Fußball: Bundesliga
Sören Storks: Im Eiltempo in die Bundesliga

Kreis Steinfurt/Borghorst -

Schiedsrichter Sören Storks ist gerade erst 33 Jahre alt geworden und doch schon in der Bundesliga angekommen. Jetzt war er zu Gast im Borghorster Rathaussaal.

Mittwoch, 13.11.2019, 16:18 Uhr

Jürgen Lütkehaus beschwor „den Spirit dieser Halle“, als er im Sitzungssaal des Borghorster Rathauses den Lehrabend der Schiedsrichtervereinigung des Fußballkreises Steinfurt eröffnete. Der ehemalige Fifa-Schiedsrichterassistent Christian Schräer aus Emsdetten sei schon dort gewesen, ebenfalls der in Osnabrück lebende Bundesliga-Schiedsrichter Frank Willenborg, so der Vorsitzende des Kreisschiedsrichterausschusses Steinfurt. Jetzt hieß Lütkehaus mit Sören Storks einen der Jüngsten der Bundesliga-Schiedsrichtergarde in Borghorst willkommen. Dass der gebürtige Velener mit einer unverfälschten Portion münsterländischen Stallgeruchs behaftet ist, machte er im Laufe des Abends mit seinem ehrlichen und authentischen Auftritt deutlich.

Als Storks gegen 19 Uhr nach vorne trat, war der Rathaussaal gut gefüllt. Das lag in erster Linie am sportbezogenen Interesse, das die heimischen Schiedsrichter – sie stellten den größten Anteil der Besucher – mit dem Ehrengast verbindet. Nicht absehbar war, dass Storks´ Besuch aufgrund der Ereignisse während des Bundesligaspiels zwischen Hertha BSC Berlin und RB Leipzig (2:4), bei dem der für den VfL Ramsdorf pfeifende Unparteiische am Samstag im Einsatz war, einen aktuellen Bezug erhielt.

Die Veranstaltung sollte nicht dazu dienen, diese Geschehnisse zu thematisieren. Der Referent bemühte er sich trotzdem, Antworten zu geben, als aus dem Kreis der Schiedsrichter-Kollegen Fragen aufkamen, weshalb er weder das Foul des Leipzigers Konrad Laimer, bei dem Herthas Niklas Stark ein Nasenbeinbruch davongetragen hatte, noch das Handspiel desselben Leipziger Spielers mit einem Elfmeter geahndet hatte. Interview-Anfragen diverser TV-Sender unmittelbar nach dem Spiel hatte Storks abgelehnt. Jetzt ließ er zwischen den Zeilen anklingen, dass es klüger sei, nach solch einer emotionsbeladenen Partie in der Öffentlichkeit besser zu schweigen.

2005 hatte Storks einen Schiedsrichter-Anwärterlehrgang absolviert. Dass es für ihn im Eiltempo in die Beletage des deutschen Fußballs gehen sollte, war kaum absehbar – obwohl der junge Schwarzkittel schon damals vor Ehrgeiz sprühte. Sein erstes Spiel, das er leitete, fand in der Kreisliga C unter Beteiligung der Drittvertretung des FC Marbeck 85 statt. „Ich sagte mir: Aus dieser Liga musst du raus“, erinnerte sich Storks an seine Anfänge. Am 25. August 2017 war er am – vorläufigen – Ziel seiner Träume angekommen. Ursprünglich als Vierter Offizieller eingeteilt, kam er zu seinem Bundesliga-Debüt, nachdem sich Schiedsrichter Dr. Felix Brych im Spiel des Hamburger SV gegen den 1. FC Köln verletzt hatte und dieser durch den Velener ersetzt wurde. Storks´ erste Amtshandlung: Er schickte den Hamburger Mergim Mavraj nach 49 Sekunden per Gelb-Roter Karte vorzeitig zum Duschen.

Der Gastredner hatte seinen Vortrag akribisch und anschaulich vorbereitet. Auf einer Leinwand präsentierte der – ausgerechnet am Tag des Hertha-Spiels – 33 Jahre alt gewordene Schiedsrichter Fotos und Videos, wie es im „Kölner Keller“ zugeht. Dort sitzt ein Team, das die Bilder auswertet, die die am Spielfeldrand oder oberhalb des Platzes positionierten Kameras liefern. Teamwork ist dann gefragt. Vor dem Anpfiff finde deshalb ein Technik-Check zwischen ihm und dem Video-Assistenten in Köln statt, berichtete der Unparteiische.

Deutlich wurde in seinen Ausführungen, in welchem Maße sich das Schiedsrichterwesen professionalisiert habe. Storks: „Bundesliga-Schiedsrichter reisen mit ihren Teams schon am Abend vor dem Spiel an.“ Der Tag ende mit einem gemeinsamen Abendessen. Am Spieltag gehe es nach dem Frühstück und einem Briefing mit seinen Assistenten gegen 12.45 Uhr ins Stadion. Die Heimreise erfolge in der Regel am selben Tag.

5000 Euro erhalten Bundesliga-Referees inzwischen für ihren Job – pro Partie. Mit der Spielleitung ist es aber nicht getan. Dienstags und donnerstags stehen Trainingseinheiten an, in denen sich Storks physische Fitness aneignet. Am Montag erfolgt die Nachbereitung des zuvor geleiteten Spiels. „Und da ich ja auch selbst noch gerne spiele, gehe ich mittwochs zum Altherren-Kick“, verriet der Velener.

Ein perfektes Zeitmanagement ist vonnöten, um das alles miteinander in Einklang zu bringen. Was nicht immer einfach ist – oder war. Storks arbeitet als Zimmerer-Meister und ist seinem Beruf treu geblieben. Anfangs war er bundesweit viel unterwegs. „Einmal kam ich am Freitag aus Hamburg und musste am Samstag irgendwo ein Spiel pfeifen. Das war nicht leicht“, sagte er rückblickend. Inzwischen geht er bei seinem Arbeitgeber in verantwortlicher Position einer Büro-Tätigkeit nach. „Aber nicht mehr in Vollzeit“, betonte er.

Verbindlich war der 33-Jährige auch, als es um seine Wesenszüge ging. „Anfangs war ich ein sehr emotionaler Schiedsrichter“, erzählte er. „Aber ich weiß längst, dass man mit einer ruhigen Art besser an Spieler herankommt. Das überträgt sich dann auch auf die Zuschauer.“ Als er gefragt wurde, welche Eigenschaften ein Schiedsrichter grundsätzlich haben müsse, antwortete er: „Man muss lernen, ohne Emotionen die richtigen Entscheidungen zu treffen.“

Storks hat diese Werte verinnerlicht. Auch wenn ihm am Samstag in Berlin ein folgenschwerer Fehler unterlief. In Borghorst ließ sich der 33-Jährige jedenfalls nicht aufs Glatteis führen. Als er am Ende gefragt wurde, ob er denn einen Lieblingsverein habe, antwortete er schmunzelnd: „Keinen.“

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