise, wie er in der heimischen Region Tritt gefasst hat – sportlich, beruflich und auch familiär.

Bredeck ist Sohn eines Deutschen, der vor vielen Jahren nach Paraguay ausgewandert war. „Als ich 18 wurde, legte mir mein Vater nahe, nach Deutschland zu gehen, um dort eine Ausbildung zu machen“, erinnert er sich an die Zeit, in der sein Leben eine völlig neue Wendung bekommen sollte. Denn Ricardo Bredeck folgte dem Rat seines Vaters und entschloss sich, fernab der Heimat ein neues Leben zu beginnen.

Nach Altenberge verschlug es ihn, weil dort sein Cousin lebt. „Ich kam im Mai 2011 nach Deutschland. Es war schon eine andere Welt, allein die Sprache und die Lebensumstände“, sagt Bredeck. Obwohl er erst 18 Jahre alt war, schaffte er es, sich rasch zu integrieren. Weil er einen Plan hatte, der seinem Leben eine Struktur verlieh. Bredeck, der in seiner paraguayischen Heimat mit Spanisch groß geworden war, perfektionierte seine Deutschkenntnisse und begann eine Ausbildung im Autohaus Brömmler in Altenberge, wo er inzwischen als Mechatroniker fest angestellt ist. Auch einen deutschen Pass hat er mittlerweile.

Sportlich fand er beim TuS eine Heimat; zunächst spielte er bei den A-Junioren, dann in der Altenberger „Zweiten“. Für den in der eher ländlich geprägten Region an der Grenze zu Brasilien und Argentinien aufgewachsenen Südamerikaner war das eine weitere Herausforderung. „In meiner Heimat hatte ich nie in einem Verein gespielt. Ich kannte nur Straßenfußball.“ Es war nicht die schlechteste Ausbildung, wie sich herausstellen sollte. Bredeck lernte in der paraguayischen Pampa das Dribbeln, Toreschießen – und sich durchzusetzen. Auch das half ihm in Deutschland.

Im Jahr 2013 wurde Christoph Klein-Reesink, der damals Trainer in Horstmar war, auf den Angreifer aufmerksam und holte ihn zum TuS Germania. Nach einem Jahr wechselte er mit „Reese“ zu Germania Hauenhorst. Anschließend kehrte er für zwei Jahre zum TuS zurück, ehe er sich im Sommer 2017 dem SV Wilmsberg anschloss. Ein Schritt, den Bredeck bis heute nicht bereut hat. „Die Kameradschaft hier ist überragend. Wir verstehen uns auch außerhalb des Platzes prächtig.“

Auch Piggen-Trainer Brüggemann weiß, was er Bredeck hat. „Im Hinspiel in Horstmar hat er rechter Verteidiger gespielt. Das hat er richtig gut gemacht.“ Er kam auch schon auf der „Zehner“-Position sowie im rechten und linken Mittelfeld zum Einsatz. „Am wohlsten fühle ich mich aber vorne oder hinter den Spitzen“, stellt er klar.

Ob es am Sonntag für einen Einsatz gegen seinen Ex-Club reicht, bleibt abzuwarten. Bredeck hat gerade erste eine Blinddarm-Operation hinter sich. „Ich würde gerne dabei sein. Zumindest für einige Minuten, denn es ist für mich ein besonderes Spiel. Schließlich kenne ich noch Kevin und Dennis Behn, Jan Hellenkamp und Jan Carvalho. Mit denen habe ich ja in Horstmar zusammengespielt“, fiebert der 26-Jährige seinem Comeback entgegen. Ob es dazu kommt, liegt freilich nicht in seinen, sondern in den Händen seines Trainers.

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