Fußball in Zeiten von Corona
Zum Nichtstun verurteilt

Steinfurt/Altenberge -

Der Sport und das öffentliche Leben machen aufgrund des Coronavirus eine Pause. Wie lange? Völlig unklar. Die Fußballer haben ihren Spielbetrieb vorerst bis zum 19. April ausgesetzt. Und dann? Abwarten, sagen die einen, Saison beenden die anderen. Und was wird aus der Euro? Die WN sprachen mit einigen Trainern und Funktionären der heimischen Vereine.

Sonntag, 15.03.2020, 14:56 Uhr aktualisiert: 15.03.2020, 15:04 Uhr
Ob Wilmsbergs Trainer Christof Brüggemann (M.) seine Mannschaft mit Anekdoten aus seinem Leben bei Laune hält, ist eher unwahrscheinlich. Der andere Christoph, Klein-Reesink (kl. Bild, unten), mag es kaum glauben, dass er nun eine zweite Pause einlegen muss. André Rodine (kl. Bild, r.) als Coach des TuS Altenberge kann nicht einmal trainieren lassen, weil der Sportpark in Altenberge von der Stadt schon am Freitag gesperrt wurde.
Ob Wilmsbergs Trainer Christof Brüggemann (M.) seine Mannschaft mit Anekdoten aus seinem Leben bei Laune hält, ist eher unwahrscheinlich. Der andere Christoph, Klein-Reesink (kl. Bild, unten), mag es kaum glauben, dass er nun eine zweite Pause einlegen muss. André Rodine (kl. Bild, r.) als Coach des TuS Altenberge kann nicht einmal trainieren lassen, weil der Sportpark in Altenberge von der Stadt schon am Freitag gesperrt wurde. Foto: Günter Saborowski

Schluss, aus, finito! Nichts geht mehr. Das Corona-Virus hat das öffentliche Leben im Griff und beinahe alles lahmgelegt. Mittlerweile auch den Sport. Nachdem bereits am Donnerstag vergangener Woche der Handballverband Westfalen (HVW) sämtliche Spiele in Westfalen bis zum 30. April abgesetzt hatte, hat am Freitag auch der Fußball- und Leichtathletikverband Westfalen (FLVW) beschlossen, im Bereich das Amateurfußballs den gesamten Spielbetrieb bis zum 19. April einzustellen. Das sind fünf Spieltage, die bei den Kickern der Kreis-, Bezirks- und Landesligen unserer Region ausfallen, die bis zum Ende der Saison am 24. Mai nachgeholt werden müssten, weil anschließend Relegationsspiele erfolgen.

So viel zu den Formalia. Aber was machen Trainer und Spieler selber, bis sie wieder spielen können? Trainieren sie, oder lassen sie die Kugel ruhen? Wie die Spannung aufrecht erhalten, wenn es noch um Auf- oder Abstieg geht? Und was wird aus der geplanten und vielleicht schon gebuchten Mannschaftsfahrt nach Mallorca? Fragen über Fragen, die die Westfälischen Nachrichten mit einigen Trainern der heimischen Fußballclubs besprochen haben.

ChristofBrüggemann(SV Wilmsberg): „Keine Ahnung, wie wir verfahren werden. Aber wenn wir den Trainingsbetrieb einstellen, käme mir das sehr gelegen. Wir haben eine ganze Menge Verletzte in unserer Reihen. Ich schätze, dass wir jetzt erstmal einen Schlachtplan entwerfen müssen, wie es weitergehen kann.“ Brüggemann hält die Generalabsage aber auf jeden Fall für vernünftig und hat sogar Zweifel, ob die Saison nicht komplett ausgesetzt wird. „Wenn zigtausend Amateurfußballer der einzelnen Verbände im Sechzehner aufeinandertreffen, dann ist die Gefahr einer Infektion schon sehr groß. Allein schon, wenn ich an unsere kleinen Kabinen denke. Es bleibt nicht aus, dass sich da mal welche berühren“, so der SVW-Trainer, der 14 Tage Trainingspause einlegen muss und dann „vielleicht läuferische Einheiten in kleinen Gruppen“ plant. „Oder wir trainieren nur noch lange Pässe oder Torschuss“, grinst er, weil sich dabei die Spieler nicht gegenseitig berühren können.

Der Trainer des TuS Altenberge,AndréRodine, ist sich sicher, dass „es in vielen Bereichen des öffentlichen Lebens noch Einschnitte“ geben wird. Man könne schlecht Schulen und Kindergärten dichtmachen „und die Fußballer dürfen spielen“. Aber es sei auch mal wieder typisch deutsch, dass es „gefühlt erst 28 Varianten“ gebe, bis eine einheitliche Richtung angezeigt werde. „Wir lassen den Trainingsbetrieb jetzt erstmal ruhen. Allein schon, weil die Stadt das Gelände bis auf weiteres gesperrt hat. Wir werden uns nach Alternativen umhören und -schauen oder eventuell individuelle Pläne erstellen“, so Rodine weiter. Die Maßnahme, den Spielbetrieb auszusetzen, hält Rodine für richtig, „allein schon um Kontakte zu vermeiden. In einem Zweikampf besteht immer die Gefahr, dass etwas passiert und Kontakt hergestellt wird.“

ChristophKlein-Reesink(Trainer des SV Burgsteinfurt): „Es geht um Menschenleben. Das dürfte doch wohl klar sein, dass die im Vordergrund stehen. Ich halte die Absage des Spielbetriebs für komplett richtig, wundere mich nur, dass die nicht mit einer Stimme sprechen und jeder Verband für sich damit beginnt.“ Und weiter: „Für uns ist es recht einfach zu sagen: Komm, lass uns die Saison beenden“, sagt er, weil der SVB als Tabellensechster mit 29 Punkten eh keine Chance mehr auf den Aufstieg hat. „Aber was sollen unsere Freunde aus Wettringen sagen?“, gibt Klein-Reesink zu bedenken. Der FC Vorwärts ist mit 40 Zählern Spitzenreiter, gefolgt von Recke mit 38. Die Spannung sei eh raus, daher habe man in Absprache mit dem Vorstand beschlossen, die Trainingsaktivitäten auszusetzen. „Tabellarisch sieht es für uns ja nicht ganz so dramatisch aus.“

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