Fußball: Schalke kann Tasmania-Rekord einstellen
Königsblaue Krise

Kreis Steinfurt -

Das Münsterland ist eine echte Schalke-Hochburg. Um so mehr schmerzt es die Fans der Königsblauen, dass es um ihre Mannschaft derzeit so schlecht bestellt ist. Am Wochenende winkt sogar die Einstellung eines Uraltrekordes: Der Serie von 31 Spielen in Folge ohne Sieg, die Tasmania Berlin 1965/66 hinlegte. Die WN-Sportredaktion hörte sich bei den Anhängern um. wie sie mit der königsblauen Krise umgehen.

Donnerstag, 07.01.2021, 14:26 Uhr
Schalker am Boden. Aktuell ist das ein Bild mit Symbolcharakter.
Schalker am Boden. Aktuell ist das ein Bild mit Symbolcharakter. Foto: Guido Kirchner

Einige Anhänger von Tasmania Berlin nutzten das jüngste Gastspiel bei Hertha BSC, um die Königsblauen vor dem Olympiastadion zu unterstützen. Der Grund: Der heutige Oberligist Tasmania möchte alleiniger Inhaber einer Rekordmarke bleiben. 31 Spiele blieben die Berliner in der Saison 1965/66 ohne Sieg. Die kleine Fan-Demo hat aber nicht geholfen, denn die Schalker verloren mit 0:3 und können am Samstag im Heimspiel gegen die TSG Hoffenheim den Negativrekord einstellen.

„Sollte das passieren, dann wäre das noch schlimmer als die Leistung der Tasmania. Die Berliner haben das in einer Saison geschafft, bei uns geht die Serie aber mittlerweile schon über zwei Spielzeiten“, betont MichaelSchomann. Der Sportliche Leiter der Junioren des FSV Ochtrup ist glühender Anhänger der Knappen und leidet daher sehr unter den Leistungen „seines“ Teams „Die Hoffnung stirbt bekanntlich zuletzt, aber ich habe mich schon irgendwie damit abgefunden, dass es für uns in Liga 2 weitergeht. Dass Sead Kolasinac von Arsenal London geholt wurde, ist wichtig. Aber wir brauchen drei, vier Neue, um den Schalter umzulegen.“

Schomann ist sich zudem im Klaren darüber, dass es bei vielen Spielern ein gravierendes Kopfproblem gäbe. Nach jedem Rückstand würde alles einbrechen wie ein Kartenhaus. „Apropos Tasmania. Denen gönne ich, dass sie ihren Rekord behalten, aber dafür müssten wir gegen Hoffenheim gewinnen“, stellt der Ochtruper klar.

Schomann arbeitete lange am Stützpunkt als Nachwuchstrainer, hat seinen Posten aber mittlerweile an den Burgsteinfurter JensKormannabgegeben, in dessen Brust ebenso ein königsblaues Herz schlägt. „Gegen wen sollen wir denn noch gewinnen, wenn es uns schon nicht gegen Bielefeld, Mainz oder Hertha gelingt?“, fragt Kormann, der auch gleichzeitig Co-Trainer des Bezirksligisten SV Burgsteinfurt ist.

Aus seiner Sicht dürfte es den Schalkern schwer fallen, die Klasse noch zu halten, aber die Hoffnung sterbe ja zuletzt. Für Kormann steht fest, dass der Weg aus der Krise nur mit einer Ausgliederung der Profiabteilung zu schaffen wäre. Die würde nämlich frisches Kapital bringen, um den Kader qualitativ aufzurüsten.

MarkusWolffindet die derzeitige Situation einfach deprimierend. Der Vorsitzende des Ochtruper Schalke-Fanclubs „Pottbäcker Power“ kann mit dem Hohn und Spott umgehen, der aktuell über seine Lieblingsmannschaft ausgeschüttet wird. „Das sind wir doch gewohnt. Schalke ist nun mal ein Verein, der besonders in der Öffentlichkeit steht und bei dem alles kommentiert wird“, weiß Wolf.

Dass es um seine Schalker schlecht bestellt ist, das kann der Fanclub-Vorsitzende nicht wegdiskutieren, doch den Glauben hat er nicht verloren: „Noch sind 20 Spiele zu bestreiten, und wenn das erste gewonnen wird, dann kommen auch schnell das zweite und dritte dazu.“

Aktuell könne man halt nichts machen, als sich hinter seinen Verein zu stellen und die Partien auf Sky zu verfolgen. „Einige sagen zwar, dass sie sich das nicht mehr antun wollen, doch wenn es losgeht, sitzen sie wieder vor dem Fernseher“, hat Wolf festgestellt. Seiner Meinung nach wäre es nicht so weit gekommen, wenn die Gelsenkirchener vor ihrem Publikum hätten antreten können. „Auch in der aktuellen Lage wären wohl 60 000 zu den Heimspielen in die Arena gekommen. Das wäre ein Pluspunkt“, ist sich der Ochtruper sicher.

MichaelStraube, Trainer des Bezirksligisten Borghorster FC, glaubt fest daran, dass die Gelsenkirchener am Samstagnachmittag gegen Hoffenheim gewinnen werden. „Die Hoffenheimer sind im Moment auch nicht allzu sehr gefestigt“, verweist Straube auf die 1:3-Niederlage der TSG gegen den SC Freiburg. „Alles an Kolasinac festzumachen wäre zu viel verlangt“, glaubt der Borghorster zwar, dass der ehemalige Arsenal-Spieler den Schalker weiterhelfen wird, aber alleine könne er ein Spiel auch nicht entscheiden. Dafür sei vielmehr die komplette Mannschaft verantwortlich.

Der Burgsteinfurt NorbertKerkhoff, selbst ehemaliger Fußballer von SG Burgsteinfurt und seit 1972 Vereinsmitglied bei den Knappen, kann die Situation der Königsblauen nur schwer verstehen: „Ich kann nicht nachvollziehen, wie man vor zwölf Monaten Gladbach mit 2:0 schlagen konnte und dann so eine Negativserie hinlegen kann. Sämtliche Maßnahmen, den Prozess zu stabilisieren, haben nicht gefruchtet, und eine weitere Trainerverpflichtung wird da jetzt auch nicht mehr helfen.“

Natürlich hofft auch Kerkhoff darauf, dass die Schalker jetzt gegen Hoffenheim einen Sieg landen werden, damit der Rekord in Berlin verbleibt, aber Kolasinac als Heilsbringer und Retter hinzustellen, hält er nicht für opportun: „Ich weiß nicht, wie sich das auswirkt, wenn Kolasinac mitspielt. Seine Präsenz ist sicherlich gut und wichtig, er ist ein Leader. Aber er hat zuletzt nicht viel gespielt“, glaubt Kerkhoff nicht, dass er der Retter sein wird. Verletzungsbedingt und wegen einer Corona-Infektion hat Kolasinac für die Gunners insgesamt nur fünf Spiele absolviert.

Hans-Günter „Atze“ Becker (82) ist der damalige Tasmania-Kapitän. Er äußerte sich gegenüber der Berliner Zeitung: „Ich habe zwar keine Angst, dass der Rekord fallen könnte, aber ich wäre wohl doch ein wenig erleichtert. Andererseits hängen wir an dem Rekord. Die Menschen erinnern sich deswegen an uns.“

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