Fußball: Schiedsrichterwesen
Schiedsrichtermangel im Kreis Steinfurt: Frauen und Ex-Kicker an die Pfeife

Kreis Steinfurt -

Es wird und wird nicht besser. Die Schiedsrichterzahlen im Fußballkreis Steinfurt sind rückläufig, was fatale Folgen haben könnte. Enorm enttäuscht ist der Schiedsrichterausschuss von den Frauen.

Dienstag, 12.03.2019, 16:26 Uhr aktualisiert: 12.03.2019, 16:30 Uhr
An Deutschlands bester Schiedsrichterin Bibiana Steinhaus nehmen sich im Fußballkreis Steinfurt anscheinend nur zwei Frauen ein Vorbild.
An Deutschlands bester Schiedsrichterin Bibiana Steinhaus nehmen sich im Fußballkreis Steinfurt anscheinend nur zwei Frauen ein Vorbild. Foto: dpa

Nur fünf Anmeldungen sind viel zu wenig. Daher blieb dem Schiedsrichterausschuss des Fußballkreises Steinfurt nichts anderes übrig, als den für das kommende Wochenende geplanten Anwärterlehrgang abzusagen. „Dieser Schritt war alternativlos. Ein Anwärterlehrgang mit fünf Teilnehmern ergibt keinen Sinn“, erklärt Lehrwart Jan Lohmann.

„Es sollte einigen Leuten doch zu denken geben, dass es in einem Kreis mit rund 30 Vereinen nicht gelingt, zehn Anwärter zu finden“, stuft Jürgen Lütkehaus diese Entwicklung als besorgniserregend ein. „Vielleicht werden die Vereine erst wach, wenn es vermehrt zu Spielen ohne Unparteiischen kommt. Ein Szenario, das durch den abgesagten Anwärterlehrgang ein Stück wahrscheinlicher geworden ist.“

Zum Saisonende haben bereits einige Referees ihr Ausscheiden angekündigt, die Nachrücker fehlten nun. „Spieler und Trainer müssen sich also wohl oder übel darauf einstellen, künftig vermehrt vom Betreuer oder einem Zuschauer der Gastmannschaft gepfiffen zu werden“, heißt es aus dem Schiedsrichterausschuss.

„Eine unnötige und vermeidbare Situation, in die sich die Vereine da manövriert haben. Nur scheint sich nicht jeder Verein so engagiert um neue Schiedsrichter zu kümmern, wie es beispielsweise Westfalia Leer oder Schwarz-Weiß Weiner in den vergangenen Jahren vorgemacht haben“, bemängelt Lütkehaus fehlendes Engagement.

Auch gelingt es zu selten, ehemalige Fußballer für die Tätigkeit als Schiedsrichter zu begeistern. Dieses findet Lehrwart Lohmann sehr schade, da „Ex-Kicker häufig gute Schiedsrichter sind, weil sie einfach ein Verständnis für das Spiel haben“.

Einen großen Mangel verzeichnet der Kreis Steinfurt auch an Schiedsrichterinnen. „Es besteht ein extremes Missverhältnis zwischen Frauen- und Mädchenteams einerseits und Schiedsrichterinnen andererseits. Aus dem Frauen- und Mädchenbereich gab es in den vergangenen Jahren nur eine einzige Meldung für den Anwärterlehrgang. Das ärgert und enttäuscht uns enorm“, führt Lohmann aus.

Aufgrund der Partien von Frauen- und Mädchenteams wird wöchentlich eine zweistellige Zahl an Spielleitern benötigt. Dem gegenüber steht mit Michelle Pruß nur eine Schiedsrichterin aus dem Frauenbereich. Die zweite Schiedsrichterin des Kreises – Anne Möwes – gehört dagegen einem Verein ohne Damenabteilung (Vorwärts Wettringen) an.

„Da dürfen sich die entsprechenden Vereine schon mal fragen, ob das noch so in Ordnung ist“, stellt Lütkehaus in den Raum. Das sei seiner Ansicht nach besonders schade, da es gerade im Schiedsrichterwesen für Frauen und Mädchen gute Aufstiegschancen gebe.

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