Laufen: Doris Brunstering lief statt Steinhart ihre 56 km durchs Münsterland
Es ging auch ohne Höhenmeter

Horstmar -

Radbahn statt Steinhart500, denn wegen des Ausfalls der beliebten Veranstaltung müssen nun viele auf andere Strecken umsteigen, um den begehrten Klinker zu bekommen. Doris Brunstering aus Horstmar lief dafür lange, sehr lange sogar.

Dienstag, 10.11.2020, 16:08 Uhr aktualisiert: 12.11.2020, 16:28 Uhr
Wie ein Uhrwerk spulte Doris Brunstering die 56 Kilometer runter, immer zwischen 53 und 55 Minuten pro Tausender. Martin Dömer (kl. Bild, M.) begleitete sie. Günter Brunstering (kl. Bild, r.) gratulierte anschließend.
Wie ein Uhrwerk spulte Doris Brunstering die 56 Kilometer runter, immer zwischen 53 und 55 Minuten pro Tausender. Martin Dömer (kl. Bild, M.) begleitete sie. Günter Brunstering (kl. Bild, r.) gratulierte anschließend. Foto: privat

Am Sonntag hätte in Burgsteinfurt der neunte Steinhart500 stattfinden sollen. Eigentlich überflüssig zu erwähnen, dass der aufgrund einer zurzeit grassierenden Seuche ausgefallen ist. Insofern müsste diese Geschichte in Corona-Zeiten eigentlich wieder mit einem Eigentlich beginnen. Immerhin haben sich die Veranstalter vom TB Burgsteinfurt was einfallen lassen, um einerseits ihre ganzen Steine loszuwerden und andererseits die Leute ans Rennen zu kriegen.

Doris Brunstering aus Horstmar, die – da haben wir es wieder – eigentlich den Steinhart500 in diesem Jahr laufen wollte, die lange Version über 56 km sogar, wäre beinahe vom Ausfall des Steinhart ausgebremst worden. 2019 hat sie in der Altersklasse W 60 den Münster-Marathon in 3:51 Stunden absolviert. Was ihr den Altersklassensieg einbrachte. Ihr Nachbar Martin Dömer hat sie im Sommer animiert, es doch mal mit dem Steinhart500 zu probieren. „Eigentlich wollte ich nicht, habe mir das nicht so richtig zugetraut. Aber er hat mich überredet, und dann habe ich darauf hintrainiert“, erzählt die 63-Jährige, die seit ihrem 27. Lebensjahr läuft und mit 3:37 Stunden über die Marathondistanz schon eine respektable Zeit in ihrer Vita stehen hat.

„Als beim Steinhart500 die lange Strecke abgesagt wurde und später die gesamte Veranstaltung, habe ich ihr den Vorschlag gemacht, es doch alleine zu versuchen“, ließ Martin Dömer nicht locker. „Ich hatte Zweifel, ob ich das schaffen würde“, sagt Doris Brunstering, die sich dann aber bequasseln ließ. Dömer präsentierte ihr zwei Strecken, wollte sie auf dem Rad begleiten und die Verpflegung übernehmen und sie damit unterwegs betreuen.

Am vorigen Donnerstag um 10 Uhr ging es bei allerbestem Wetter los. „Ohne Uhr und Kilometerangabe. Die Frau läuft wie ein Uhrwerk, immer zwischen 53 und 55 Minuten pro 1000 Meter“, hatte die Horstmarerin laut Dömer ein konstantes Tempo drauf. „Hatte ich schon immer. Beim Marathon in Münster hängen sich auch ständig Leute an mich dran, weil ich so gleichmäßig laufe“, sagt sie.

„Alle sieben Kilometer haben wir eine Trinkpause gemacht, später alle drei. Ich bin mit dem Rad immer ein paar Meter vorgefahren und habe alles aufgebaut“, berichtet Dömer über seine Aufgabe. Start war in Horstmar, dann ging es Richtung Leer, Loreto und Burgsteinfurt, später auf der alten Marathonstrecke und die Radbahn in Richtung Coesfeld, wo kehrt gemacht wurde in Richtung Heimat.

„Ich schätze der Steinhart ist wegen der 500 Höhenmeter pro Runde deutlich anstrengender, aber die 56 Kilometer habe ich immerhin geschafft“, ist sie stolz auf ihre erbrachte Leistung. Ob sie die allerdings für den Steinhart anerkennen lassen will und sich einen Stein „Corona-Edition“ abholen wird, weiß sie noch nicht: „Der steht mir doch gar nicht zu. Ich bin schließlich nicht die Höhenmeter gelaufen. Ich hoffe nur, dass der Münster-Marathon im nächsten Jahr wieder stattfinden kann.“

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