Fußball: Die Spitznamen der Amateursportler
Die wunderbare Welt des Amateursports: Bambi, Leroy und Brötchen-Bernd

Kreis Steinfurt -

Warum wird ein Bezirksliga-Fußballer „Bambi“ gerufen? Was hat es mit CB9 auf sich? Wer ist Brötchen-Bernd, und vor allem – wer ist Erdbernd? Und wer sind Mopsi, Obelix, Schmusi und Bum-Bum? Die Auflösung ist mehr als interessant.

Montag, 24.12.2018, 07:00 Uhr
„Bambi“? Niklas, der ältere der beiden Thoms-Brüder, wird beim SV Wilmsberg so genannt. Sein jüngerer Bruder Marcel heißt „Klopfer“ – analog zum Walt-Disney-Film, in dem Bambi das Rehkitz und Klopfer der Hase ist.
„Bambi“? Niklas, der ältere der beiden Thoms-Brüder, wird beim SV Wilmsberg so genannt. Sein jüngerer Bruder Marcel heißt „Klopfer“ – analog zum Walt-Disney-Film, in dem Bambi das Rehkitz und Klopfer der Hase ist. Foto: Günter Saborowski

Sie sind so alt wie die Menschheit selbst, haben ab und zu eine Bedeutung oder einen tieferen Sinn und sind mitunter manchmal sogar lustig. Bisweilen begleiten sie einen Menschen ein Leben lang, wobei der Betroffene oftmals gar nicht genau sagen kann, wie er entstanden ist oder woher er tatsächlich rührt – sein Spitzname.

In Zeiten von Jannik und Niklas, mal so, mal anders geschrieben, kann es hilfreich sein, einen solchen Spitznamen zu besitzen. Wobei die Verniedlichungen von Tim oder Klaus mit dem i am Ende dem Timmi oder Klausi vielleicht nicht immer recht sind. Dass der Dominik vielfach „Domme“ gerufen wird, egal ob in Altenberge oder Horstmar, liegt nahe. Wer schreit schon über den halben Platz Hans-Christian oder Tom-Steffen. Ab dreisilbig dauert‘s einfach zu lange.

Wenn auf dem Platz oder in der Halle Sekundenbruchteile entscheidend sind, muss die Ansage kurz sein. „Leo“ oder „Torwart“ – da zuckt jeder bei entsprechender Lautstärke zusammen und weiß Bescheid, dass er seine Füße aus dieser Aktion besser heraushält.

Die meisten Sportler, die mit einem kurzen Vor- oder Nachnamen gesegnet sind, haben in der Regel eh keinen Spitznamen. Wie will man einen „Jan“ auch verulken? Und dass aus Thomas Grabowski einfach „Grabo“ wird, kommt auch nicht von ungefähr.

Beim SV Wilmsberg sind sie in dieser Hinsicht besonders kreativ – wobei die „Erfindung“ nicht aller Spitznamen von den Kickern stammt. „Bambi und Klopfer kommt aus dem Ferienlager, an dem meine Söhne immer teilnehmen. Niklas, der Ältere, wird Bambi gerufen, Marcel, der Jüngere, Klopfer“, erklärt Vater Roland Thoms, früher auch mal Dribbel-Roland oder Flankengott genannt, die Herkunft. Walt-Disney lässt schön grüßen.

„Auf Bambi reagiert er einfach schneller“, sagt Wilmsbergs Trainer Christof Brüggemann, der mit seinem zweiten Niclas, „Nicki“ Ochse oder Capitano, nicht durcheinander kommen möchte. Brüggemann selbst, von einem ehemaligen Mesumer Mitspieler „CB 9“ getauft, war diese Bezeichnung eher peinlich. Und ob Ochse auf dem Rasen mit „Nicki“ oder Niclas gerufen wird, ist „davon abhängig, was ich gerade von ihm will“, deutet Brüggemann an, dass die Order den Ton macht.

„Makka“, so heißt Jan Markfort bei den Piggen, rührt aber noch aus Altenberger Zeiten, wo sie ebenfalls durchaus einfallsreich sind. „Bei uns haben sie fast alle einen Spitznamen. Das ist was Persönliches“, meint Klas Tranow, der Coach der Zweiten. Viele werden mit dem Vornamen des Vaters gerufen, wieso, weiß keiner. „Eppi“ ist Jonas Hammer, „Exe“ für Exner, „Sandy“ dürfte Kai Sandmann sein, „Jürgen“ ist Robin Drees in Anlehnung an den ähnlich ausgesprochenen Schlagersänger und selbst ernannten König von Mallorca.

Warum Florian Reckels‘ Co-Trainer Marcel Pelster „Bum-Bum“ gerufen wird und Torwarttrainer Bodo Nelde „Fischi“ ist, sind längere Geschichten. „Torben Maybaum, der frühere Torwart des FCE Rheine, hat mich so genannt. Als ich aus der Jugend von Grün-Weiß kam, meinte Torben, ich hätte den härtesten Schuss“, erklärt Marcel „Bum-Bum“ Pelster, warum er immer noch so heißt. „Fischi“ dürfte klar sein bei einem Torwart, oder?

Was bei den Fußballern gang und gäbe ist, macht natürlich vor den Toren der Halle nicht halt. „Da fällt mir spontan „Hampel“ Köster ein“, sagt Uwe Geersen vom TB Burgsteinfurt. Der hatte den schönen Vornamen Günter, ebenso wie „Schmusi“ Klose. Kennt keiner mehr? Kein Wunder, die beiden spielten zu Oberligazeiten beim Turnerbund, als Geersen noch ein kleiner Junge in kurzen Hosen war. Dass der ehemalige TB-Trainer Stephan Nocke „Mopsi“ genannt wird, könnte mit seiner ventral ausgeprägten Körperfülle zusammen hängen. Wie gesagt, könnte. Körpermaße spielen auch bei den Ochtruper Handballern Gerrit Thiemann („Obelix“) und Tom Noori („Asterix“) eine Rolle.

„Leps“ für Daniel Lepping (1. FC Nordwalde), „Reese“ bei Stemmerts Coach Klein-Reesink ist irgendwie naheliegend, aber was will uns „Skibbe“ sagen? Der Bruder von Flankengott Alex Wehrmann, Sebastian, der nun bei Germania Horstmar kickt, wird allenthalben so gerufen. Die Auflösung: „Den Namen haben mir Henning Reckermann und Michael Brinkjans in der Grundschule verpasst. Damals war Michael Skibbe Trainer in Dortmund, und dem sah ich wohl ähnlich“, erläutert Wehrmann.

Manch ein Spitzname geht auf das Äußere eines Spielers zurück. „Leroy“ für Sam Anyanwu blitzt es bei Klein-Reesink sofort auf – wobei auch Dante, ehemaliger Gladbacher und FC-Bayern-Spieler, passen würde. „Und unser Innenverteidiger Jens Hauptmeier wird „Sid“ gerufen. Hat wohl gewisse Ähnlichkeit mit dem Faultier aus dem Film Ice Age“, mutmaßt Klein-Reesink. Könnte sich aber auch auf seine mitunter zeitlupenartigen Bewegungen auf dem Platz beziehen – deutet der SVB-Coach an. Steffen Fabian, „unsere letzte Waffe, wenn wir das Glück per Kopfball erzwingen müssen“, so Reesink, werde bei den Stemmertern „Bac“ genannt. Was weder etwas mit der Abkürzung für das französische baccalauréat = Abitur zu tun hat noch mit der „Bank of America Corporation“, sondern einfach nur eine Deo-Marke ist. Dieser Spitzname wurde unter Garantie von einem Mitspieler nach dem Duschen kreiert.

Es gibt aber auch Spitznamen, die mit den unfehlbaren Fähigkeiten eines Akteurs in Verbindung stehen. „Zlatan – so wird Henrik Wilpsbäumer bei uns genannt, weil er vor dem Tor so eiskalt im Abschluss ist“, wissen die Altenberger laut Florian Reckels auch im Fach Ironie zu glänzen.

„Brötchen-Bernd“ Weßeling (Matellia Metelen) hat seinen Beinamen von der Angewohnheit bekommen, zu den Hallenturnieren Backwaren mitzubringen. Geschmiert, versteht sich, nicht trocken. Eher in Richtung Lautmalerei geht „Thunder“ des Meteleners Niklas Van De Velde, bei dem die ersten beiden Teile des Familiennamens – „Vander“ eben – irgendwie genau so klingen wie „Thunder“. Ganz besonders nett sind die Matellianer zu Daniel Erns­ting, der liebevoll „Erna“ gerufen wird.

Beim FC Schwarz-Weiß Weiner spielt „Erdbernd“ als Torschütze eine tragende Rolle. So wird Bernd Möllers von seinem Mitspieler Ansgar Huning gerufen. Warum? Weil der Obstbaubetrieb von Familie Möllers Erdbeeren anbietet. Erdbeeren + Bernd = Erdbernd.

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