Thomas Wessel aus Rheine: Ehemaliger Verbandsligaspieler und Schiedsrichter in einem
Eine unterdrückte Leidenschaft

Rheine/steinfurt -

Schiedsrichter gehören zum Sport wie der Senf zur Wurst. Egal, ob beim Fußball oder Handball, dort wo sie während des Spielverlaufs eingreifen und Entscheidungen treffen müssen, haben sie Einfluss auf den Spielverlauf, ab und zu sogar auch auf das Ergebnis. Doch nicht erst mit dem Anpfiff kommt dieser Einfluss zum Tragen, bereits die Nennung der Referees bei fussball.de oder handball4all.de hat Auswirkung auf Trainer und Spieler. Die Westfälischen Nachrichten haben sich mit dieser Thematik beschäftigt und dazu verschiedene Trainer, Spieler und Schiedsrichter befragt.

Montag, 02.11.2020, 15:42 Uhr
Thomas Wessel als Schiedsrichter bei einem Pokalspiel zwischen Germania Hauenhorst und dem SV Burgsteinfurt (Max Feldhues, hinten, Alexander Bügener, vorne) in der Saison 2016/17.
Thomas Wessel als Schiedsrichter bei einem Pokalspiel zwischen Germania Hauenhorst und dem SV Burgsteinfurt (Max Feldhues, hinten, Alexander Bügener, vorne) in der Saison 2016/17. Foto: Günter Saborowski

Mit 15 Jahren hatte Thomas Wessel aus Rheine zum ersten Mal die Pfeife im Mund und hat ein Fußballspiel als Schiedsrichter geleitet. Da er sich jedoch im Umgang mit dem Spielgerät noch geschickter anstellte als mit der Pfeife, musste diese bis zu seinem 38. Lebensjahr in der Ecke bleiben. Bis in die Verbandsliga, damals die vierte Amateurliga, schaffte es der heute 55-Jährige für die Vereine VfB Rheine und Preußen Lengerich.

„Die Schiedsrichterei war bei mir immer eine unterdrückte Leidenschaft. Ich habe immer gerne Spiele geleitet, manchmal habe ich sogar noch, wenn ich nachmittags spielen musste, vormittags ein Jugendspiel geleitet“, erinnert sich der Logistiker von GE Windenergy. Als es mit der Kickerei ein Ende hatte, das war mit 38 Jahren, ist er nahtlos wieder in die Kluft des Unparteiischen geschlüpft und pfeift heute in der Kreis- und Bezirksliga, hätte aber auch gerne höher gepfiffen.

Wie für viele seiner Kollegen gehören bei ihm die Kenntnis um den „Tabellenstand“ beider Mannschaften, „pfeife ich mit oder ohne Assistenten, handelt es sich um ein Spiel am Saisonende“ und vieles mehr zu einer gewissenhaften Spielvorbereitung. „Je nach Charakter eines Spiels muss ich mich auf bestimmte Dinge einstellen, zum Beispiel, ob viele Zuschauer kommen oder ob es ein Derby ist. Vor Kurzem habe ich die Partie Leer gegen Horstmar geleitet, allerdings mit Gespann. Bei dem Spiel weiß ich, dass die Leerer einen sehr aktiven Fanclub haben, der immer an der Mittellinie steht. Bei solchen Spielen frage ich im Vorfeld meistens, ob genügend Ordner am Platz sind. In Leer habe ich das nicht gemacht“, kennt Wessel die Verhältnisse in seinen Ligen recht gut. Ab und zu bekomme er auch vom Kreisschiedsrichterobmann (KSO) Lütkehaus einen Hinweis, wenn sich im vorherigen Spiel ein, meist negativer, Vorfall ereignet hat.

„Ich stelle mich bei den Trainern und Spielern auch vor dem Anpfiff vor. Früher, als man noch die Passkon­trolle durchgeführt hat, war ich regelmäßig in der Mannschaftskabine, um bei bestimmten Begegnungen beide Seiten für die Brisanz der Partie zu sensibilisieren“, sagt Wessel. Manchmal spreche er im Vorfeld auch mit den Trainern, vor allem bei Spielen am Ende der Saison, damit die Emotionen von außen nicht zu wild werden. „Natürlich gehören Emotionen zum Fußball dazu“, sagt der 55-Jährige.

Aber Beleidigungen dürften nicht sein. Nach dem Abpfiff rede er mit den Übungsleitern über strittige Szenen, „damit man sich beim nächsten Spiel wieder ins Gesicht sehen“ könne. Zudem würde er die eine oder andere Partie auch mit neutralen Beobachtern rekapitulieren, um Klarheit über seine Leistungen zu bekommen.

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