Fußball: Kreisliga A Steinfurt
Schiedsrichter bittet um Polizeischutz

Leer -

Ein laut Traineraussagen „faires Spiel“ fand ein unschönes Ende. Weil sich der Schiedsrichter des A-Liga-Spiels Westfalia Leer gegen den SV Mesum II bedroht fühlte, bat er um Polizeischutz. Schiedsrichter-Obmann Jürgen Lütkehaus stuft den Vorfall als „sehr besorgniserregend“ ein.

Montag, 09.12.2019, 17:16 Uhr aktualisiert: 09.12.2019, 21:20 Uhr
Hoch her ging es am Ende der Partie Westfalia Leer gegen SV Mesum II. Schiedsrichter Christian Kadell bat um Polizeischutz.
Hoch her ging es am Ende der Partie Westfalia Leer gegen SV Mesum II. Schiedsrichter Christian Kadell bat um Polizeischutz. Foto: Marc Brenzel

Ein unschönes Ende nahm am Samstag das A-Liga-Spiel zwischen Westfalia Leer und dem SV Mesum II (4:2). Schiedsrichter Christian Kadell fühlte sich von einem Mesumer Zuschauer bedroht und bat die Leerer Verantwortlichen, Polizeischutz anzufordern.

In einem laut Michael Denkler (2. Vorsitzender der Westfalia) „ganz normalen Punktspiel“ kochten kurz vor dem Ende die Emotionen über. Die Gelb-Rote Karte gegen den Mesumer Lars Jenders wegen ­Meckerns führte zu einer Diskussion zwischen Kadell und SVM-Trainer Pascal Wilmes, deren Konsequenz ein Feldverweis für den Coach war.

Daraufhin soll ein Mesumer Fan dem Unparteiischen gedroht haben, dass er kein Spiel mehr pfeifen würde. „Es sind noch andere Sätze mir gegenüber gefallen. Entscheidend war für mich aber, dass der Zuschauer Anstalten machte, über die Bande zu klettern. Da war für mich der Moment gekommen, das Spiel zu unterbrechen. So ein Verhalten will und kann ich nicht akzeptieren“, bezieht der Ochtruper, der für den TuS St. Arnold pfeift, Stellung.

Negative Vorerfahrung

Zu einem körperlichen Übergriff sei es laut Kadell nicht gekommen. „Ich möchte dazu sagen, dass ich diesbezüglich ein gebrandmarktes Kind bin, denn vor 25 Jahren bin ich schon einmal von einem Fan attackiert worden.“

Nachdem der Schiri die Partie mit achtminütiger Nachspielzeit beendet hatte, nahm die Polizei den Sachverhalt auf, Kadell stellte eine Anzeige wegen Bedrohung. Zudem fertigte der Schiedsrichter einen Sonderbericht für den Verband an.

Schiedsrichter-Obmann Jürgen Lütkehaus stuft den Vorfall als „sehr besorgniserregend“ ein. „Wenn ein Schiedsrichter wie Christian, der zehn Jahre lang Lehrwart war und einer unserer Besten ist, um Polizeischutz bittet, dann ist das schon eine echte Nummer.“

Appell zu respektvollem Umgang 

Aggressionen gegenüber Schiedsrichtern seien laut Lütkehaus nicht nur bundesweit, sondern jetzt auch im Münsterland ein „Riesenthema“. „Seit vier, fünf Wochen gibt es auch hier Vorfälle. In Dülmen wurde beim A-Jugend-Pokalfinale das Gespann attackiert. Bei uns im Kreis hatten wir unlängst bei den A-Junioren einen Abbruch. Speziell im Nachwuchsbereich mehren sich die Zwischenfälle, an denen Trainer und Zuschauer beteiligt sind.“

Sowohl Wilmes als auch sein Leerer Pendant Thomas Overesch betonten, dass es zu keinem Zeitpunkt ein unfaires Spiel gewesen sei. Hektik, so Wilmes, habe lediglich der Schiedsrichter in die Partie gebracht. Jetzt stünde man in einem völlig falschen Licht da. Das hätte alles nicht so zu enden brauchen, positionierte sich der Mesumer Übungsleiter.

„Wir müssen uns alle zusammenreißen. Wir spielen nur in der Kreisliga, da geht es nicht um Existenzen. Der Schiri muss respektvoll mit den Spielern umgehen und umgekehrt auch. Wir sitzen da alle in einem Boot“, mahnte Overesch.

Kommentar

Schiedsrichter haben Angst

Wehret den Anfängen

Dass ein Fußball- Schiedsrichter in einem Kreisliga-Punktspiel um Polizeischutz bittet, ist alarmierend. Diese Reaktion zeigt ganz deutlich, dass Teile der Unparteiischen nach den jüngsten Angriffen auf ihre Kollegen in Hessen, Niedersachsen, Berlin und Rheinland-Pfalz einfach Angst um ihre Gesundheit bekommen haben.

In Leer wurde es zwar emotional, aber zu keinem Zeitpunkt gewalttätig. Die Gemüter kühlten schnell wieder ab, alle gingen als Sportsleute auseinander – Gott sei dank.

Trotzdem darf die Angelegenheit nicht schnell unter den Teppich gekehrt werden. Denn festzustellen ist: Die Schiedsrichter werden – und das mittlerweile auch im Fußballkreis Steinfurt – immer öfter zur Zielscheibe. Bislang handelt es sich hier vor Ort „nur“ um verbale Attacken, doch wenn einmal diese Grenze überschritten sein sollte, werden die Hemmschwellen immer niedriger. Also: „Wehret den Anfängen“. Darüber sollten alle nachdenken – die spielfreie Zeit über die vielen Feiertage bietet ja genug Gelegenheit dazu.

von Marc Brenzel

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